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Die Abgase aus dem Auspuff eines Diesels seien nicht hauptverantwortlich für die hohe Feinstaubbelastung, meint Robert Kühn vom Autohaus „Ford Arnold“ in Gräfelfing.

Nach Diskussion über Fahrverbot in Innenstädten

Würmtaler meiden Dieselautos

Der Diesel steht im Kreuzfeuer der Kritik. Zu Unrecht, meinen Autoverkäufer im Würmtal. Doch die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen geht deutlich zurück. Und die Besitzer solcher Autos haben Folgen zu befürchten.

Würmtal – „Die Kunden lassen Diesel links liegen“, sagt Robert Kühn vom Autohaus „Ford Arnold“ in Gräfelfing. Wer dieser Tage im Würmtal ein Auto kauft, entscheidet sich meist für eines mit Benzinmotor. Schuld ist die aktuelle Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart und München zur Verbesserung der Luft in den Innenstädten. Für Autobesitzer könnten die Folgen der Debatte drastisch sein: „Die Leute bangen um den Werterhalt ihrer jetzigen Gebrauchtwagen“, sagt Kühn. Berechtigterweise, wie er meint: „Es kann schon sein, dass da ein paar Tausender liegen bleiben.“

Dabei versteht Kühn das Problem mit dem Diesel nicht. Zum einen meint er, Reifenabrieb und Bremsverschleiß verursachten mehr Feinstaub als das, was aus dem Auspuff komme. Und was die Menschen im Würmtal betrifft, weist er darauf hin, dass ein Verbot nur diejenigen treffen soll, die mit ihrem Fahrzeug in die Innenstadt fahren. Und: „Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit dem Auto in der Stadt war.“

Sein Kollege Jörg Fenner vom „Autohaus Fenner“ in Neuried wundert sich ebenfalls über den schlechten Ruf des Dieselmotors. „Die aktuellen Diesel sind wirklich super sauber“, sagt er. „Eine große Feinstaubbelastung herrscht in den Münchner U-Bahntunnels, aber da spricht keiner drüber.“ Fenner kann noch keinen Wertverlust bei gebrauchten Dieselfahrzeugen feststellen, aber er bemerkt die Unsicherheit bei seinen Kunden. Er prangert die Ungerechtigkeit an, dass ein Fahrverbot vor allem die träfe, die sich nicht die neuesten Modelle leisten könnten. Und er gibt zu bedenken: „Bei Amazon machen die einen Prosecco auf, wenn kein Mensch mehr nach München reinfahren darf.“

Sein Autohaus ist nicht nur in Neuried, sondern auch in Weilheim beheimatet. Für die Dieselfahrer auf dem Land mache das Verbot in München wenig Unterschied. Der Einzelhandel in der Münchner Innenstadt könne aber unter einem Fahrverbot, wie es jetzt in Stuttgart geplant ist, leiden, glaubt Fenner.

„Meinen Sie, dass der Benziner sauberer ist“, äußert Walter Schäfer vom Gautinger Autohaus „Robert Schäfer & Söhne“ seine Bedenken. Vor ein paar Jahren sei der Diesel noch steuerbefreit gewesen, weil er so sparsam sei, merkt er an. „Jetzt auf einmal heißt’s was anderes.“

Für Heinrich Eitlhuber vom „Autohaus Neuried“ hat die Wende zur Folge, dass zwei Drittel seiner Kunden jetzt Benziner kaufen. „Früher wollte keiner Benziner“, denn die verbrauchten mehr. Jetzt sei die Nachfrage sehr viel größer. Seine Kunden machten neuerdings Ansagen wie: „Diesel kommt nicht in Frage.“ Und wie Robert Kühn stellt Eitlhuber fest: „Der Wertverfall ist gravierend. Das ist ein Problem.“ Dabei sei der Diesel zu Unrecht in Verruf geraten, meint er. Schäfer sieht die Lage entspannt. Er glaubt, es sei eine Frage der Zeit, bis die Diskussion um Dieselfahrzeuge wieder abebbe.
Victoria Strachwitz

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