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Auch Florian Erlacher, Inhaber von „Flo´s Fahrschule“ in Planegg (hier im Fahrsimulator), würde sofort einen oder gar zwei Fahrlehrer einstellen.

Führerschein

Fahrlehrer händeringend gesucht

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Fahrlehrer gesucht: Im Würmtal besteht ein Mangel. Liegt es am Traum vom autonomen Fahren oder ist der Beruf schlicht unattraktiv? Führerscheinanwärter müssen jedenfalls mit Wartezeiten rechnen.

Würmtal –„Keiner will’s machen“, sagt Fahrlehrer Uwe Komogowski von der Fahrschule Fehr in Neuried. Aber er könne verstehen, warum derzeit überall Fahrlehrer fehlten. Seine Fahrschule suche aktuell ein bis zwei Fahrlehrer – auch auf der eigenen Internetseite wird geworben. „Mein Kumpel ist Müllfahrer, der verdient 500 Euro netto weniger, ist aber mittags zu Hause“, sagt Komogowski. Er hingegen arbeite zwischen sieben Uhr morgens und 23 Uhr.

Florian Erlacher, Ausbildungsfahrlehrer und Inhaber von „Flo’s Fahrschule“ in Planegg und Stockdorf, sagt, der Verdienst sei in Ordnung. „Wenn ein Fahrlehrer fleißig ist, verdient er auch gut.“ Die Löhne seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In fünf Jahren um fünf Euro pro 45 Minuten. Da möchte er nicht klagen. Aber er sieht wie Komogowski ein Problem bei den Arbeitszeiten. Vormittags habe er wenig zu tun. „Im Hochsommer geht es bis Mitternacht, das muss man mögen.“ Das liegt an den vorgeschriebenen Nachtfahrten. Auch Erlacher fehlen Mitarbeiter. „Händeringend würde ich einen suchen, wenn nicht zwei.“

Silke Güther von der Gräfelfinger „International Driving School“ sagt: „Sie finden in München kein einziges Fahrschulauto, auf dem nicht drauf steht: Wir suchen Fahrlehrer.“ Seit die Bundeswehr nicht mehr ausbilde, seien es weniger geworden. Die reguläre Ausbildung für Fahrlehrer sei unattraktiv. Anders als bei anderen Ausbildungen üblich, würden die Lehrlinge nicht drei Jahre lang bezahlt. Sie müssten hingegen ein Jahr lang eine Privatschule besuchen und selbst zahlen. „Ich denke, das spielt eine Rolle“, sagt Güther.

Ihr Kollege Erlacher erklärt, die Schule koste rund 12 000 Euro bei gleichzeitigem Verdienstausfall. Er begrüßt, dass Lehrer, die nur Pkw-Führerscheinanwärter unterrichten wollen, neuerdings nicht mehr zusätzlich den Lkw- und Motorradführerschein vorweisen müssen. „Dadurch müssen sie jetzt bis zu 8000 Euro weniger ausgeben, um Lehrer zu werden.“

Ob die Gesetzesänderung aber Auswirkungen auf die Zahl der Fahrlehrer haben wird, könne man noch nicht sagen, meint Komogowski. Der Job sei nun mal anstrengend. Seine Schüler hätten bereits den Kopf voll, wenn sie um 16 Uhr zur Fahrschule kämen, um eineinhalb Stunden Auto zu fahren. Sie hörten wenig zu. „Die tun sich schweineschwer.“ Gleichzeitig gebe es mit den Eltern Diskussionen, warum die Kinder heutzutage 40 bis 50 statt 20 Fahrstunden bis zum Führerschein bräuchten. „Aber die Zeit ist vorbei.“ Die Verkehrsdichte habe außerdem zugenommen.

Erlacher hat an seiner Tätigkeit wenig auszusetzen. Er macht vor allem Panikmache für das Ausbleiben junger Fahrlehrer verantwortlich. Einige meinten, der Beruf sei durch das autonome Fahren vom Aussterben bedroht. „Das ist totaler Blödsinn. Das Auto muss stets übersehbar sein, folglich wird jeder einen Führerschein brauchen.“

Im Würmtal halten sich die Wartezeiten für Führerscheinanwärter derzeit noch in Grenzen. „Innerhalb von 14 Tagen kann ich eine Fahrstunde anbieten“, sagt Sven Großmann von der „Fahrschule G. Kaiser“ in Gräfelfing. Silke Güther erklärt, sie nehme nur so viele auf, wie sie unterrichten könne. Aber Komogowski sagt, er habe von Fahrschulen gehörte, da warteten die Schüler bis zu sechs Monate auf eine Stunde. „Momentan muss man mit einer zeitlichen Verzögerung rechnen“, ist sein Fazit.

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