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Die alte Nikolauskirche in Neuried, der einzigen Würmtalgemeinde, in der die Zahl der Katholiken zwischen der Volkszählung 1987 und dem Zensus 2011 stieg. 

Mariä Himmelfahrt

Feiertag dank einer Minderheit

Der Feiertag Mariä Himmelfahrt findet statt im Würmtal. Doch mancher sieht ihn wegen der sinkenden Zahl der Christen langfristig in Gefahr.

Würmtal– Katholische Christen feiern am 15. August die Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel. Das Kirchenfest fand 813 auf der Mainzer Synode Eingang in den liturgischen Kalender.

In Deutschland müssen die meisten an Mariä Himmelfahrt arbeiten. Nur im kompletten Saarland und in bayerischen Gemeinde mit überwiegend katholischen Einwohnern ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag. Dazu zählen alle oberbayerischen Kommunen.

Nach dem bayerischen Feiertagsgesetz stellt das Landesamt für Statistik nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung fest, „in welchen Gemeinden entweder mehr katholische oder mehr evangelische Einwohner ihren Wohnsitz hatten“. Die Zahl der Andersgläubigen oder Konfessionslosen spielt keine Rolle. Das Landesamt nimmt den Zensus 2011 als Grundlage. Bei der damaligen Umfrage gaben von 10 115 Planegger 4033 an, katholischen Glaubens zu sein. 1937 kreuzten „evangelisch“ an, 4145 fielen unter „Sonstige“. Damit ist Planegg die einzige Gemeinde im Würmtal, in der nicht mehr die Katholiken die relative Mehrheit bilden.

„Wir stellen fest, dass die Zahl der Kirchenaustritte steigt“, sagt Bärbel Zeller, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus. „Das birgt langfristig die Gefahr, dass unsere Feiertage wackeln.“ Zeller befürchtet „ein Problem mit den Feiertagen, wenn wir keine überwiegend katholische Bevölkerung mehr haben“. Dass viele Bürger ihre Kinder nicht mehr taufen ließen, „ist für uns ein Indiz, dass sich die Bevölkerungsstruktur stark verändert“. Unabhängig von den Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften sei der Wunsch, einer Konfession anzugehören, nicht mehr so stark wie früher. „Man ist nicht mehr gewillt, einfach in der Kirche zu bleiben“, so Zeller.

Die Zahlen belegen das. Im Mai 2011, als die Zensuserhebung durchgeführt wurde, zählte Planegg 10 115 Bürger. Bei der Volkszählung 1987 waren es nur 9720 gewesen, dafür aber mit 5391 über 1300 Katholiken mehr als 24 Jahre später. Auch die Zahl der evangelischen Christen sank trotz Bevölkerungszunahme in den Jahren zwischen Volkszählung und Zensus: von 2469 auf 1937. Dafür stiegen die „Sonstigen“ von 1860 auf 4145.

Neuried ist die einzige Gemeinde im Würmtal, in der die Katholiken zunahmen zwischen 1987 und 2011: Aus 3300 wurden 3430. Allerdings wuchs im selben Zeitraum die Zahl der Einwohner von 5848 auf 8277. Die evangelischen Christen gingen trotz Bevölkerungszunahme von 1463 auf 1434 zurück. „Sonstige“ machten 2011 mit 3413 41,2 Prozent aus und damit 0,2 Prozent weniger als Katholiken.

Die Zahl der Gräfelfinger blieb zwischen 1987 (12 792) und 2011 (12 730) nahezu unverändert, die der christlich Gläubigen nicht. Die Katholiken gingen von 6785 auf 5146 zurück, die Protestanten von 3608 auf 2783.

Sofern nicht gleich etliche Kraillinger Protestanten beim Zensus 2011 keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit machten, sank ihre Zahl seit der Volkszählung 1987 von 2002 auf 1588. Auch die Katholiken wurden weniger, 3055 statt 4121. Die Einwohnerzahl wuchs geringfügig von 7346 auf 7421.

Auch in Gauting, der größten Gemeinde des Würmtals, zeigt sich, dass die Zugehörigkeit zur katholischen oder evangelischen Kirche zurückgeht. 1987 lebten 9716 Katholiken in Gauting, 2011 noch 7814. Die „Sonstigen“ machten 2011 mit 7513 38,9 Prozent aus. Die Protestanten (1987: 4996) mit 3966 nur 20,6 Prozent.

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