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Einst Schlecker-Filiale, seit Jahren nun e-bike-Store 2000: Inhaber Klaus Dummert richtete an der Ecke Ketteler-/Münchner Straße in Planegg sein Fahrradgeschäft mit Werkstatt komplett neu ein.

Fünf Jahre nach der Pleite

Das wurde aus den Würmtaler Schlecker-Räumen

Was ist eigentlich aus den acht Würmtaler Schlecker-Filialen nach der Insolvenz vor fünf Jahren geworden? Wir haben die neuen Pächter aufgesucht.

Würmtal – Vor fünf Jahren meldete die Drogerie-Kette Schlecker Insolvenz an. Die insgesamt acht Würmtaler Filialen mussten teils schon einige Monate vorher schließen. Die Räumlichkeiten der Geschäfte fanden aber schnell neue Interessenten: Heute sind dort unter anderem der Second-Hand-Laden „Klawotte“, ein Bioladen sowie ein Fahrradgeschäft untergebracht.

Jeweils eine Filiale betrieb Schlecker in Martinsried, Neuried, Krailling, Planegg und Stockdorf, drei in Gauting. Bereits 2011 wurden die Geschäfte in Martinsried und Neuried geschlossen. Anfang 2012 die Läden in Krailling und Stockdorf. Auch die drei verbliebenen Filialen in Gauting mussten nach der Insolvenz im Sommer 2012 zumachen.

Sicherheitseinrichtung in Neuried

Rüdiger Scheferling, Geschäftsführer des Neurieder Unternehmens „Scheferling RWA Systeme“, wunderte die Schließung nicht. „Die Lage des Schlecker-Geschäfts hier in Neuried war sehr ungünstig und das Ganze ein ziemlicher Flop“, sagt Scheferling. „Die Schlecker-Angestellten erzählten mir, wie viel Tages-Umsatz sie machten – er war so niedrig, dass man den vergessen konnte.“

Das Unternehmen für Sicherheitseinrichtungen, das etwa Feuerschutzvorhänge und Lüftungstechnik anbietet, übernahm die Räumlichkeiten der Schlecker-Filiale in der Ammerseestraße 75. Die Firma saß ohnehin bereits neben der Filiale, „und so konnten wir uns vergrößern, aus den Räumen machten wir unser Lager“, erzählt Scheferling.

Fahrradladen statt Drogeriemarkt

Auch die anderen Räume der ehemaligen Schlecker-Filialen fanden schnell neue Mieter: In Planegg, wo der Drogeriemarkt in der Münchner Straße 17 saß, zog der „e-bikestore 2000“ ein. „Ich hatte zuvor in Sauerlach gearbeitet, aber bereits im Würmtal gewohnt und dann den entsprechenden Aushang gesehen“, erzählt Geschäftsführer Klaus Dummert.

Dummert, der Fahrräder jeder Art und alle entsprechenden Reparaturen und Service-Leistungen anbietet, renovierte die ehemalige Filiale komplett. „Die Filiale war ziemlich heruntergekommen, vor allem die Sozialräumlichkeiten; wir haben alles neu gemacht und kein Regal oder andere Sachen behalten“, erzählt er. Schlecker sei „Hals über Kopf“ aus der Münchner Straße rausgegangen, Klaus Dummert musste vieles wie die Einkaufswagen auf den Wertstoffhof bringen.

In Martinsried hat die Gemeinde vermittelt

Auf Vermittlung der Gemeinde konnte der Second-Hand-Laden „Klawotte“ in die Räumlichkeiten der Martinsrieder Filiale in der Einsteinstraße 1 ziehen. „Der Vermieter überließ uns die Filiale dann zu einem günstigen Preis“, erzählt Leiterin Christina Einhellig. Für das Geschäft der Arbeiterwohlfahrt ein Glücksfall, denn „die Lage ist für uns auch wegen der vorhandenen Parkplätze ideal“, sagt Einhellig.

Die „Klawotte“ verkauft unter anderem gespendete Kleidung, Spielsachen und CDs zu einem günstigen Preis an Bedürftige. Ein T-Shirt kostet etwa zwei Euro, ein Rock vier Euro. Der Erlös wird an das Großhaderner Ronald-McDonald-Haus sowie andere soziale Zwecke gespendet. Auch die Arbeiterwohlfahrt renovierte die 150 Quadratmeter großen Räume komplett.

Und was passiert auf der Baustelle in Krailling?

Während am Stockdorfer Baierplatz 2 eine Filiale der „bio kultur“-Bioläden einzog, wurde der einstige Schlecker-Markt in Krailling in der Margaretenstraße 28/30 abgerissen und an dem Platz mehrere Wohnhäuser mit Tiefgarage errichtet. Der Gemeinderat hatte sich zunächst dafür ausgesprochen, wieder ein Ladengebäude zu bauen.

Doch das „CIMA-Stadtmarketing“- Institut erstellte ein Gutachten, wonach ein Ladengeschäft in dieser Lage keine nachhaltigen Erfolgsaussichten habe. Daraufhin entschied sich der Bauherr, die Firma Keval aus Grünwald, für die Wohnhäuser.

Kunterbunte Praxis

In Gauting entwickelte sich aus dem Drogeriemarkt am August-Hörmann-Platz 3 etwas Kunterbuntes: Mit einem Bällebad, Klettergerüst und Boulderwänden ähnelt die Praxis für Ergotherapie und Logopädie der Gautingerin Claudia Portugal einem Spielplatz. Die Praxis, die Kindern und Erwachsenen mit Schwierigkeiten in der Bewegung und beim Sprechen hilft, wurde Anfang 2012 gegründet. Als einige Monate später der Schlecker nebenan schloss, durchbrach man die Wand und machte aus der Filiale einen Teil der dann 400 Quadratmeter großen Praxis.

In den Räumlichkeiten von Schlecker in der Starnberger Straße sitzt heute „Hörgeräte Seifert“.

ps

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