Der KZ-Überlebende Max Volpert sprach am Pilgrim-Mahnmal in Planegg. Foto: Höfle

Todesmarsch von Dachau

Erschütternde Berichte von Überlebenden

Mehrere hunderte Bürger haben an den Gedenkfeiern zum Todesmarsch von Dachau teilgenommen. Sie hörten erschütternde Berichte von Überlebenden. 

Würmtal– „Es tut mir leid, was Ihnen passiert ist. Ich werde dafür sorgen, dass das nicht noch mal passiert.“ Diese Zeilen hinterließ Philipp in der Dankeskarte, die Neuntklässler vom Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium für den Holocaust-Überlebenden Max Volpert zusammengestellt hatten. Am Samstag überreichten Anna und Klaus dem 87-Jährigen das Dankeschön für die Stunde, in der der Israeli ihnen sein Schicksal erzählte. Begleitet von Geschichtslehrerin Angelika Lawo moderierten die Zehntklässler die Station am Mahnmal in Planegg, wo der in Gräfelfing gestartete und vom Verein „Gedenken im Würmtal“ zum 21. veranstaltete Gedenkmarsch einen Halt einlegte.

Zur Erinnerung an den Todesmarsch aus dem KZ Dachau und seiner Außenlager gingen die Teilnehmer teilweise ganz, teilweise streckenweise die Strecke bis Gauting mit – allen voran Max Volpert: geboren am 7. September 1931 in Litauen, KZ-Nummer 82229. Er hatte den Todesmarsch vor 73 Jahren miterlebt: halbtot, in Holzschuhen im Schneetreiben, ohne Essen und Trinken.

Wie jedes Jahr kehrte der in Israel Lebende heuer mit Familienangehörigen in das Land zurück, in dem seine Eltern und seine Schwester im KZ-Lager ermordet wurden. Ihm zur Seite stand Yehuda Beilis (91), den die SS am Massengrab erschießen wollte und der wie durch ein Wunder überlebte. Unvorstellbare Berichte, denen die Zuschauer erschüttert lauschten.

Unter dem Motto „Denkmale lebendig machen“ und „den Stab der Erinnerung an die Jugend weiter geben“ beteiligten sich Schüler an jeder Gedenkfeier, die jeweils 100 und bis zu 300 Zuschauer oft mit Tränen in den Augen verfolgten. Etwa als Mitglieder des Jugendchors St. Elisabeth unter der Leitung von Thomas Schaffert und Ludwig Götz in einem jüdischen Lied herzergreifend den Frieden besangen. Friedensgedanken, die bewegten, und Friedensgedanken, die Volpert und Beilis mit jeder Faser ihres Körpers lebten. Ihre Erinnerungen berührten und stimmten nachdenklich, wie der von Planeggs Vize-Bürgermeister Peter Heizer ins Gedächtnis gerufene, blutig niedergeschlagene Aufstand von entflohenen Häftlingen in Dachau nur ein Tag vor der Befreiung.

Hannes Stumpf (68) übernahm von Friedrich Schreiber (86) den Vereinsvorsitz – und den ehemaligen Vize-Direktor des Otto-von-Taube Gymnasiums in Gauting besorgte der politische Rechtsrutsch in Europa. Kraillings 3. Bürgermeisterin Veronika Sanftl griff den Vorwurf „Schuldkult“ auf und verwies auf die „Verantwortung an die Zukunft“ im Sinne von „Wehret den Anfängen“. Der Augenzeugenbericht von Soly Ganor über den Todesmarsch, den Hagen, Julia und Joanna von der Realschule Gauting vortrugen, manifestierte diese Forderung: Sie berichteten über „kleine Kolonnen grauer Gespenster“ und Dobermänner, die sich auf erschöpfte KZ-Häftlinge stürzten. „Das darf nie mehr passieren“, waren sich Schüler, Überlebende, Angehörige, Politiker, Zuhörer und Geistliche einig. An jeder Station beteten sie gemeinsam ein christliches und jüdisches Friedensgebet und in einer Schweigeminute gedachten sie all jener, die im Holocaust ihr Leben gelassen haben.

Michèle Kirner

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