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Schwarze Punkte auf grünem Grund: So sieht der Buchsbaumzünsler aus. 

Schädling macht sich im Würmtal breit

Gefräßige Raupen gefährden Buchsbäume

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Der Buchsbaumzünsler macht sich im Würmtal breit. Die Gemeinde Gräfelfing warnt vor dem Schädling. Auch in Krailling taucht der Schmetterling bereits an mehreren Stellen auf.

Würmtal – Die Raupen messen gerade einmal fünf Zentimeter. Doch der Schaden, den sie anrichten können, ist unumkehrbar. Die Rede ist vom Buchsbaumzünsler, einem wohl durch den Menschen in den vergangenen Jahren nach Europa eingeschleppten ostasiatischen Kleinschmetterling. Wie es der Name nahelegt, befallen die Raupen Buchsbäume. Sie haben inzwischen die Gärten Gräfelfings erreicht. Die Gemeinde warnt daher auf ihrer Homepage vor dem Buchsbaumzünsler. Und auch in Krailling hat ihn Gemeinderätin Dietlind Freyer-Zacherl bereits an mehreren Stellen gesichtet.

Erstmals wurde der Buchsbaumzünsler 2006 in Deutschland gesichtet. In Bayern tritt er seit 2010 in Erscheinung. Die Raupen des Schmetterlings sind gelbgrün bis dunkelgrün und haben schwarze und weiße Streifen und Punkte. Gut zu erkennen sind die Tiere auch an der charakteristischen schwarzen Kopfkapsel.

Der Befall tritt anfangs im Inneren der Baumkrone auf. Er ist schwer zu erkennen, da die Weibchen ihre Eier auf der Blattunterseite ablegen. So bleiben die Tiere häufig für lange Zeit unentdeckt. Erst wenn bereits die äußeren Blätter und Triebe angefressen sind und sich die Blätter braun färben, wird der Befall sichtbar. Neben den Fraßspuren lassen sich dann auch olivgrüne Kotkrümel und feine Gespinste oder Kokons auf den Blättern oder in der Krone ausmachen.

Pro Jahr gibt es in der Regel zwei Fluggenerationen, die erste Ende Juli und die Zweite im September. Nach dem Larvenstadium verpuppt sich die Raupe in einem feinen Gespinst. Die Puppe ist etwa zwei Zentimeter groß und anfangs hellgrün. Später dunkelt sie nach. Daraus schlüpft die zweite Generation der Schmetterlinge. Diese überwintert in einem Kokon und wird bereits ab Temperaturen von zehn Grad Celsius wieder aktiv. Wenn es die Witterung zulässt, ist es daher auch denkbar, dass es in einem Jahr drei Generationen gibt.

Natürliche Feinde hat der Schädling in Europa so gut wie keine. „Er breitet sich sehr schnell aus. Innerhalb kürzester Zeit frisst er die Bäume kahl“, sagt Lydia Brooks, Sachgebietsleiterin für die Themen Umwelt, Energie und Abfallwirtschaft in der Gräfelfinger Gemeindeverwaltung. Erstmals wurde er hier, wie in vielen Münchner Umlandgemeinden, in den Friedhofshecken entdeckt. „Aber auch Bürger haben schon angerufen und einen Befall in ihrem Garten gemeldet“, sagt Brooks.

Laut Brooks ist das Problem schwer in den Griff zu bekommen: Bei wenigen oder noch kleinen Pflanzen könnten die Raupen mit der Hand abgeklaubt werden. Bei großen Pflanzen oder starkem Befall seien aber nur noch mechanische oder chemische Bekämpfungsmethoden möglich. Als mechanische Maßnahme empfiehlt das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen etwa das Abspülen der Raupen mittels hartem Wasserstrahl, sprich mit einem Hochdruckreiniger – laut Bund Naturschutz keine geeignete Methode, da hierdurch auch vielen Nützlingen der Garaus gemacht werde. Auch ein Rückschnitt der Buchsbäume, insbesondere wenn die Jungraupen mit dem Schnittgut erfasst werden, wird empfohlen. Das Schnittgut sollte jedoch nicht kompostiert, sondern aus dem Gartenbereich komplett entfernt werden. Die erkrankten Teile dürfen auch nicht in den Grüngutcontainer des Wertstoffhofs geworfen werden, sondern gehören luftdicht verpackt in den Restmüll, mit dem sie verbrannt werden. Welche Methode die beste ist, ist unklar. Das Internet ist voll mit Tipps. „Man hat noch zu wenig Erfahrung mit dem Schädling“, sagt Dietlind Freyer-Zacherl. Die Gemeinderätin und Umweltschützerin rät jedoch dazu, regelmäßig die Blattunterseiten zu kontrollieren.

Gräfelfings Umweltingenieurin Brooks schätzt die Schäden durch den Buchsbaumzünsler als gravierender ein als diejenigen, die die Miniermotte Jahr für Jahr an Kastanien anrichtet: „Kastanien werden hierdurch zwar geschwächt, aber sie sterben nicht. Der Buchsbaum hingegen ist kaputt. Die Raupe frisst die Blätter, die Triebe, und wenn sie nichts mehr findet, auch die Rinde.“

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