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Papst Franziskus hat eine Tür geöffnet: Wieder verheiratete geschiedene Katholiken dürfen jetzt zur Kommunion gehen.

Abendmahl für wieder verheiratete Geschiedene

„Kommunionbank ist kein Richterstuhl“

Papst Franziskus hat eine Tür geöffnet: Wieder verheiratete geschiedene Katholiken dürfen jetzt zur Kommunion gehen. Pfarrer im Würmtal begrüßen das. Was neu scheint, ist längst Usus.

Würmtal– In eine langjährige Diskussion ist jetzt Bewegung gekommen: Geschiedene Katholiken, die wieder verheiratet sind, dürfen nun offiziell zur Kommunion gehen. Einen Freibrief für die Betroffenen gibt es nicht. An der Unauflöslichkeit der Ehe halte der Papst fest, aber er habe wieder verheirateten Geschiedenen eine Tür geöffnet, meinen die Geistlichen im Würmtal. Und dies wird begrüßt.

Eine konkrete Dienstanweisung gebe es noch nicht, sagt Gautings Pfarrer Otto Gäng. Die Deutsche Bischofskonferenz hat gerade erst Stellung genommen zu Papst Franziskus’ Schreiben „Amoris Laetitia“ über die Liebe in der Familie vom vergangenen April. Der Pfarrer des Pfarrverbands Würmtal, Johannes von Bonhorst, freut sich über das, was bereits über die Zulassung der wieder verheirateten Geschiedenen zur Kommunion bekannt geworden ist. Er selbst habe die Entscheidung, ob jemand die Kommunion empfange, immer in das Gewissen des Einzelnen gelegt. „Der soll mit sich und dem lieben Gott im Reinen sein.“ Und so sagt er über die viel beachtete Neuerung: „Eigentlich greift das eine gängige Praxis auf. Seit 25 Jahren wird das in vielen Pfarreien so gehandhabt. Es ist ein guter Fortschritt, dass es von offizieller Seite ein bisschen pragmatischer gesehen wird.“

Auch für Pater Matthäus Klein, Prior des Kloster Maria Eich in Planegg, ist es nichts wirklich Neues. „Jemanden aus der Gemeinschaft auszuschließen, ist ein ganz vehementes Vorgehen“, findet er. In seinen Augen versuche der Papst jetzt, die Menschen wieder in die Gemeinschaft hineinzuholen. Franziskus appelliere an die wieder verheirateten Geschiedenen, ihr Gewissen zu prüfen, und ermutige die Seelsorger, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Er erkennt an, dass es auch Scheitern und Zerbrechlichkeit gibt“.

Gräfelfings Pfarrer Markus Zurl hat die „Amoris Laetitia“ des Papstes natürlich gelesen. Auch er äußert Verständnis für die Leute, die Sehnsucht nach der Eucharistie haben. Er habe kein Problem damit, Menschen, die regelmäßig in die Kirche kämen, die Kommunion zu geben. „Der Papst sagt eindeutig, dass wir miteinander ins Gespräch kommen müssen.“ Und er habe tolle Gespräche mit wieder verheirateten Geschiedenen geführt.

Sein Gautinger Kollege Dekan Otto Gäng sagt, „in der Praxis kommen viele ohne das Gespräch zur Kommunion“. Und eine Kommunionbank sei auch kein Richterstuhl. Dennoch ist ihm an einem Gespräch mit den Betroffenen gelegen. Die Menschen sollten sich mit reflektiertem Gewissen vor den Herrgott stellen können. Gäng erklärt, der Papst habe in seiner Schrift aber nicht nur Bezug auf die wieder verheirateten Geschiedenen genommen. Er habe auch gesagt, die Kirche müsse Ehepaare besser vorbereiten und begleiten. „Das ist für mich der spannendere Teil.“ Über die Schlaglöcher auf dem Lebensweg habe die Kirche bislang nichts gesagt. „Da haben wir uns auch an der eigenen Nase zu packen.“ Bei Ehevorbereitungsgesprächen habe er in seinen 24 Jahren als Priester bereits Veränderungen festgestellt. Jetzt warte er gespannt, wie das ganze Paket oder die Dienstanweisung konkret aussehen soll. „Wie gehen wir mit denen um, die gescheitert sind? Und wie bewahren wir sie davor, zu scheitern?“

Victoria Strachwitz

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