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Taschentücher, Tee und ein warmes Bett reichen bei den meisten Grippekranken. Doch für bestimmte Gruppen ist die Krankheit ein Risiko. 

Vor der Grippesaison

Impfen, bevor die Grippewelle kommt

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Die Einschläge kommen näher. Die Grippesaison beginnt. Aber die große Welle ist noch nicht da. Deswegen empfehlen Ärzte im Würmtal, jetzt zu impfen.

Von Victoria Strachwitz

Würmtal – Sie ist lästig, und sie ist anstrengend. Aber, wie Dr. Kai Reichert aus Gräfelfing sagt: „Normalerweise überlebt man die Grippe.“ Doch für ältere, chronisch kranke oder geschwächte Menschen kann sie bedrohlich sein. „Für diese Menschen ist die Grippe-Impfung lebensrettend“, sagt Dr. Rainer Wöhrle aus Neuried.

Reichert hatte in seiner Praxis bislang einen Fall von Grippe in diesem Herbst. Wie seine Kollegen erwartet er die große Welle erst im Januar und Februar. Aber über die Impfung sagt er: „Wir fangen jetzt an.“ Auch Dr. Richard Aulehner aus Krailling hat bereits losgelegt. Wenn man eine Erkältung habe, könne man nicht geimpft werden. „Darum ist es günstig, zu impfen, bevor die Erkältungswelle kommt“, erklärt er. Die Impfung brauche dann zehn Tage, bis sie wirke.

Rund 400 Dosen hat Dr. Aulehner heuer bereits gespritzt. Er betreue unter anderem vier Altenheime, dort habe er die meisten Bewohner geimpft. Allen, die über 60 Jahre alt seien, rät er zur Grippe-Impfung. Auch chronisch Kranke sollten nicht zögern, meint er. „Ein Asthmatiker gehört auch als Jugendlicher geimpft.“ Und Schwangere bräuchten keine Angst davor zu haben. „Der Impfstoff wird heuer gut vertragen.“

Die Impfung von Schwangeren sieht der Gräfelfinger Gynäkologe Professor Reinhold Knitza dagegen skeptisch. „Da bin ich zurückhaltend. Die sind in der Regel sehr gesund und hochvital, die haben genug eigene Abwehrkräfte.“ Er empfiehlt die Grippe-Impfung seinen Patientinnen daher nur selektiv. „Die Schwangerschaft an sich ist ja keine Krankheit“, erklärt er.

Auch ein 40-Jähriger sollte den Impfschutz nicht brauchen, meint Dr. Reichert. Aber er und Dr. Aulehner empfehlen ihn allen Menschen, die viel mit anderen Menschen in Kontakt sind, wie beispielsweise Erzieherinnen und Kassierer. „Man impft jeden, der will“, sagt Dr. Reichert. Der Schutz halte etwa sechs Monate. Wie wirksam er ist, kann keiner der Ärzte voraussagen. „Man weiß es nie ganz genau“, meint Dr. Reichert.

Weil es heuer erst so wenig Fälle in Deutschland gab, „können wir noch nicht sagen, wie gut der neue Impfstoff funktioniert“, meint auch Dr. Aulehner. Der Kraillinger erinnert sich: „Letztes Jahr war der Impfstoff nicht so erfolgreich.“ Dr. Wöhrle erklärt, „es gibt wirksamere Impfungen als die Grippe-Impfung. Aber es gibt auch deutlich schlechter verträgliche Impfungen.“ Das Problem, dass die Impfstoffe heuer knapp werden könnten, wie es in der Vergangenheit bereits vorgekommen war, könnte heuer ausbleiben. Neu ist nämlich Folgendes, so Dr. Reichert: In den vergangenen zwei Jahren hätten die Mediziner den Impfstoff nehmen müssen, den die Kassen ausgesucht hätten. „Jetzt ist wieder freie Wahl“, erklärt er.

Dr. Wöhrle erläutert, dadurch könnten die Mediziner auf andere Impfstoffe zurückgreifen, die in der Vergangenheit tabu gewesen seien. Der Neurieder Arzt spricht diejenigen unter seinen Patienten, bei denen er eine Impfung für sinnvoll erachtet, gezielt darauf an. Und die meisten folgten seiner Empfehlung, berichtet er. „Die Grippe ist etwas anderes als eine normale Erkältung“, sagt Dr. Wöhrle.

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