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Koffer mit kuriosem Inhalt: Inke Franzen vom Neurieder Rathaus mit der Beispielkollektion eines Sanitärhändlers. Der Besitzer hat sich nie gemeldet. 

Wümtaler Rathäuser

Fundstücke warten auf Abholer

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Vermisst jemand seinen Ehering? Zahlreiche Fundsachen liegen in den Rathäusern im Würmtal. Doch wo sind die Eigentümer?

Würmtal – Draußen schneit es, doch keiner scheint Schal und Handschuhe zu vermissen. Dabei liegen davon jede Menge in den Fundbüros im Würmtal. Vielleicht haben die Würmtaler davon reichlich. Was aber ist mit dem Ehering, der im August an der Badewiese an der Würm in Gräfelfing gefunden wurde. Vermisst den niemand? Was ist mit dem Rosenkranz oder dem Router, der in der Gräfelfinger Gemeindebücherei gefunden wurde? Wer hat sein Bargeld im Geldautomaten vergessen? Ein Gang ins Rathaus könnte für so manchen Glücksmoment sorgen. Doch: „Es wird eher wenig abgeholt“, sagt Kathrin Dörzbach vom Planegger Fundbüro.

Ihre Kollegen aus den anderen Würmtal-Gemeinden bestätigen dies. „Es wird leider relativ wenig abgeholt“, sagt auch Kraillings Sprecher Alexander Broschell. „Hier liegt seit 2015 ein iPod rum.“ Viele Sachen würden angefragt, „nur leider passen die oft nicht mit den Fundsachen zusammen“. Meistens würden den Fundbüromitarbeitern Brillen, Garagenöffner und Schlüssel überreicht. „In den vergangenen Monaten wurden viele Fahrräder abgegeben“, erzählt Broschell. So annonciere die Gemeinde bereits regelmäßig im „Info“, um auf die gefundenen Radl aufmerksam zu machen. In Neuried seien Fahrräder inzwischen seltener geworden, „aber die werden eigentlich auch nie abgeholt“, erklärt die Sprecherin der Gemeinde, Inke Franzen. Broschell wundert sich, dass selbst nach neuwertigen Jugendfahrrädern nicht gefragt werde. „Nach einem Jahr bekommt es der Finder, bei Fahrrädern wird das oft gemacht“, sagt er. Alte Radl würden verschrottet. In Planegg seien Fahrräder auch schon den Flüchtlingen übergeben worden, „nachdem sie von der Polizei freigegeben wurden“, erklärt Dörzbach. Schließlich müsse erst abgeklärt werden, ob jemand das Fahrrad vermisse und es beispielsweise als gestohlen gemeldet habe.

Dörzbach bedauert, dass viele Anfragen von Bürgern ins Leere gehen, weil vermisste Gegenstände nicht abgegeben wurden, während andere Dinge „ewig liegen“. In Neuried werden Brillen, Handys und Schlüssel „so gut wie nie abgeholt“, sagt Franzen. Auch für die beiden Schaukoffer eines Sanitärhändlers habe sich nie jemand interessiert. Anders sieht es mit gefundenem Bargeld aus. Das werde meist abgeholt.

Die meisten Gemeinden heben Fundsachen nur befristet auf. In Krailling wird das etwas lockerer gehandhabt. „Wenn die Schublade voll ist, wird mal aussortiert“, berichtet Broschell. In den anderen Würmtal-Gemeinden sollte man innerhalb eines halben Jahres im Rathaus nachfragen, ob das Vermisste aufgetaucht ist. Derjenige, der seine Apple-Uhr zu Silvester Am Wasserbogen in Gräfelfing verloren hat, hat also noch etwas Zeit, sich im örtlichen Rathaus zu rühren.

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