Berufstätige bringen oftmals auch kranke Kinder in Krippe oder Kindergarten

Eltern in der Zwickmühle

Würmtal – Das Kind ist krank, doch trotzdem wird es morgens in die Kita gebracht. Viele Eltern sehen keine andere Möglichkeit . Und Mama und Papa gehen mit schlechtem Gewissen ins Büro.

Das Szenario kennen alle berufstätigen Eltern: Das Kind kriecht morgens mit Ohrenschmerzen oder Halsweh aus dem Bett und im Büro steht ein ganz normaler Arbeitstag mit wichtigen Meetings und Kundenterminen an. Während das Fieber beim Kind steigt, bricht auch den Eltern der Schweiß aus allen Poren. Was tun, wenn keine Oma, kein Opa schnell und unkompliziert einspringen können? Den wichtigen Kundentermin absagen, die Geschäftsreise sausen lassen? Oder den kleinen Patienten doch in den Kindergarten bringen und hoffen, dass er den Tag gut durchhält?

Manche Eltern entscheiden sich notgedrungen für Letzteres – sehr zum Leidtragen von Erziehern, den Spielkameraden sowie den erkrankten Mädchen und Buben selbst. „Ein Kind, das dem normalen Tagesablauf in der Kita nicht folgen kann, gehört eindeutig nach Hause“, plädiert Renate Kleinmond, Leiterin des Caritas-Kindergartens in Krailling. Sie ist seit 37 Jahren im Beruf der Erzieherin tätig und weiß: Dass kranke Kinder in den Kindergarten oder die Krippe gebracht wurden, gab es schon immer. Aber natürlich tritt das Phänomen verstärkt auf, je stärker beide Eltern beruflich eingespannt sind. Wenn das Kind krank wird, gerät das oftmals ausgeklügelte System der Kinderbetreuung aus dem Takt und manche Chefs zeigen nur wenig Verständnis, wenn der Mitarbeiter innerhalb weniger Wochen mehrmals ausfällt.

Deshalb der Rat von Renate Kleinmond: „Man braucht immer einen Anker!“ Soll heißen: Ein Verwandter, der kurzfristig einspringen kann. Oder eine Nachbarin, die sich ein paar Stunden zum Kind ans Bett setzt. Und: „Eltern müssen sich das teilen können“, sagt sie und meint: Auch der Vater muss mal zu Hause bleiben und dem Arbeitgeber sagen: Mein Kind ist krank, ich muss mich kümmern. Und das ist sogar gesetzlich geregelt: Denn jeder Angestellter darf für die Betreuung seines kranken Kindes pro Jahr zehn Arbeitstage frei nehmen, Alleinerziehende haben Anspruch auf die Gesamtzahl, also 20 Tage. Voraussetzung ist, dass das Kind jünger als zwölf Jahre alt ist, der Arzt ein Attest ausstellt und sowohl das Elternteil als auch das Kind gesetzlich versichert sind.

Der Gesetzgeber steht auf Seite der Eltern – vor allem aber der Kinder. Denn, so weiß auch Beate Kirschner, stellvertretende Leiterin des „Spatzennest“ in Gräfelfing: „Ein Kind darf krank sein und sollte sich immer zu Hause auskurieren.“ Sie zeigt Verständnis für die Situation der Eltern, gerade wenn sich Grippeepidemien häuften und die Kinder über Wochen hinweg immer wieder krank seien. „Da stecken die Eltern schon in einer Zwickmühle“, weiß Kirschner. Aber: „Ein Kind muss einen Infekt nicht aushalten“, sagt sie. Im „Spatzennest“ setzen sie deshalb auf Vorab-Information. Drei Tage fieberfrei lautet hier die Empfehlung, das „tut den Kindern gut“, so Kirschner.

Ganz ähnlich handhabt man es in Planegg. Mindestens einen Tag fieberfrei und einen Tag durchfallfrei, so lautet die Vorgabe, die in den gemeindlichen Kindertagesstätten gilt. Natürlich würden die Eltern nicht vom Arbeitsplatz weggeholt, wenn nur die Nase läuft. Aber sobald das Kind fiebrig wird, muss es auch in Planegg von einem Elternteil oder Familienmitglied abgeholt werden. „Gerade in den Krippen, wo die Ansteckungsgefahr immer noch höher ist, legen wir Wert darauf“, berichtet Rita Strobel-Brugger, Leiterin der gemeindlichen Kitas in Planegg. Auch hier setzt man schon bei der Anmeldung und den ersten Infoabenden auf Aufklärungsarbeit. Schließlich würden sich die kranken Mädchen und Buben in der Kita immer wieder gegenseitig anstecken und auch die Erzieher und ihre Eltern infizieren. „Wir plädieren da an die gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt Rita Strobel-Brugger.

Katharina Korb-Gerum

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