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Physiker, Stimmforscher, Musiklehrer: Franz Brandl konnte seine Leidenschaften immer vereinen und will das nun auch mit einem neuen Solistenensemble im Würmtal tun. 

Neuer Solistenchor für Jugendliche

Die Physik des schönen Klangs

Der Naturwissenschaftler Franz Brandl betrieb jahrelang Stimmforschung und nutzt sein Wissen zur Gesangsausbildung. Nun gründet er einen Solistenchor für Jugendliche.

Würmtal – Die Liebe zur Musik begleitet Franz Brandl ein Leben lang. Im Jahr 1970 gründete er den Münchner Madrigalchor, den er bis heute leitet. Jetzt verwirklicht der 82-Jährige ein weiteres Herzensprojekt. Für sein Solistenensemble sucht Brandl junge Musikliebhaber aus dem Würmtal.

Dem promovierten Diplomphysiker und Stimmforscher ist es schon früh gelungen, zwei Bereiche miteinander zu verknüpfen, die erst auf den zweiten Blick ihre zahlreichen Zusammenhänge offenbaren: die Musik auf der einen und die Naturwissenschaften auf der anderen Seite. Diese Leidenschaften vereinte Franz Brandl auch als Lehrer für Mathematik, Physik und Musik, unter anderem am Benediktinergymnasium in St. Ottilien. Die Klosterschule wusste um sein musikalisches Können und bat ihn daher, einen Schulchor zu gründen.

Er habe teilweise bis sechs Uhr morgens Stimmforschung betrieben, um gleich danach zum Unterricht zu gehen. „Das war eine verrückte Zeit“, sagt Brandl, der zehn Instrumente beherrscht und seine Singstimme als „tiefen Bariton“ bezeichnet. Nun sollen auch junge Würmtaler von seinem Wissen profitieren. „Ich möchte die jungen Leute dabei unterstützen, ihre Solostimme zu entwickeln.“ Im Klavierzimmer seines Pasinger Hauses will er künftig einmal pro Woche Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren empfangen. „Ich stelle mir zwei Gruppen vor, unterteilt in Mädchen und Buben“, so Brandl. Sein Wunsch seien sechs Teilnehmer pro Gruppe. Besondere Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. Er erwarte lediglich Begeisterung, eine gewisse musikalische Sensibilität sowie die Bereitschaft, Leistung zu bringen.

Im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs ermittelt der Pasinger geeignete Kandidaten, die schließlich im Ensemble aufeinandertreffen. Wer diese Hürde meistert, darf sich auf eine fundierte Ausbildung freuen. „Damit die Jugendlichen Erfahrungen sammeln können, plane ich zwei bis drei Konzerte pro Jahr, auch gemeinsam mit dem Madrigalchor“, so Brandl.

Trotz aller Professionalität ist die Teilnahme am Kurs kostenlos. Dem Musiker gehe es in erster Linie darum, die unverwechselbare Singstimme der Teilnehmer herauszuarbeiten. Auch auf diesem Gebiet hat Brandl Erfahrung. Immerhin haben mehrere Berufssänger seine Ausbildung durchlaufen.

Seit 1996 darf sich der studierte Musikwissenschaftler, der unter anderem das Gesangslehrbuch „Die Kunst der Stimmbildung auf physiologischer Grundlage“ verfasst hat, Professor nennen. Die Musikhochschule Klausenburg hatte ihm diesen Titel verliehen und ihn als Professor für Stimmphysiologie und Stimmberatung an eine rumänische Universität berufen.

Der Kontakt dorthin war über das Martinsrieder Max-Planck-Institut entstanden, wo Brandl in den sechziger Jahren als Molekülforscher gearbeitet hatte. Er regte damals eine Art Betriebschor an, in dem Mitarbeiter verschiedener Nationen gemeinsam singen sollten. Darunter auch eine Dame aus Rumänien. Weil diese kein Deutsch sprach, beschloss Brandl, die Lieder auf Rumänisch zu singen. Daraus entwickelte sich nicht nur der Kontakt nach Klausenburg, sondern auch der Münchner Madrigalchor.

Mittlerweile blickt das Ensemble auf eine 40-jährige Geschichte zurück. Und auf zahlreiche Reisen, die den Chor durch ganz Europa und sogar nach Japan führten. „Meine große Leidenschaft ist die wunderschöne Musik Osteuropas mit ihren komplizierten Takten“, sagt Franz Brandl.

Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er weite Teile seiner Konzerte der internationalen Folklore widmet. Das Publikum bekommt die Lieder in Originalsprache zu hören. Es sei ihm ein großes Anliegen, auch sprachlich mit fremden Kulturen in Austausch treten zu können. Brandl: „Mein Wunsch war immer, mit der Musik Länder zu vereinen.“

Wer sich für einen Platz in dem Solistenensemble interessiert, in dem Franz Brandl Jugendliche kostenlos in Gesang ausbilden will, kann mit einer E-Mail an die Adresse dr.brandl@grossstadt.de Kontakt aufnehmen.

Karin Priehler

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