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Ein kleiner Pieks , der vor gefährlichen Krankheiten bewahrt: Eine Impfpflicht für Kinder gibt es in Deutschland nicht, eine Pflicht zur Beratung möglicherweise bald. Foto: dpa

Impfberatung für Eltern: Kindergartenleiterinnen gegen Meldepflicht

„Als würden wir petzen gehen“

Kindertagesstätten sollen künftig dem Gesundheitsamt melden, wenn Eltern keine Impfberatung wahrnehmen. Leiter von Kitas im Würmtal finden das nicht richtig.

Würmtal – Zum Wohle ihrer Kinder müssen Eltern eine Impfberatung wahrnehmen. Tun sie dies nicht, sollen Kinderbetreuungseinrichtungen dies künftig dem Gesundheitsamt melden. Vor dem Hintergrund, dass kürzlich eine dreifache Mutter in Nordrhein-Westfalen an den Folgen einer Masernerkrankung gestorben sein soll, will der Bundestag am morgigen Donnerstag, 1. Juni, über die Überwachung übertragbarer Krankheiten beraten.

Die Leiter der Kinderbetreuungseinrichtungen im Würmtal betrachten den Vorstoß der Bundesregierung, eine Meldepflicht für Kitas einzuführen, mit Skepsis. „Ich sehe es nicht als den großen Wurf“, sagt Andrea Biermeier, Leiterin des Kindergartens Rappelkiste in Gräfelfing. „Wenn dem Staat daran gelegen ist, dass Epidemien wie Masern eingedämmt werden, braucht es eine Impfpflicht.“ Oder man müsse den Eltern klarmachen, warum es wichtig sei, Kinder zu impfen.

Bislang lassen sich die Kinderbetreuungseinrichtungen im Würmtal von den Eltern das sogenannte U-Heft ihrer Kinder vorlegen. Die darin vom Kinderarzt dokumentierten Vorsorgeuntersuchungen beinhalten eine Impfberatung. Da die meisten Eltern im Würmtal damit die Impfberatung vorweisen könnten, gebe es für die Kitas eigentlich selten etwas zu melden, so die Leiter der Einrichtungen. „Wir weisen die Eltern auch darauf hin, dass es notwendig ist, die Untersuchungen durchführen zu lassen“, sagt Biermeier. Dass sie künftig Eltern, die keine Impfberatung wahrnehmen, dem Gesundheitsamt melden und damit Daten herausgeben soll, findet sie problematisch. „Es kommt mir vor, als würden wir petzen gehen“, sagt sie.

Auch Rita Strobel-Brugger vom Familienzentrum an der Würm in Planegg findet: „Es ist schon grenzwertig, wenn wir Namen weitergeben sollen.“ Zudem seien Impfungen Sache des Kinderarztes. Die Leiterin des Wald-Kreativ-Kindergartens in Neuried, Ramona Marx, befürwortet die Impfberatungen grundsätzlich, da sie von Masernpartys gehört habe, zu denen Eltern ihre Kinder brächten, damit diese sich anstecken. Offenbar wüssten manche nicht um die Nebenwirkungen von Masern, meint sie. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass es ein Wissensdefizit gibt. Deshalb finde ich eine Beratung gut und richtig.“ Doch sie sagt klar: „Wir sind die Pädagogen, und dann gibt es die Mediziner. Jeder ist der Experte auf seinem Gebiet.“

Auch Heidi Schilasky vom Gräfelfinger Kindergarten St. Stefan findet: „Das sollte der Kinderarzt machen.“ Und Renate Kleinmond vom Caritas-Kinderhaus in Krailling fragt sich, „warum das auf die Kindergärten abgewälzt wird. Warum kann das nicht der Kinderarzt machen?“

Biermeier sagt, die neue Meldepflicht sei mit einem Mehraufwand für die Kinderbetreuungseinrichtungen verbunden; dabei sei fraglich, ob die Maßnahme zielführend ist. „Ich weiß nicht, ob man die Impfskeptiker damit einfängt“, sagt sie. Strobel-Brugger hat im Würmtal die Erfahrung gemacht, „wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen, ist das aus einer Überzeugung heraus“. Auch Kleinmond sagt: „Die machen das nicht aus Nachlässigkeit, die sind beraten.“

 Victoria Strachwitz

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