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Ausgleichsfläche: die Stoawies‘n im Planegger Gewerbegebiet Steinkirchen.

Bund Naturschutz fordert Überprüfung

Mühsame Suche nach Ausgleichsflächen

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Wer im Außenbereich bauen will, muss der Natur andernorts einen Gefallen erweisen. Mit diesen sogenannten Ausgleichsflächen tun sich nicht alle Gemeinden im Würmtal leicht.

Würmtal– Gewerbegebiete, ein neues Feuerwehrhaus, ein Kirchenzentrum oder ein neuer Stall – die Gründe für eine Versiegelung des Bodens im Außenbereich sind vielfältig. Doch stets erfordert sie Ausgleichsflächen. Dass der Ersatz nicht immer ausfällt, wie es das Gesetz verlangt, wurde vergangene Woche im Bayerischen Landtag deutlich, als eine Untersuchung aus dem Landkreis Ebersberg vorgestellt wurde.

„Der Bund Naturschutz fordert, dass das auch im Landkreis München endlich mal überprüft wird“, sagt dessen Kreisgeschäftsführer Rudolf Nützel. Dazu müsse man die Naturschutzbehörden besser ausstatten. „Die schaffen es gar nicht, das zu kontrollieren.“ Der gleichen Meinung ist der Leiter des Planegger Bau- und Umweltamtes Richard Richter: „Die Naturschutzbehörde am Landratsamt ist hoffnungslos unterbesetzt. Wie sollen die sich darum kümmern, ob die Ausgleichsflächen hergestellt sind und entsprechend gepflegt werden?“ In Planegg laufe es optimal. Richter: „Weil es in der Verwaltung jemanden gibt, der sich darum kümmern kann.“

Wie schwer es sein kann, Ersatz zu finden, weiß Susanne Brittinger vom Kraillinger Bauamt. Die Ersatzflächen müssten immer mit dem korrespondieren, was man wegnehme. „Seit acht Jahren suchen wir händeringend eine Bannwaldaufforstungsfläche.“ Für die KIM sei ein Stück Bannwald gerodet worden, das bis heute nicht ersetzt worden sei. Die Gemeinde habe damals eine Fläche in Unterbrunn aufforsten wollen, wo sie bereits eine weitere Fläche bepflanzt hatte , doch dann habe sie festgestellt, dass der Grundeigentümer seine Fläche zwei Parteien versprochen habe. Als die Gemeinde das Grundstück haben nutzen wollen, sei es bereits aufgeforstet gewesen. Brittinger meint jetzt hoffnungsvoll: „Es schaut so aus, als käme eine andere Fläche in Frage.“ Diese liege wieder außerhalb der Gemeinde. Dass eine Kommune andernorts fündig werden darf, findet Nützel schwierig: „Generell haben wir ein Problem damit, dass der Ausgleich irgendwo erfolgen kann.“

Neuried hat Ackerflächen innerhalb der Gemeinde zum Zweck des Ausgleichs erworben. Damit konnten beispielsweise das Kirchenzentrum und eine Kita verwirklicht werden. Die Ökoflächen liegen zwischen Pflanzen Ries und Zugspitzstraße und sind laut Bauamtsleiterin Dagmar Hasler weitgehend sich selbst überlassen. „Die sind so angelegt worden“, sagt sie. Richter hingegen findet, Ausgleichsflächen müssten gepflegt werden, „sonst haben wir nach 30 Jahren Wald darauf stehen“. Nach sechs Jahren Pflege schaue die Stoawies’n in Planegg optimal aus, findet er. Durch das Gewerbe an der Semmelweisstraße, das für seine Bauten Ausgleichsflächen benötigt habe, seien auch die Kosten für die Ausgleichsfläche kein Problem für die Gemeinde. Die Ausgaben für Planung und Umsetzung der Maßnahme hätten die Gewerbetreibenden übernommen. Auch die Pflege sei für 15 Jahre bezahlt.

Mit der Beschaffung von Ausgleichsflächen und deren Pflege ist es nicht getan. Die Gemeinden müssen dem Landesamt für Umwelt alle Flächen nennen. Planegg hat 1,7 Hektar gemeldet, die nun im bayerischen Ökoflächenkataster registriert sind. Das ist vergleichsweise wenig. Gauting meldete 15 Hektar, Krailling 3,8 und Neuried vier. Nur Gräfelfing fällt dadurch auf, dass es bislang keine Flächen angegeben hat. Handelt die Gemeinde gesetzwidrig? Markus Ramsauer, stellvertretender Leiter des Gräfelfinger Bauamts widerspricht: „Wir haben erst vor kurzem Flächen nachgemeldet.“ Und: „Wir versiegeln wenig im Außenbereich.“ Im Innenbereich seien die Flächen nicht ausgleichspflichtig. „Wenn die Entlastungsstraße käme, dann hätten wir sicher ein Bannwaldproblem“, so Ramsauer. Wie groß dieses werden kann, zeigt das Beispiel aus Krailling.

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