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Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Ahmet Altun betreibt den Imbiss am Jahnplatz und weiß, dass niedrigere Temperaturen beim Frittieren gesünder sind.

EU-Verordnung zu Acrylamid in Lebensmitteln

Gastronomie sieht keinen Handlungsbedarf

Acrylamid gilt als krebserregend. Für Lebensmittelhersteller sowie Restaurants und Imbissbetriebe gelten deshalb ab sofort strengere Produktionsrichtlinien. Würmtaler Gastronome sehen das gelassen.

Würmtal – Alle Jahre wieder ist Acrylamid in aller Munde. Die Substanz entsteht in stärkehaltigen Lebensmitteln wie Pommes frites, Brot oder Kaffee beim Backen, Braten, Frittieren oder Rösten. Die Krux: Acrylamid steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Zwar kommt die Forschung zur Kanzerogenität von Acrylamid zu unterschiedlichsten Ergebnissen, die EU hat zum Schutz der Verbraucher dennoch eine neue Acrylamid-Richtlinie erlassen. Seit gestern verpflichtet sie Lebensmittelhersteller sowie Restaurants und Imbissbetriebe, strengere Produktionsrichtlinien zur Eindämmung von Acrylamid einzuhalten. Die neuen Regeln sehen unter anderem vor, Pommes nicht mehr stark zu frittieren und Brot möglichst hell zu backen. Betroffene Gastronome im Würmtal sind da geteilter Meinung.

Ahmet Altun betreibt seit elf Jahren am Jahnplatz in Lochham einen Imbissstand. Er begrüßt die neue EU-Verordnung. „Ich finde das sehr gut. Es ist ja bekannt, dass Acrylamid entsteht, wenn Lebensmittel zu stark erhitzt werden“, sagt er. Da er die Pommes frites, die er verkauft, nicht selbst produziert, ist er auf qualitativ hochwertige, vorfrittierte Tiefkühlware angewiesen. Altun findet es gut, dass die neue Richtlinie die Hersteller in die Pflicht nimmt. Sie sollen künftig Kartoffelsorten mit geringerem Stärkegehalt verarbeiten. Denn Stärke ist das Ausgangsprodukt, aus dem sich Acrylamid bilden kann. „Nachlässigkeiten gegenüber den Endverbrauchern sollte man Produzenten einfach nicht erlauben“, so Achmet Altuns Fazit. Er selbst achtet darauf, dass er die Pommes nicht zu heiß frittiert.

Auch Antje Langemann, Wirtin des Pschorrhofs in Lochham, sagt, dass sich im Grunde nichts ändere. Sie versteht die Aufregung nicht: „Unsere Fritteuse wird grundsätzlich nicht höher als auf 160 Grad erhitzt. Das machen wir schon seit Jahren so.“ Das Frittieren dauere dann zwar etwas länger, man erhalte aber auch ein sichereres Lebensmittel. Zudem setzt sie auf Frischware. Ihre Pommes entstehen aus geschnittenen Kartoffeln, die sie sich täglich frisch liefern lässt.

Hans Sickinger, Geschäftsleiter der Familienbäckerei Sickinger, die im Würmtal acht Filialen unterhält, sieht die Eigenverantwortung beim Endverbraucher: „Wenn man Brot, egal welche Sorte, zu lange toastet, entsteht eben Acrylamid.“ Schwarze Ränder sollte man erst gar nicht entstehen lassen. Der Bäckermeister ist der Überzeugung, dass bei seinen Produkten kein Acrylamid entstehe.

Wie die Einhaltung der neuen Verordnung überprüft werden soll, ist noch offen.

Katja Brenner

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