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Ein Glas Wasser gefällig? Altenpfleger Mehmet Talay kümmert sich im Planegger Pflegeheim um Berta Wiedemann. Für rüstige Senioren mit weniger Pflegebedarf wird es künftig teurer. Wer sich Ende des Jahres schon im Altenheim befand, ist nicht betroffen.

Würmtaler Altenheime

Pflegereform mit Schattenseiten

Würmtal   -  Die aktuelle Pflegereform wird in den Altenheimen im Würmtal begrüßt. Und gleichzeitig auch kritisch gesehen: Die Entscheidung, in ein Altenheim zu ziehen, wird rüstigen Senioren künftig schwerer gemacht. Das ist auch ein Problem für die Heime.

Zum 1. Januar ist eine umfassende Pflegereform in Kraft getreten, die die bisher gültigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt hat. Die Neuerungen rufen in den Altenheimen im Würmtal nicht nur positive Reaktionen hervor. Die Geschäftsführerin für den Bereich Altenheime im Caritas-Verband, Doris Schneider, die für die Altenheime St. Gisela in Gräfelfing und Maria Eich in Krailling zuständig ist, meint, es sei mehr als angezeigt gewesen, dass sich der Begriff der Pflegebedürftigkeit ändert. Sie begrüßt daher die Reform, aber sie findet, die Umsetzung sei teils mangelhaft. „Der Stellenschlüssel wurde der Reform nicht angepasst.“ Es werde zu einer Verschlechterung des Schlüssels kommen. Wer bislang 3,1 Bewohner versorgt habe, müsse künftig 4,4 Bewohner versorgen, erläutert der Leiter des Evangelischen Alten- und Pflegeheims Planegg, Ulrich Spies, das Problem.

Doch nicht nur das könnte das Gefüge in den Altenheimen stören. Schneider prophezeit, dass „die Leute jetzt noch später in die Pflegeheime ziehen werden“. Denn für Menschen mit weniger Pflegebedarf werde es künftig teurer im Heim. Der Eigenanteil sei ab jetzt bei allen Pflegegraden gleich, so Spies. Das sei ein Problem: „Es könnte ein Effekt entstehen, dass die Multimorbidität in den Heimen zunimmt“, sollten die Menschen künftig später in die Heime ziehen, befürchtet er. Die Mischung zwischen rüstigen und weniger rüstigen Menschen sei „gerade eine gute Mischung“, befindet Schneider.

Spies weiß auch, dass „ein Altenheim vor Einsamkeit und Verwahrlosung schützt“. Im Heim gebe es viele Angebote. „Da blühen die Leute auf.“ Der Sozialpädagoge meint daher, die Menschen sollten frei entscheiden können, ob sie stationär oder ambulant gepflegt werden wollen. Spies: „Wenn die Menschen künftig sagen, ‚ich gehe nicht ins Altenheim, da sind nur todkranke Leute’, oder ‚das kann ich mir nicht leisten’, wäre das schade.“

Grundsätzlich begrüßt Spies ebenso wie Schneider die Reform und den neuen Begriff der Pflegebedürftigkeit. „Es wird nicht mehr gefragt, was jemand nicht kann, sondern was er noch kann“, erklärt er. Die, wie er sie nennt, Defizitabfrage gehöre der Vergangenheit an. Die Unterteilung in drei Stufen sei zwar einfach gewesen, das habe seinen Charme gehabt. Doch ihm gefalle die neue Auffächerung. „Der Grad der Demenz war vorher kein Thema“, sagt er über die alten Pflegestufen. Insofern habe das Gesetz Verbesserungen gebracht.

Die Betreiber der Altenheime mussten jetzt alle Verträge mit ihren Bewohnern umschreiben. Zwar genießen alle, die bereits vor dem 31. Dezember in Heimen untergebracht waren, „Bestandsschutz“, sie müssen für ihre Pflege nicht mehr bezahlen als bislang, dennoch wurden sie neu eingestuft. „Das ist sehr aufwendig umzurechnen“, sagt Spies. Über die Arbeit will er aber nicht jammern, schließlich sei die Reform trotz einiger Verschlechterungen grundsätzlich positiv.

Victoria Strachwitz

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