+
Michael Kallert, Geschäftsführer von Michael K. in Martinsried, wünscht sich mehr Solidarität in der Krise.

Schließungen wegen Corona

Fitnessclubs geht langsam die Puste aus

  • schließen

In den wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Fitnessstudios im Würmtal wird renoviert. Die Betreiber nutzen die Zeit. Doch viele Mitglieder wollen ihre Beiträge nicht weiter bezahlen.

Würmtal – Die Fitnessstudios bleiben in Bayern erst mal geschlossen. Damit trifft die Corona-Pandemie deren Betreiber hart. Viele Mitglieder im Würmtal fordern jetzt ihre monatlichen Beiträge zurück. „Und ich glaube, das Schlimmere kommt erst noch“, sagt der Clubleiter des Workout Fitnessclubs Gauting, Alexander Vogelsang. Er hat sich angeschaut, unter welchen Bedingungen Fitnessstudios in anderen Bundesländern öffnen dürfen: Duschen sei nicht erlaubt, die Sauna sei geschlossen, die Umkleide ebenfalls, Kurse könnten, wenn überhaupt, nur eingeschränkt stattfinden. „Da kann ich mir vorstellen, dass viele Kunden den Beitrag mindern oder kündigen wollen.“

Auch Michael Kallert von Michael K. Fitness Clubs in Martinsried erklärt: „Wenn wir wieder aufmachen, sehe ich das viel größere Problem.“ Er geht davon aus, dass er dann sicher noch einmal 30 Prozent seiner Mitglieder verlieren wird. Dabei sei es jetzt schon schlimm. Kallert sagt, er bekomme nur noch vereinzelt Mitgliedsbeiträge. Das enttäusche ihn, schließlich sei das Würmtal keine arme Gegend. Manche Kunden wollten den halben Beitrag vom März zurück. „Wenn man 8,57 Euro zurückfordert, hat das nichts mit Solidarität zu tun“, findet er. Beim Italiener hole man sich ein Essen mehr, um diesen zu unterstützen. „Der Pizzabäcker zahlt aber vielleicht keine 20 000 Euro Miete im Monat.“ Michael Kallert hat jetzt einen Kredit in Höhe von 250 000 Euro beantragt. „Ich rechne damit, dass ich 80 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen zurückzahlen muss.“

Alexander Vogelsang versucht, Kündigungen zu vermeiden und Verträge stillzulegen. Trotzdem verliere er Mitglieder und könne gleichzeitig keine neuen dazugewinnen. Im Sommer trete kaum jemand einem Fitnessstudio bei, und bis Herbst sei es noch lange hin. „Man fährt einen herben Verlust ein“, sagt er. Soforthilfe vom Staat habe er daher bereits beantragt. Seine Mitglieder zeigten in dieser Situation teils totales Verständnis und teils völliges Unverständnis. Er selbst habe Verständnis für Mitglieder, die die Beiträge nicht mehr zahlen könnten. Eine alleinerziehende Mutter in Kurzarbeit müsse auch schauen, wo sie sparen könne. Für diejenigen, denen der Sport fehle, biete er ein Training für Zuhause mittels Youtube an. Doch es fehle den Mitgliedern nicht nur der Sport. „Die wollen sich hier unterhalten, das geht denen richtig ab.“

Das stellt auch Stefan Kürschner fest, der gemeinsam mit seiner Frau Petra Kürschner-Trinkl im Würmtal die LifeGym Fitnessstudios in Planegg und Stockdorf betreibt. Seine Frau gebe zehn Kurse pro Woche per Zoom. Jeder werde von 40 bis 50 Teilnehmern besucht. Er schätzt, dass dieses Angebot auch im Falle einer Öffnung zunächst bestehen bleiben und gut genutzt werden wird, schließlich könnten Risikogruppen noch länger nicht kommen, andere hätten Angst, sich anzustecken, und Kurse im Studio werden vermutlich erst mal kleiner ausfallen müssen als bisher. Aber: „Den Mitgliedern fehlt die Kommunikation.“ Einige schauten bereits beim Spazierengehen vorbei, um kurz zu ratschen. „Unsere Kunden sind zum Großteil sehr loyal“, meint Kürschner. Er will daher nicht jammern, auch wenn viele ihre Beiträge zurück wollen. „Den Leuten geht’s teils genauso schlecht“, weiß er. „Gemeinsam kommen wir da durch“, ist seine Überzeugung.

Stefan Kürschner findet aber schwierig, dass in allen Ländern andere Gesetze gelten. Ein Trainer in Baden-Württemberg bekomme 9000 Euro Soforthilfe, in Bayern müsse dieser Hartz IV beantragen. Ihn stört auch, dass es von offizieller Seite kein Datum für eine mögliche Wiedereröffnung gibt. Er will wissen, ob es sich zeitlich lohnt, einen großen Umbau anzugehen, und wie lange er seinen Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld noch aufstocken muss. Er will ein Licht am Horizont.

Trotz der Krise versuchen die Fitnessstudiobetreiber im Würmtal aber positiv zu denken. „Selbstständige sind Stehaufmännchen“, sagt Stefan Kürschner. So wird es die Fitnessstudios im Würmtal vermutlich auch nach der Pandemie noch geben. In der Zwischenzeit werden sie für ihre Mitglieder renoviert und einer Grundreinigung unterzogen. Eine Leistung, die auch honoriert werden kann.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Geschäfte laufen gut an
Rund drei Wochen nach Wiedereröffnung sind Würmtal Läden mit Kundenfrequenzen und Umsätzen zufrieden. Die Geschäfte laufen im Prinzip so wie vor dem Shutdown –der aber …
Die Geschäfte laufen gut an
Diesel statt Super und Super statt Diesel
Videos der Überwachungskameras sichten und Autokennzeichen notieren: Damit waren die Mitarbeiter der Neeb-Tankstelle im Gewerbegebiet Lochhamer Schlag am Donnerstag …
Diesel statt Super und Super statt Diesel
Neeb-Tankstelle Lochham: Benzin und Diesel für zwei Stunden vertauscht - 60 Autos falsch betankt
Ein folgenschwerer Fehler ist beim Befüllen der Kraftstoff-Tanks an der privaten Neeb-Tankstelle in Lochham passiert. Benzin und Diesel wurden vertauscht.
Neeb-Tankstelle Lochham: Benzin und Diesel für zwei Stunden vertauscht - 60 Autos falsch betankt
Finanzielle Sorgen eher im nächsten Jahr
Die Gemeinde und der Kreisjugendring haben eine Umfrage unter Planegger Vereinen gestartet, um herauszufinden, wie es ihnen in Corona-Zeiten geht.
Finanzielle Sorgen eher im nächsten Jahr

Kommentare