Euro-Umstellung vor 15 Jahren

Als der Euro kam: Rückblick auf stressige Tage

Würmtal - Ein Leben ohne Euro ist heute schwer vorstellbar. Vor 15 Jahren ersetzte er die Deutsche Mark. Einzelhändler aus dem Würmtal erinnern sich an die Umstellung nach dem 1. Januar 2002.

Eine Nagelbettentzündung ist das erste, was Peter Sickinger in den Sinn kommt, wenn er an die Umstellung von der Deutschen Mark (DM) auf den Euro im Januar 2002 denkt. „Wir haben kiloweise Kleingeldrollen von der Bank geholt“, erinnert sich sein Bruder Hans Sickinger. Beide betreiben gemeinsam die gleichnamige Bäckerei im Würmtal. 16 Registrierkassen mussten über Nacht mit neuem Wechselgeld gefüllt werden. „Wir haben erstmal keinen Euro eingenommen, mussten aber in Euro rausgeben“, sagt Hans Sickinger. Also rissen die Brüder kistenweise Münzrollen auf – bis hin zur Nagelbettentzündung.

„Ein Mann wollte mit 500 DM seine Semmeln bezahlen, das ist im Würmtal durchaus üblich, nach Bankschluss sind wir eine Art Wechselstube“, erzählt er. Das Problem damals sei aber gewesen, dass der Mann sein Wechselgeld in DM wollte und nicht in Euro, denn er habe Hundert-Mark-Scheine an seine Enkel verteilen wollen. „Das ging nicht, wir waren angehalten, die deutschen Scheine einzusammeln“, sagt Sickinger. „Da haben wir den Banken viel Arbeit abgenommen“, meint er. Ein halbes Jahr lang hätten sie in den Bäckereien eine doppelte Kassenführung gehabt. „Ich kann mit einem Knopfdruck die Kasse umstellen“, sagt Sickinger – auch heute noch.

Stephani Ulbrich von der „Stephanus Apotheke“ in Krailling erinnert sich ebenfalls vor allem an das viele Geld damals und an Euro-Umrechner, von denen sie noch heute welche habe. „Wir mussten vorübergehend die Versicherung erhöhen, weil wir mehr Bargeld in der Apotheke hatten als sonst“, sagt sie. „Und die Leute haben geschimpft, dass es die D-Mark nicht mehr gibt.“

Claus Scherzer, Geschäftsführer vom Würmtal Möbelhaus in Panegg, kann das nicht nachvollziehen. Er sagt: „Ich bin ein Euro-Fan.“ Scherzer schwärmt, wie angenehm die gemeinsame europäische Währung beim Reisen sei. „Selbst in der Schweiz nehmen fast alle den Euro“, sagt er. Die Umstellung im Würmtal Möbelhaus sei damals unkompliziert verlaufen. „Wir haben ein Starter-Paket von der Bank gekriegt.“ Damit sei das Geschäft erstmal mit neuem Geld versorgt gewesen. „Wir haben über unsere EDV genau umgerechnet“, erinnert er sich – auch wenn dabei auf einmal nicht mehr gerade Geldbeträge herausgekommen seien. Da habe er dann kurzerhand gerundet. „Und dann sind die neuen Preislisten gekommen“, berichtet er.

Bei Intersport Haindl habe es stattdessen eine zweigleisige Preisauszeichnung gegeben, erinnert sich Geschäftsführer Andreas Haindl. „Das war ganz wichtig, um Transparenz zu schaffen“, meint er. Haindl sagt, die Umstellung habe ihn damals Zeit, Geld und Nerven gekostet.

Rückblickend fällt die Bilanz zur Umstellung auf den Euro bei den Einzelhändlern im Würmtal aber positiv aus. Auch Haindl sagt, dank guter Vorbereitung sei bei ihm alles unkompliziert gelaufen.

Und bei „Schreibwaren Stucken“ in Neuried weiß Gerhard Stucken ebenfalls nicht von Schwierigkeiten zu berichten: Er kann sich an die Umstände der Umstellung eigentlich gar nicht mehr genau erinnern.

Victoria Strachwitz

Rubriklistenbild: © dpa

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