+
Einsatz in Kraillings Asylbewerberunterkunft: Die Polizei ging damals davon aus, dass in dem Containerdorf keine anerkannten Flüchtlinge leben. Die Regierung korrigierte anschließend mehrfach die Zahl der Fehlbeleger.  

Regierung liegen keine statistischen Daten vor

Flüchtlinge: Behörden fehlt der Überblick

  • schließen

1680 Flüchtlinge erreichten seit 2015 das Würmtal. Was aus ihnen wurde, ist nicht so leicht nachvollziehbar. Eine entsprechende Statistik wird von offizieller Seite nicht geführt.

Würmtal – Als die Polizei im Juni die Kraillinger Asylbewerberunterkunft durchsuchte, ging sie davon aus, dass dort keine anerkannten Flüchtlinge leben. Sie lag falsch: Insgesamt 37 sogenannte Fehlbeleger leben dort – damals wie heute. Es stellt sich heraus: Die richtigen Zahlen zu bekommen, ist schwer.

Sowohl der Regierung von Oberbayern als auch den Landratsämtern und Gemeinden kostet es Zeit und Mühe, herauszufinden, wie viele Flüchtlinge in ihrem Zuständigkeitsbereich leben, welchen Status diese haben und wohin sie weiterzogen, wenn sie nicht mehr in ihrer ursprünglichen Unterkunft leben. Eine zentrale Buchführung scheint beim Thema Integration nicht angesagt zu sein. Es fragt sich, was das für die Qualitätskontrolle bedeutet. Die Polizei gibt an, die Zahlen vor der Durchsuchung im Juni von der für die Gemeinschaftsunterkunft zuständigen Regierung von Oberbayern erhalten zu haben. Auf Nachfrage bei dieser stellte sich später zunächst heraus, dass es 25 waren (wir berichteten. Doch auch diese Zahl revidierte die Regierung wenig später. „Aktuell sind 37 Personen als sogenannte Fehlbeleger untergebracht. Die genannte Zahl von 25 müssen wir hiermit korrigieren“, sagt Verena Gros, Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Und selbst diese 37 sind immer noch nicht alle Fehlbeleger, die in der Gemeinde Krailling leben, denn das Landratsamt Starnberg nennt weitere sieben.

Regierungssprecherin liegen keine statistischen Daten vor

Seit 2015 kamen im Würmtal insgesamt 1680 Flüchtlinge an, so Gros: 263 in Krailling, 630 in Gauting, 254 in Planegg, 462 in Gräfelfing und 71 in Neuried. Zwei davon wurden von der Zentralen Ausländerbehörde der Regierung von Oberbayern entsprechend des Dublin-Abkommens abgeschoben. Eine Person aus Gauting und eine aus Planegg, für eine ging es nach Italien, für eine nach Schweden. „Wie viele Personen die zuständigen Ausländerbehörden der Landratsämter Starnberg und München in diesem Zeitraum abgeschoben haben, bitten wir jeweils dort zu erfragen“, sagt Gros. München hat laut eigenen Angaben seit 2015 keine, Starnberg eine Person aus Krailling, sechs aus Gauting abgeschoben. Auf die Frage, wie viele Flüchtlinge seit 2015 anerkannt wurden, antwortet Gros: „Bezogen auf die Zahlen zu den fünf Gemeinden liegen keine statistischen Daten vor.“ Wie viele anerkannte Flüchtlinge im Würmtal eine Wohnung beziehen konnten, lässt sich ebenfalls nicht eruieren. Gros: „Hierzu liegen uns keine statistischen Daten vor.“ Auch die Sprecherin der Landratsamtes München, Christine Spiegel, sagt: „Wie viele anerkannte Flüchtlinge bereits eine eigene Wohnung beziehen konnten, ist uns nicht bekannt. Wir erlangen auch nicht immer Kenntnis davon, aus welchen Gründen Bewohnerinnen und Bewohner aus den Asylunterkünften wegziehen.“

Anerkannte Flüchtlinge müssen sich selbst Wohnraum suchen

Immerhin, die aktuelle Zahl der Fehlbeleger soll nun feststehen. In Gauting sind es laut Angaben der Regierung 75 von insgesamt 221 Flüchtlingen, Krailling 44 von 103, in Planegg 27 von 106, in Gräfelfing 107 von 162 und in Neuried 15 von 41. „Die Asylunterkünfte des Landkreises München sind aktuell zu rund 80 Prozent belegt, was als Vollauslastung gilt“, erklärt Spiegel. Es sei nicht möglich, alle freien Plätze zu belegen, da beispielsweise ein Zimmer, in dem eine Familie wohne, nicht noch mit weiteren Nicht-Familienmitgliedern belegt werden könne.

Viel Platz für Neuankömmlinge gibt es im Würmtal also nicht. Und die Fehlbeleger werden in absehbarer Zeit nicht weniger. Laut Regierung von Oberbayern sind sie verpflichtet, sich selbst eine Wohnung zu suchen – und das in dem Landkreis, in dem sie bislang auch untergebracht waren. Doch Wohnraum im Würmtal ist knapp.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kinder werden zu Klimabotschaftern
Der Klimawandel beschäftigt besonders die Jugend. Im Würmtal wird darüber nicht nur diskutiert. In einem Waldstück bei Martinsried haben Kinder jetzt 150 Laubbäume …
Kinder werden zu Klimabotschaftern
Senioren fürchten um ihre Pflanzen
Schmetterlingsbäume, Rosen, Lavendel, Weigelien und Rhododendron zieren die Grünflächen der Wohnanlage Josef-Beyerl-Straße 8 in Planegg. Nun sollen sie verschwinden. …
Senioren fürchten um ihre Pflanzen
Gemüsestand darf vorerst bleiben
Die Gräfelfinger können aufatmen: Der Wochenmarkt findet weiterhin  statt. 
Gemüsestand darf vorerst bleiben
Doppelte Premiere in St. Elisabeth
Der Kammerchor von Musica Sacra singt am Christkönigssonntag die „Missa St. Elisabetha“ in der Planegger Pfarrkirche St. Elisabeth. Es ist eine doppelte Premiere.
Doppelte Premiere in St. Elisabeth

Kommentare