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Überprüfung eines Kachelofens: Kaminkehrermeister Martin Kelnhofer betreut in Planegg und Teilen Gräfelfing rund 2500 Kunden, mehr als 1000 besitzen einen zusätzlichen Holzofen. Kelnhofer schätzt, dass allerdings erst rund 40 Prozent ihre älteren Öfen wegen der hohen Feinstaubbelastung bereits umgerüstet haben.

Filterpflicht

Frist für Holzöfen vielfach ignoriert

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Die Luft soll sauberer werden. Deshalb mussten zahlreiche Hausbesitzer vergangenes Jahr ihre Kaminöfen umrüsten. Ob alle ihrer Pflicht nachgekommen sind, ist allerdings fraglich.

Würmtal – Wenn der eigene Kamin mehr Schadstoffe ausstößt, als der Gesetzgeber es zulässt, gibt es viele Wege damit umzugehen. Aber alle kosten Geld. Egal, ob der Einsatz eines Kachelofens oder gleich die komplette Feuerstelle ausgetauscht, ob der Ofen stillgelegt oder auf Notheizbetrieb umgestellt wird. Es wird teuer.

Seit 2010 sieht die Bundes-Immissionsschutzverordnung Grenzwerte für Kamin- und Kachelöfen vor. Nach und nach müssen alte Öfen stillgelegt, ausgetauscht oder umgerüstet werden. Alle, die zwischen 1975 und 1985 gebaut wurden, waren spätestens vergangenes Jahr an der Reihe. Kaminkehrer Martin Kelnhofer, der für Teile Gräfelfings und Planeggs zuständig ist, sagt, günstigste Kaminöfen aus dem Baumarkt seien ab 100 Euro zu haben. Für den Einsatz eines Kachelofens müsse man allerdings 3500 bis 4000 Euro berappen, ein hochwertiger, neuer Kachelofen könne auch 20 000 Euro kosten. Am Anfang hätten einige Hausbesitzer daher schon über Kosten und Aufwand geklagt. Wenn ihr Kamin dann aber umgerüstet war, sagten viele: „Hätten wir das doch schon früher gemacht.“ Schließlich funktioniere eine neue Feuerstelle deutlich besser als eine alte.

„Man kann mit einem neuen Ofen auch Brennholz einsparen“, erklärt Bezirksschornsteinfeger Florian Prillinger, der für Neuried, einen Großteil von Martinsried und 600 Häuser in Gräfelfing zuständig ist. Er meint, alle die viel heizen, hätten schon ausgetauscht. Einige seien auch auf Notheizbetrieb umgestiegen. „Dann dürfen sie ihren Kamin eigentlich nicht nutzen, außer es fällt der Strom oder die Heizung aus.“ Gautings Bezirksschornsteinfeger Alfred Strohmair weiß in seinem Bereich von 15 Kaminen zu berichten, die ausgetauscht wurden, weitere zehn bis 15 stünden noch an. „Der nächste große Run kommt dann 2020“, erklärt er. Da werde die nächste Stufe der Verordnung erreicht, dann sind auch jüngere Öfen an der Reihe. Zum Teil seien schon Briefe an die entsprechenden Besitzer rausgeschickt worden. Im Jahr 2024 treffe es dann die meisten. „Da sollte dann rundum alles ausgetauscht sein“, meint Strohmair.

Kachelofenbauer Roman Dreesbach aus Krailling sagt, Kachelöfen seien ohnehin gerade sehr beliebt. Er kann sich also nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Er habe 2017 aufgrund der neuen Bestimmung viele Einsätze ausgetauscht. Und „es gab auch ein paar, die deshalb komplett neu gebaut haben“, berichtet er.

Doch dass alle Besitzer einer Feuerstelle ihre älteren Öfen aufgrund der hohen Feinstaubbelastung und der ablaufenden Frist der Verordnung umgerüstet haben, bezweifelt Prillinger. Da, wo er im vergangenen Jahr die Feuerschau gemacht habe, komme er erst in drei bis vier Jahren wieder vorbei. „Ich schätze, dass wir die nächsten Jahre noch welche vorfinden werden“, die eigentlich schon umgerüstet gehört hätten. „Das ist sogar ziemlich sicher“, meint er. Kelnhofer schätzt, dass „40 Prozent vorzeitig ausgetauscht haben“, also vor dem 31. Dezember eine neue Feuerstelle eingebaut haben. „Die anderen warten noch ab“, sagt er. Gesetzlich gesehen habe die Filterpflicht für diese Feuerstellen allerdings mit dem 1. Januar begonnen.

Die Option, seinen Ofen stillzulegen, hat 2017 keiner im Würmtal gewählt. Dafür sind die Landratsämter zuständig. „Aufgrund der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen wurden 2017 keine Anlagen stillgelegt“, wie die Sprecherin des Münchner Landratsamtes Christina Walzner erklärt. Gleiches teilt Starnberger Landratsamt mit. Ganz aufgeben wollen die Würmtaler ihre Feuerstellen also nicht, auch wenn dies mit Kosten verbunden ist.

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