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Die Polizei rät dri ngend davon ab, sich eine Schreckschusspistole, wie sie auf diesem Bild zu sehen ist, ins Nachtkästchen zu legen.

Polizei über neuen Trend besorgt

Würmtaler legen sich Waffen zu

Liegt es an den Einbrüchen? Die Angst im Würmtal wächst. Und die Zahl derer, die sich Waffen zulegen, ebenso. Sogar drastisch. Die Polizei verfolgt den Trend mit Sorge.

Würmtal – „Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen überhaupt keinen Einbruch gehabt“, sagt der Leiter der Planegger Polizeiinspektion, Siegfried Janscha. Doch das hindert die Würmtaler nicht, zu den Waffen zu greifen. Das Landratsamt München hat alleine im Januar sieben neue kleine Waffenscheine für Neurieder, Gräfelfinger und Planegger Bürger ausgestellt. Insgesamt gibt es dort jetzt 167 Menschen, die über die Erlaubnis verfügen, eine Schreckschuss- oder eine Gaspistole zu führen. Das klingt nicht dramatisch. Doch 90 der 167 kamen erst 2016 dazu. Zum Vergleich: 2015 waren in den drei Gemeinden insgesamt nur zehn beantragt worden.

Im Würmtal erfreuen sich Waffen also zunehmender Beliebtheit. Für Gautings Inspektionsleiter Ernst Wiedemann sind die Ursachen rätselhaft. „Mich würden die Beweggründe der Leute interessieren“, sagt er. Janscha verweist auf den Anstieg bei der Zahl der Einbrüche im letzten Jahr. Doch beide Inspektionsleiter finden: „Von den Einbrüchen her ist es nicht gerechtfertigt.“ Der letzte Einbruch in Gauting sei am 25. November gewesen, sagt Wiedemann. Doch in Gauting und Krailling kamen im vergangenen Jahr zusammen 41 neue Waffenträger dazu, womit dort nun 103 Menschen dazu befugt sind, Schreckschuss- oder Gaspistolen zu führen. Zum Vergleich: 2015 waren insgesamt sechs kleine Waffenscheine beantragt worden, so das Landratsamt Starnberg.

Während die beiden Polizisten sich einerseits vorsichtig freuen dürfen – es kann sich jederzeit ändern –, dass gerade wenig eingebrochen wird, sind sie nicht glücklich über den Trend, sich Waffen ins Nachtkästchen zu legen oder bewaffnet durchs Würmtal zu laufen. Wiedemann sagt zwiegespalten: „Das muss jeder selber wissen.“ Doch Janscha rät ausdrücklich davon ab, sich eine Schreckschusspistole zuzulegen. „Wer weiß, in welche Gefahr sich jemand damit begibt“, gibt er zu bedenken. „Wenn jemand sich zuhause damit verteidigt, könnte das eskalieren“, warnt auch Wiedemann. Zum einen könne ein Einbrecher „mit Sicherheit“ besser mit einer Waffe umgehen, sagt Wiedemann. Und auch bei einer Begegnung mit der Polizei könne es schwierig werden, meint Janscha. „Wir können nicht unterscheiden, ob es eine Schreckschusswaffe oder eine echte ist“, sagt er. Wiedemann verweist auf die USA, wo viele eine Waffe hätten. Solche Zustände wünsche er sich nicht für das Würmtal. Und Janscha sagt: „Es ist mit Sicherheit kein Vorteil, wenn viele einen Waffenschein haben.“ Die Begegnung mit einer Schreckschusswaffe könne lebensgefährlich enden, auch wenn nur Platzpatronen zum Einsatz kommen.

Wiedemann versucht, den Trend zur Waffe zu verstehen. „Ich denke, die Angst der Leute nimmt zu“, meint er. Dabei versucht die Polizei, den Ängsten der Bürger vor Einbrüchen zu begegnen. Die Dienststellen in Planegg und Gauting sowie das Polizeipräsidium München und die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck bieten Beratung an. Polizisten kämen zu den Menschen nach Hause, schauten sich das Anwesen an und sprächen Empfehlungen aus, erklärt Janscha.

Wiedemann gibt sogleich Tipps: „Wichtig ist, dass das Licht brennt, auch wenn es Strom kostet“, meint er. Bewegungsmelder mit Licht empfehle er dringend. „Die arbeiten gerne im Dunkeln“, erklärt er. Und ein bellender Hund sei abwehrtechnisch nicht zu unterschätzen. Ob eine Waffe zur Einbrecherabwehr Sinn macht, stellt Siegfried Janscha indes sehr in Frage: „Die Einbrecher kommen eher nicht, wenn die Leute zuhause sind. Wenn es überhaupt zu einer Begegnung kommt, ist es eher ein Versehen.“

Victoria Strachwitz

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