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Oberbrunner Maz Grimm (59) bezieh t seit einem Jahr kostenlose Mahlzeiten der Malteser. Er schätzt den schönen Mahlzeiten-Katalog. 

Nur für acht Leute

Kostenloses Essen von Maltesern im Würmtal findet kaum Abnehmer

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Während die Tafeln im Würmtal keine Schwierigkeiten haben, Abnehmer zu finden, kämpfen die Malteser. Sie bieten kostenloses Essen auf Rädern an, doch nur acht Menschen im Würmtal nutzen das Angebot – obwohl die Malteser hierfür kräftig Werbung machen.

Würmtal – Ist es Schüchternheit, Scham, Unkenntnis oder liegt es an einem Fehler im System? Die Malteser verschenken Essen und werden es nicht los – zumindest nicht im Würmtal. „Wir weisen keinen ab, es gibt keine zahlenmäßige Begrenzung“, preist die Sprecherin der Gräfelfinger Malteser Julia Krill ihr Angebot an. Wer bedürftig ist, bekommt kostenlos Essen auf Rädern. Seit 2009 gibt es die sogenannten Mahlzeiten-Patenschaften, seit einem Jahr rühren die Malteser immer wieder die Werbetrommel. Und trotzdem: Aktuell nutzen gerade einmal acht Menschen im Würmtal das Angebot. „Der Bedarf ist da“, sagt Friederike Hopfmüller von der Würmtal-Insel. Daran liegt es also nicht.

Menschen wollen aus Scham nicht offenlegen, dass sie bedürftig sind 

Der Vorsitzende des VdK Krailling-Pentenried, Adolf Storch, sagt: „Es gibt Leute, die genieren sich einfach, das in Anspruch zu nehmen. Sie wollen nicht erkannt werden“. Die Angst scheint unbegründet. Keiner könne erkennen, wer sein Essen auf Rädern bezahle und wer es spendiert bekommen habe, erklärt Krill. Doch Hopfmüller meint, „das zentrale Problem ist, dass viele Leute bei der Antragstellung nicht offenlegen wollen, dass sie bedürftig sind“.

Lösung für Problem: Anonymität der Bedürftigen sollte gewahrt werden 

Diese Hürde könnte umgangen werden, wenn die Malteser nicht selbst die Einkommensverhältnisse prüfen würden. Menschen mit geringem Einkommen hätten Anspruch auf den Landkreispass. „Da prüft eine Behörde die Bedürftigkeit und die ist weit weg von zuhause“, sagt Hopfmüller. Damit könne der Antragsteller mehr Anonymität wahren. „Wenn der Landkreispass auch den Maltesern als Nachweis der Bedürftigkeit reicht, wäre das eine Erleichterung.“ Dann fänden die Malteser auch mehr Abnehmer, ist sie überzeugt.

Derzeit setzt Kraillings zweite Bürgermeisterin Karin Wolf auf den persönlichen Kontakt. „Man muss die Leute kennen und persönlich ansprechen.“ Als Mitgründerin des Würmtal-Tisches verfügt sie über ein entsprechendes Netzwerk und hat erst kürzlich jemanden an die Malteser vermittelt. „Ich finde die Idee gut und kenne einige, denen man damit unter die Arme greifen kann“, sagt sie. Aber sie merkt auch: „Es ist nicht so, dass die Leute gleich Hurra schreien.“ Gerade die bedürftigen Senioren seien teils schüchtern, oft genügsam, gönnten sich nichts und seien der Meinung, „na, des braucht’s ned“. Krill weiß, dass Bedürftige im Würmtal lieber darauf verzichteten, Veranstaltungen zu besuchen, und ihre Möbel und ihr letztes Hab und Gut verkauften, bevor sie das kostenlose Essen der Malteser beantragen. „Dies sind keine Einzelfälle in den Würmtalgemeinden“, sagt sie.

Würmtal: Zurückhaltung bezüglich Malteser-Angebot größer als an anderen Orten

Im wohlhabenden Würmtal scheint die Zurückhaltung das Angebot anzunehmen größer als woanders. Im Großraum München bekommen insgesamt 132 Senioren das kostenlose Essen auf Rädern geliefert. Die Malteser arbeiten nun daran, auch den Bedarf im Würmtal zu decken. Wird das Angebot nämlich nicht genutzt, besteht die Gefahr eines Teufelskreises. Wenn für die Patenschaften keine Abnehmer gefunden werden, fänden sich langfristig auch weniger Spender, sagt Julia Krill.

Wer kann das Malteser-Angebot in Anspruch nehmen?

Was sind die Voraussetzungen für eine Mahlzeiten-Patenschaft? Eine Patenschaft beantragen kann grundsätzlich jeder, der über 75 Jahre alt oder aufgrund von Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt ist und eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt: Der Antragsteller bezieht Sozialhilfe oder Grundsicherung, hat einen Berechtigungsschein der Tafel oder eine Sozialcard. Oder aber nach Abzug der Miete bleiben weniger als 550 Euro monatlich zum Leben. Wo erfahre ich mehr über die Mahlzeiten-Patenschaften? Anträge sind beim Malteser Hilfsdienst erhältlich. Telefon: 85 80 80-0; E-Mail: mahlzeitenpatenschaften.graefelfing@malteser.org. 

Lesen Sie auch: Nach umstrittenem Aufnahmestopp für Ausländer bei den Tafeln: So ist die Lage in der Region (merkur.de)  

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