Neue Datenschutz-Grundverordnung belastet Vereine

„Eine große Herausforderung“

Die Würmtaler Vereine haben im Moment reichlich zu tun. Denn die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU bringt auch für sie eine Reihe von Änderungen in ihrer Datenverwaltung und auf der Homepage mit sich. Schulungen, Fachliteratur lesen, Expertenmeinungen anhören – Aufwand und Kosten sind für viele Vereine groß.

Würmtal– „Ich finde es richtig, wenn bei Firmen wie Google und Facebook, die mit Daten handeln, etwas gemacht wird. Aber ich frage mich, was wir für Politiker haben, die solchen Gesetzen zustimmen, die dann auch für uns gelten, die so was natürlich nicht machen“, sagt Gerhard Fuchs, Sprecher der Gräfelfinger Vereine. Fuchs hat sich auch in seiner Funktion als Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr und der Lochhamer Laien-Bauern-Bühne (LLBB) in den letzten Wochen „mit verschiedenen Leuten zusammengesetzt, außerdem Beistand vom Fachmann eingeholt“. Ergebnis: Weder die Feuerwehr noch der Theaterverein benötigen einen Datenschutzbeauftragten, wie ihn die Verordnung vorschreibt. Denn bei beiden Vereinen haben weniger als zehn Personen mit der Verarbeitung personenbezogener Daten zu tun. Bei der LLBB sind es zum Beispiel vier bis fünf Mitglieder.

Dennoch „erheben wir natürlich personenbezogene Daten“ wie Namen und Adressen, sagt Fuchs. Beide Vereine bereiten daher ein „Verarbeitungsverzeichnis“ über die Sammlung und Weitergabe der Daten vor. Auf den Homepages wurde das Impressum aktualisiert, die Formulare wurden angepasst und manche Sachen offline gestellt. „Das ist alles leider ein ziemlicher Aufwand, wir machen aber nicht alles auf einmal“, sagt Fuchs. Damit Fotos künftig nicht unter die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) fallen, dürfen die Abgebildeten auf dem Foto nicht erkennbar sein. Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie für alle anderen Datenerhebungen.

Doch wie ein Foto von einer Feier machen, auf dem man einen guten Eindruck von der Atmosphäre bekommt, aber kein einziger Besucher erkennbar sein darf? Vor diesem Problem steht die Faschingsgesellschaft Würmesia. „Das ist für uns sehr schwierig, insgesamt ist die Verordnung eine große Herausforderung, aber auch eine Chance, das Thema Datenschutz, auf das wir natürlich schon immer achten, auf gute Füße zu stellen“, sagt Präsidentin Tanja Wissel. Wissel hat extra einen Vortrag für Vereine besucht, auf dem es auch um die DSGVO ging. Jetzt stellt die Faschingsgesellschaft gerade entsprechend der Verordnung einiges in ihrem System um. „All das ist natürlich mit viel Zeit und Kosten verbunden – Geld, das einem Verein dann anderswo wieder fehlt“, sagt Wissel.

Von der neuen Verordnung besonders betroffen sind die Sportvereine, da sie naturgemäß mit Wettkampflisten, Saison-Tabellen, Mannschaftsfotos und Telefonnummern von Trainern besonders viele Daten zum Beispiel auf ihren Websites haben. Die Trainer-Telefonnummern hat etwa der TSV Neuried erst einmal von seiner Website genommen, holt aber das Einverständnis nun ein. „Datenschutz ist für uns extrem wichtig und ich denke, dass wir da gut aufgestellt sind“, sagt Geschäftsführer Sven Lommatzsch. Alles würde aber nicht gehen: „Jedes Jahr eine Datenschutz-Schulung zu machen, bei der alle unsere 200 Trainer sowie die Mitarbeiter gleichzeitig Zeit haben und zusammen in einem Raum sitzen, ist unmöglich“, so Lommatzsch. Der TSV versucht daher seine Mitarbeiter auf anderen Wegen auf dem Laufenden zu halten. Der Neurieder Verein hat gemäß der Verordnung eine Datenschutz-Belehrung auf der Homepage eingefügt, informiert seine Mitglieder per Mail und stellt eine Dokumentation über den Datengebrauch zusammen.

Auch der SV Planegg-Krailling hat seine Homepage überarbeitet, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle zu Schulungen geschickt und ist gerade auf der Suche nach einem Datenschutzbeauftragten „außerhalb der Funktionärsebene“, sagt Vizepräsident Florian Häringer. „Wir wollen alles richtig machen und haben deshalb nichts überstürzt.“ Die EU-Verordnung sei prinzipiell eine „sinnvolle Sache“, findet Häringer, der hauptberuflich als Polizist arbeitet. „Der Hype, der gerade um die Verordnung gemacht wird“, sei übertrieben: „Wer sich bereits bislang vollständig an das deutsche Datenschutzgesetz gehalten hat, muss nicht sehr viel ändern“, meint Häringer. Nur hätten viele bisher die Regeln des Datenschutzgesetzes nicht vollständig gekannt.

Peter Seybold

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