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Freude über den eigenen Mut: Der 18-jährige Felix 2015 an der Kletterwand der Naturfreunde Würmtal beim FLG. Sie bieten auch diesmal ein „Klettern mit und ohne Handicap“ an, am 6. und 27. Mai von 10 bis 13 Uhr.

Veranstaltungsreihe

Die Inklusion im Würmtal fördern

Die Veranstaltungsreihe „Inklusion im Würmtal“ startet am 5. Mai. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung uneingeschränkt zu integrieren. Das Programm finden Sie hier.

Würmtal – Für Günter Roll, den Behindertenbeauftragten und Sozialreferenten der Gemeinde Gräfelfing, fängt das Problem bereits im Rathaus an. So könnten Rollstuhlfahrer zwar in das Erdgeschoss gelangen, nicht jedoch in die oberen Stockwerke. „Der Lift ist viel zu klein“, erklärt Roll. Weil der Aufzug nicht in dem erforderten Maße erweitert werden kann, müsse er höchstwahrscheinlich außen angebracht werden. „Es ist nicht tolerierbar, dass Menschen mit Behinderung keinen Zugang zu den oberen Stockwerken eines Rathauses haben“, so Roll.

Barrierefreiheit - Noch keine Selbstverständlichkeit im Würmtal

Obwohl das Bewusstsein in den letzten Jahren stark gestiegen sei und bei Neubauten auf Barrierefreiheit geachtet werde, gebe es nach wie vor Verbesserungsbedarf. So auch im Kinderhort am ehemaligen Rathaus. „Will ein Rollstuhlfahrer ein Kind abholen, muss er nicht nur ein kleines Gartentürchen, sondern auch noch eine Rampe überwinden“, erläutert Roll.

Auch Fritz Haugg, dem Behindertenbeauftragten der Gemeinde Planegg, sind Schwachstellen bekannt. „Die Rampe Richtung Maria Eich ist für Rollstuhlfahrer sehr lang und steil“, so Haugg. Darauf müsse bei der Neugestaltung des Bahnhofareals Rücksicht genommen werden. Außerdem würden immer wieder Leute auf ihn zu kommen, weil sie Schwierigkeiten hätten, die Kreuzung Würmtalstraße/Lochhamer Straße bei Martinsried zu überqueren. Sie würden sich wünschen, dass die Gemeinde die Ampel mit einem akustischen Signal ausstattet. „Das wird derzeit geprüft“, so Haugg.

Die Gemeinden sind bemüht, es geht voran

Bereits in Gang gekommen ist die behindertengerechte Umgestaltung einer Bushaltestelle in der Georgenstraße. Weil Gehbehinderte glatte Flächen brauchen, während Menschen mit einer Sehschwäche eine Riffelung im Bodenbelag für ihren Stock benötigen, hat sich die Gemeinde Planegg dafür entschieden, den Gehsteig an dieser Stelle mit beiden Oberflächen auszustatten. Weitere Bushaltestellen sollen folgen.

Auch in Krailling sieht die Verwaltung im gegenwärtigen Bestand der öffentlichen Straßen und Wege noch viele Schwachstellen in Bezug auf die Barrierefreiheit, wie Gemeinde-Sprecher Alexander Broschell sagt. Aber bei Sanierungen und Neuplanungen sei die Gemeinde bemüht, diese anzugehen. „Ein besonderes Gewicht kommt dem Thema der Barrierefreiheit in Bezug auf die anstehende Sanierung der Margaretenstraße zwischen Paulhan-Platz und Margaretenkirche zu. Dieser Straßenabschnitt soll als Ortsmitte der Gemeinde umgebaut und in seiner Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit für sämtliche Verkehrsteilnehmer optimiert werden“, erklärt Broschell.

Inklusion passiert auch im Kopf

Friederike Hopfmüller vom Sozialnetz Würmtal-Insel bescheinigt dem Würmtal Fortschritte, was Inklusion betrifft. „Aber am optimalen Ende angekommen sind wir noch nicht“, sagt sie. „Inklusion heißt nicht nur, dass alle Gebäude barrierefrei sind.“ Auch in den Köpfen müsse sich etwas verändern. Sie denkt dabei an Reaktionen, die jemand hervorrufe, der bei einem Konzert seiner Freude lauter Ausdruck verleiht, als üblich. Auch Schulen müssten nicht nur baulich allen Schülern zugänglich sein. Die Art des Unterrichts müsse gegebenenfalls angepasst werden. Und Sehbehinderte müssten Zugang zu Hilfsmitteln bekommen. So fallen Hopfmüller spontan mehrere Beispiele ein, weshalb im Bereich der Inklusion noch einiges zu tun ist.

Die Reihe „Inklusion im Würmtal“ beinhaltet rund 60 Veranstaltungen. Eine liegt sowohl Fritz Haugg als auch Günter Roll besonders am Herzen: Ein Rollstuhlparcours soll ein Gefühl dafür geben, welche Barrieren Menschen mit Handicap im Alltag überwinden müssen. Haugg: „Man merkt schnell, dass die kleinsten Hindernisse plötzlich unüberwindbar werden.“

Das Programm von „Inklusion im Würmtal“

50 Organisationen, darunter Vereine, soziale Dienste und Institutionen aus dem Würmtal, konnte der Arbeitskreis Inklusion für seine Veranstaltungsreihe gewinnen. Sie alle bieten von 5. bis 28. Mai zahlreiche Aktivitäten und Informationsveranstaltungen an:

  • Den Auftakt macht am Freitag, 5. Mai, ein Businesslunch mit einem Vortrag über Inklusionsunternehmen. Die Wirtschaftsförderer der Würmtal-Gemeinden laden Vertreter örtlicher Unternehmen zu einem gemeinsamen Mittagessen ins Gräfelfinger Bürgerhaus ein. Das Essen stammt aus einer Küche, in der inklusiv gearbeitet wird. Zu Gast ist Renata Neukirchen, Gründerin von Firmen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten. Veranstaltungsdauer: 12.30 bis 14 Uhr.
  • Einen Workshop für Gebärdensprache bietet die Volkshochschule im Würmtal am Sonntag, 7. Mai, an. Von 10 bis 13 Uhr haben Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sowie Erwachsene Gelegenheit, das Fingeralphabet der Deutschen Gebärdensprache zu erlernen. Die Teilnehmer erarbeiten sich einen Basiswortschatz, gebärden ihren Namen und führen kleine Dialoge.
  • Zu einem inklusiven Tischtennis-Turnier lädt der TSV Neuried am Sonntag, 21. Mai, ein. Antreten können alle begeisterten Spieler, ob mit oder ohne Behinderung. Beginn ist um 10 Uhr.

Das vollständige Programm liegt in den Rathäusern aus und ist auch auf den Internetseiten der Gemeinden sowie unter www.wuermtal-insel.de zu finden.

Karin Priehler, Victoria Strachwitz

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