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Symbol gegen das Wachstum: Seit Forderungen für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Semmelweisstraße laut wurden, weist eine große Tafel auf das benachbarte Biotop hin, auf das mancher Gemeinderat spitzt, um es Firmen anzubieten.   

Gemeindestatistik

Wie viele Menschen leben im Würmtal?

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Die Bevölkerungsentwicklung ist für viele Gemeinden wichtige Planungsgrundlage. Ein Blick in die Datenbanken offenbart Interessantes über Entwicklungen der letzten Jahre, sorgt aber auch für Verwirrung.

Würmtal – Als die Kommunalwahl 2014 anstand, wohnten in Gauting rund 20 000 Menschen, seit 2010 lag die Einwohnerzahl laut Melderegister stets knapp darüber. Da war man froh, dass der Zensus 2011 Gauting in der Datenbank des Statistischen Landesamtes gerade auf knapp unter 20 000 Einwohner hatte schrumpfen lassen. So brauchte man weiter nur 24 statt 30 Gemeinderäte wählen und den Ratssaal nicht für eine Millionensumme umbauen.

So relevant wie in diesem Fall ist die exakte Einwohnerzahl zu einem bestimmten Zeitpunkt selten. Wichtiger ist die Tendenz. Doch auch hier sind die Statistiken trügerisch. Daten des Statistischen Landesamtes, der Gemeinden und des Planungsverbandes der Region München (PV), der kürzlich die aktuellsten Gemeindedaten (Dezember 2016) veröffentlichte, widersprechen sich teils drastisch. Das erlaubt, je nach politischer Zielsetzung, unterschiedliche Interpretationen der Vergangenheit und unterschiedliche Auffassungen zu künftigen Notwendigkeiten.

Unzweifelhaft ist Neuried die Würmtal-Gemeinde mit dem prozentual stärksten Wachstum der letzten Jahre. Nach PV-Berechnung wuchs die Neurieder Bevölkerung von Anfang 2007 bis Ende 2016 um 9,5 Prozent auf 8564 Einwohner. Rechnet man Zu- und Wegzüge sowie Geburten und Sterbefälle für den Zeitraum zurück und umgeht so das Problem des in der PV-Berechnung nicht ausreichend berücksichtigen Zensus 2011, kommt man auf fast zwölf Prozent Wachstum, nach Daten des gemeindlichen Einwohnermelderegisters sogar auf über 13 Prozent. Bei diesem Tempo hätte Neuried in etwa 15 Jahren die 10 000 Einwohner, die der Gemeinderat kürzlich als Limit definiert hat.

In Gauting schwankt das Wachstum für die Jahre 2007 bis 2016 je nach Datengrundlage und Berechnungsmethode zwischen 4,9 und 8,1 Prozent, für Krailling mit seinen rund 7700 Einwohnern liegen die Zahlen zwischen 1,4 und 5,5 Prozent. Gräfelfing hatte Ende 2016 laut Landesamt 13 725 Einwohner, laut Gemeinde 14 506. Das Zehn-Jahres-Wachstum lag dabei jeweils bei etwa 6,7 Prozent.

In Planegg liegt die Bevölkerungszahl laut Landesamt seit über zehn Jahren bei rund 10 600 Einwohnern. Wie in Neuried wird die Einwohnerzahl für die Definition von Planungszielen herangezogen. Die künftige Entwicklung war zuletzt Gegenstand politischer Diskussionen. Derzeit wird der Flächennutzungsplan für Planegg überarbeitet. Als Grundlage, etwa für die Festlegung neuer Wohngebiete, gelten die Leitlinien zur Ortsentwicklung aus dem Jahr 2016. Demnach soll Planegg „moderat wachsen“, in Anlehnung an ein Bürgergutachten von 2015 um etwa ein halbes bis ein Prozent im Jahr. Von 2007 bis 2016 wuchs Planegg laut Planungsverband insgesamt um 0,1 Prozent, also gar nicht. Laut gemeindlichem Melderegister, das inzwischen über 11 000 Einwohner ausweist, wuchs Planegg in besagtem Zeitraum um 4,4 Prozent. Man habe schon überlegt, welche Datengrundlage man nehme, sagt Rathaussprecherin Bärbel Zeller. „Bei der Größenordnung des angestrebten Wachstums taugt die Einwohnerzahl vielleicht gar nicht als Planungsgrundlage.“

Es gab schon Forderungen im Gemeinderat, die Zahl zu planender Wohnungen an die Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze zu koppeln. Mindestens eine neue Wohnung je neuem Arbeitsplatz brachte die Gruppe 21 ins Spiel. Alles darunter würde die Mieten weiter in die Höhe treiben.

Doch während von 2007 bis 2016 rund 250 neue Wohnungen in Planegg fertig wurden, wuchs die für Gewerbe genutzte Fläche auf 23 Hektar, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze stieg um 2000 auf 11 000. Der Großteil entfällt auf Einpendler. Statistisch halten sich so in Planegg wochentags tagsüber fast 19 000 Menschen auf. Dennoch gibt es weiter Forderungen, Gewerbegebiete wie an der Semmelweisstraße zu erweitern, um der Gemeinde auch künftig gute Gewerbesteuereinnahmen zu sichern.

In Gauting ging die gewerblich genutzte Fläche seit 2016 sogar zurück. Dafür wird gerade ein neuer Sitzungssaal geplant. Denn egal, in welche Statistik man schaut, Gauting hat nun über 20 000 Einwohner. Wie viele genau, ist wohl Auffassungssache.

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