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Einsatz auf dem Oktoberfest: Seit Jahren sind die Helfer der BRK-Bereitschaft Planegg/Krailling auf der Wiesn unterwegs. Einen Tag lang übernahmen sie bislang den Sanitätsdienst. Das ist jetzt vorbei. 

“Der größe Dienst des Jahres“

Wiesn-Aus für Rotes Kreuz: Würmtaler Retter schwer enttäuscht

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Es ist ein Schlag ins Gesicht für viele Ehrenamtliche im Würmtal: Das BRK darf künftig nicht mehr den Sanitätsdienst auf der Wiesn übernehmen. Die Retter der BRK-Bereitschaft Planegg/Krailling sind enttäuscht.

Würmtal – Auf der Wiesn wird viel geboten, auch für die Helfer des Sanitätsdienstes. Es ist für viele kaum zu glauben, aber die Retter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) drücken sich nicht vor diesem Einsatz. Sie freuen sich darauf. Sie nehmen Urlaub und stellen ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung. „Es ist der größte Dienst des Jahres“, sagt Peter Steigenberger, Leiter der BRK-Bereitschaft Planegg/Krailling. Er spricht von einem Höhepunkt für seine ehrenamtlichen Helfer. Vor drei Wochen hat er die ersten Anfragen von Mitgliedern bekommen, die heuer wieder helfen wollten. Doch daraus wird nichts. Die Stadt München hat den Zuschlag für die kommenden vier Jahre an den kommerziellen Anbieter „Aicher Ambulanz“ vergeben.

Nach 130 Jahren auf der Wiesn ist das BRK nicht mehr gefragt. Steigenbergers Vorgänger Georg Voit war 16 Jahre lang auf der Wiesn im Einsatz. Er meint: „Diese Entscheidung wird langfristige Folgen haben.“ Auf der Wiesn werde die Struktur eines Großeinsatzes geübt. „Diese Möglichkeit wird uns verwehrt.“ Auswirkungen auf Zivil- und Katastrophenschutz seien möglich. Steigenberger: „Auf der Wiesn gibt es Einsätze am laufenden Band. Für junge Helfer ist das der Einsatz, bei dem sie am meisten Erfahrung sammeln können.“

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„Morgens kann man ratschen, abends ist man gefordert“

Die Würmtaler übernahmen bislang jedes Jahr einen Tag lang den Sanitätsdienst auf der Wiesn, Steigenberger als Wachleiter: „Morgens kann man ratschen, abends ist man gefordert.“ Das fördere auch die Gemeinschaft. Weil die BRKler aus Planegg/Krailling viele Mitglieder haben, unterstützen sie zudem andere Bereitschaften. „Wir haben viele Helfer, die vier bis fünf Mal draußen waren“, sagt er. Jedes Jahr, versteht sich. Steigenberger: „Es ist ein Verlust, dieser Dienst hat die Leute motiviert.“ Dass es dafür nie eine Bezahlung gab, habe ihn nicht gestört.

Die „Aicher Ambulanz“ will die Helfer künftig bezahlen. Dennoch hat der Anbieter das günstigere Angebot abgegeben. Steigenberger: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein kostendeckendes Angebot ist.“ Der Bereitschaftsleiter meint, die „Aicher Ambulanz“ habe mit der Übernahme ihren Bekanntheitsgrad steigern wollen.

Steigenberger zweifelt an Aicher Kompetenz

„Für die Firma Aicher ist das eine große Werbeaktion“ – auch um Personal zu gewinnen, meint er. „Die vertrauen darauf, dass die Rot-Kreuz-Mitarbeiter dann bei ihnen arbeiten. Und ich gehe auch davon aus, dass es einige machen werden. Aber ich persönlich auf gar keinen Fall.“

Ob sie damit die Personalstärke des BRK erreichen können? „Da habe ich schon Bedenken, dass das in der kurzen Zeit klappen wird.“ Steigenberger ist überzeugt, dass bei einer solchen Ausschreibung nicht nur der Preis entscheiden dürfe. Das Rote Kreuz habe über die Jahrzehnte auch ein System und Wissen entwickelt. „Ich glaube nicht, dass es so glatt laufen wird wie mit dem Roten Kreuz.“

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