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Symbolbild

Bedenkliche Entwicklung: Immer weniger Kinder lernen schwimmen

Das Seepferdchen kommt aus der Mode

Die Zahlen sind alarmierend. Kinder, die gut schwimmen können, sind auch im Würmtal selten geworden. Die Schulen versuchen gegenzusteuern. Das ist nicht leicht.

Würmtal– Immer weniger Kinder im Würmtal können gut schwimmen. „Ich glaube, dass 30 Prozent der Jugendlichen gar nicht schwimmen können und 60 Prozent nicht sicher“, sagt der Schwimmlehrer des Gautinger Sommerbades, Steffen Pilz. Flüchtlinge habe er nicht in seine Berechnungen einbezogen, betont er. Er meint, Kinder seien heute so beschäftigt, dass sie keine Zeit mehr für Schwimmunterricht hätten. „Die sind komplett ausgebucht“, stellt er fest. „Und alle wollen Fußballer werden, weil jeden Tag in der Zeitung steht, dass die fünf Millionen verdienen.“

Das sei aber nicht der einzige Grund für die steigende Zahl der Nichtschwimmer. „Es gibt keine Schwimmbäder mehr“, nennt er einen weiteren. Im vergangenen Jahr seien in der Bundesrepublik insgesamt 106 Bäder geschlossen worden. Auch im Würmtal gibt es nur zwei Bäder. Das Sommerbad in Gauting, in dem die Gautinger Grund- und Realschüler unterrichtet werden, und das Hallenbad in Lochham, in dem die Schüler der Grund- und Mittelschule Lochham sowie des Kurt-Huber-Gymnasiums in Gräfelfing (KHG) Schwimmunterricht bekommen. Der TSV Gräfelfing bietet dort außerdem Kurse an. Monika Eberl, Fachbetreuerin für Sport am KHG, bedauert, dass ihre Schule nur drei bis vier Stunden pro Woche das Hallenbad nutzen darf. „Obwohl wir denken, dass Schwimmen gerade in den fünften und sechsten Klassen extrem wichtig wäre.“ Eberl geht davon aus, dass jährlich etwa drei Schüler der fünften Jahrgangsstufe nicht oder nicht gut schwimmen können. Dabei meint sie: „Ich finde, Schwimmen gehört wie Lesen und Schreiben dazu.“

Sylke Wischnevsky, Direktorin des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums (OvTG), sagt ebenfalls: „Es ist schwierig, Zeiten in Hallenbädern zu bekommen.“ Die Sechstklässler des OvTG werden alle zwei Wochen mit Bussen nach Germering zum dortigen Hallenbad gefahren. Und Wischnevsky sagt, dass es unter den Sechstklässlern viele Anfänger gebe. „Schwimmen genießt bei den Eltern offensichtlich keine hohe Priorität, deswegen ist es umso wichtiger, dass die Schule da eintritt“, findet Wischnevsky.

Der Direktor der benachbarten Staatlichen Realschule Gauting, Manfred Jahreis, meint wie sie, dass „es spürbar mehr Kinder gibt, die nicht schwimmen können“. Seine fünften bis neunten Klassen bekommen daher Schwimmunterricht im Sommerbad erteilt. „Jetzt ist der Weg problematischer“, sagt er im Hinblick auf den neuen Standort seiner Schule. Doch ihm ist auch der durch den Umzug verlängerte Weg zum Sommerbad nicht zu weit.

„Mit dem Seepferdchen ist man nicht automatisch ein guter Schwimmer.“

Schwimmlehrer Pilz rät dazu, im Alter von fünf Jahren mit dem Schwimmen zu beginnen. Er, der einmal selbst für die Nationalmannschaft geschwommen ist, warnt aber davor zu glauben, dass Kinder mit dem Erwerb des Seepferdchen-Abzeichens schwimmen könnten. Erst ab dem Bronze- oder Silberabzeichen könnten sie es richtig. Sein Ziel sei es, regelmäßig Schwimmen für Schulen anzubieten. Doch nicht alle Schüler seien vom Schwimm-unterricht begeistert. „Es gibt auch unmotivierte Klassen“, weiß er aus Erfahrung.

Victoria Strachwitz


Selbstrettungskurse

Um Badeunfälle zu vermeiden, können auch Schwimmer noch dazulernen. Damit Kinder und Erwachsene nicht aufgrund von Erschöpfung untergehen, bietet der Schwimmlehrer des Sommerbades in Gauting, Steffen Pilz, am Wochenende in den Mittagsstunden immer kostenfreie Selbstrettungskurse an.

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