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Die Lehrer (v.li.) Hans-Peter Etter, Katharina Baur (Starnbergs BLLV-Kreisvorsitzende) und Nicole Bannert würden lieber die Eltern statt das Übertrittszeugnis entscheiden lassen, ob ein Kind aufs Gymnasium geht.

Zwischenzeugnisse

Kritik an hohen Übertrittsquoten

Heute gibt es Zwischenzeugnisse. Der Druck, der auf Grundschülern lastet, ist enorm. Besonders Viertklässler stehen unter Stress. Die Erwartungen der Eltern im Würmtal sind extrem hoch.

Würmtal– Auf den ersten Blick sind die Kinder im Würmtal Überflieger. Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell, dass das Lernen für einige kein Selbstläufer war. 83 Prozent der Gräfelfinger Viertklässler schafften im vergangenen Jahr den Übertritt auf ein Gymnasium, zwölf Prozent auf die Realschule. Die restlichen fünf Prozent besuchen jetzt eine Mittelschule. „Seit einiger Zeit liegen die Übertrittsquoten für das Gymnasium im Würmtal bei 75 bis 90 Prozent“, bestätigt Planeggs Rektorin Eva Reindl. Zum Vergleich: Bayernweit liegt die Quote der Kinder, die nach der vierten Klasse auf eine Realschule oder ein Gymnasium gehen, bei 55 Prozent.

Die vermeintlichen Überflieger aus dem Würmtal stehen unter extrem hohem Druck. „Die Kinder haben in der vierten Klasse nicht mehr allzu viel zu lachen“, stellt die Rektorin der Gräfelfinger Grundschule Angelika Nerz-Lidl fest. Und Reindl bestätigt: „Die Eltern sind sehr daran interessiert, ihren Kindern eine möglichst hochwertige Ausbildung zukommen zu lassen. Die tun alles dafür, dass die Kinder das schaffen. Nachhilfe bekommen die Kinder zum Teil schon ab der dritten Klasse.“

Die Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) München-Land, Brigitte Gruber, berichtet sogar, dass bei ihr ein Nachhilfeinstitut anfragte, ob es nicht sinnvoll sei, bereits den Vorschulkindern Nachhilfeunterricht zu erteilen. „Die wissen um die Interessen der Eltern“, sagt Gruber. „Mein Kind muss Abitur machen. Das ist ein Imageproblem im Würmtal“, identifiziert Eva Reindl eine Ursache für den Druck durch die Eltern. Und diesen bekommen auch die Lehrer zu spüren. „Der Landkreis Starnberg ist bekannt dafür, dass die Eltern schnell mit einem Anwalt bei der Hand sind“, sagte Starnbergs Kreisvorsitzende des BLLV, Katharina Baur, jüngst bei einem Pressegespräch.

Die Rektoren im Würmtal können dies nicht bestätigen. „Ich habe es noch nicht gehabt, aber wir hatten schon heftigen Druck“, berichtet die Rektorin der Stockdorfer Grundschule, Heike Beuschlein. „Es ist schwierig, wenn Kinder aus akademischen Haushalten kommen und dann eine Empfehlung für die Realschule bekommen“, erklärt sie. In Gräfelfing setze sich langsam die Erkenntnis durch, dass das Bildungssystem durchlässig und der Weg über die Realschule ein guter sein könne, sagt Nerz-Lidl. „Wir freuen uns immer, wenn die Eltern nicht so verbissen auf das Gymnasium bestehen“, erklärt sie. Das Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums dient als gutes Beispiel. Leiter Hendrik Rehn sagt: „Ein Drittel unserer Abiturienten sind nicht den Weg über das Gymnasium gegangen.“

Trotzdem ist der Druck auf die Viertklässler aktuell hoch. Erst im Mai gibt es das Übertrittszeugnis. Rektorin Heike Beuschlein: „Danach sind die Kinder entspannter.“

Victoria Strachwitz

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