„Man sieht, was man leistet“: Alfred Doenicke (21) absolviert sein zweites Lehrjahr in der Martinsrieder Metzgerei Brehm. Ab Januar geht er auf die Meisterschule.
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„Man sieht, was man leistet“: Alfred Doenicke (21) absolviert sein zweites Lehrjahr in der Martinsrieder Metzgerei Brehm. Ab Januar geht er auf die Meisterschule.
Berufswahl aus Leidenschaft: Karin Meisenzahl (27) aus Gauting lässt sich in der Stockdorfer Konditorei Harter ausbilden
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Berufswahl aus Leidenschaft: Karin Meisenzahl (27) aus Gauting lässt sich in der Stockdorfer Konditorei Harter ausbilden.

Handwerk sucht händeringend

Lehrlinge aus dem Würmtal die Ausnahme

Wer heute ein Handwerk erlernt, den erwarten geradezu goldene Zeiten. Arbeitslose Gesellen gibt es nur selten. Und gute Lehrlinge werden im Würmtal händeringend gesucht.

Würmtal – Zu lachen hatte ein Lehrling wenig, und die Aussicht auf eine Arbeitsstelle war auch gering: Diese Zeiten sind vorbei. „Ich kann mich gut an fliegende Bürsten und Kisten in der Ausbildung erinnern“, sagt Volker Brehm von der gleichnamigen Metzgerei in Martinsried. Es ist nicht lange her, da ließ sich der heute 33-Jährige zum Metzger ausbilden. Doch seit seiner Zeit als Lehrling habe sich einiges geändert. Der Starnberger Kreishandwerksmeister Bäcker Anton Lidl ergänzt: „Vor 15 bis 20 Jahren haben wir 40 Prozent zu viel ausgebildet. Diese Gesellen sind nie gebraucht worden.“ Viele hätten ganz andere Berufe ergriffen als die, für die sie ausgebildet worden seien. Azubis von heute würden gebraucht, ist Lidl überzeugt. „Das Angebot an Stellen ist da, die Nachfrage danach ist gering“, sagt Brehm. Daher seien die Aussichten gut, nach der Ausbildung auch eine Stelle zu bekommen.

„Das ist wahr“, sagt Ludwig Harter von der gleichnamigen Konditorei in Stockdorf. „Das Handwerk ist ausgeblutet“, bestätigt Lidl. Gute Leute seien gefragt. „Es wird immer schwerer Lehrlinge zu finden“, sagt Harter und spricht damit auch für seine Kollegen. Dass bei ihm gerade gleich zwei Auszubildende neu angefangen haben, „das war Glück“, meint er. Dass frühe Aufstehen sei übrigens kein Problem, nicht in seinem Beruf und auch nicht in Lidls.

Dass die Arbeit in der Backstube der Konditorei Harter bereits morgens um 5 Uhr beginne, sei allenfalls gewöhnungsbedürftig, meint die 27-jährige Gautingerin Karin Meisenzahl, die sich bereits im zweiten Lehrjahr bei Harter zur Konditorin ausbilden lässt. Sie habe sich aus Leidenschaft für diesen Beruf entschieden. Nach dem Abitur habe sie versucht, zu studieren, und festgestellt, dass ihr das Handwerk mehr liegt. Dass die Lehrlinge der hiesigen Ausbildungsbetriebe wie Meisenzahl auch aus dem Würmtal kommen, ist aber nicht die Regel. „Im Würmtal haben wir eine Ausnahmesituation durch die starke Akademisierung“, meint Peter Sickinger von der gleichnamigen Bäckerei in Gräfelfing. Die Jugendlichen hätten zwar bisweilen Interesse am Handwerk, doch die Eltern hätten für ihren Nachwuchs meist die Universität im Blick. So komme es, dass die Azubis fast stets von weiter weg kommen. „Wir haben aktuell Azubis aus den Kreisen Bad Tölz und Fürstenfeldbruck“, sagt Peter Sickinger. Besonders stolz ist er aber darauf, dass er mit Johanna Klammler eine junge Wienerin zu seinen Lehrlingen zählt (siehe Kasten). Und diese sogar als Wiederholungstäterin: „Sie hat zuerst bei uns Bäckerin gelernt, und weil es ihr bei uns so viel Spaß machte, setzt sie jetzt noch die Konditorenausbildung obendrauf.“

Alfred Doenicke (21), der sich in Martinsried bei der Metzgerei Brehm ausbilden lässt, kommt ebenfalls nicht aus dem Würmtal, sondern aus Germering. Er ist bereits im zweiten Lehrjahr und schätzt seinen vielseitigen Beruf. „Man sieht, was man an einem Tag leistet.“ Dass die Jobaussichten gut sind, freut ihn außerdem. „Mir war wichtig, dass ich immer Arbeit habe, und die hat man als Handwerker eigentlich immer.“

amb/vs

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