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Müll vermeiden macht Spaß: Jeanette Hirschauer, stellvertretende Filialleiterin der Bäckerei Sickinger in Lochham, mit dem beliebten Würmtal-Becher. 

Regionales Pfand-System für Kaffee zum Mitnehmen

Der Würmtal-Becher ist ein Renner

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Seit einem halben Jahr gibt es den „Würmtal-Becher“ - und der hat in manchen Betrieben die Einmalbecher aus Pappe bereits verdrängt.

Gräfelfing– Mit der Vorreiter-Rolle ist es so eine Sache: Man weiß erst nachher sicher, ob man ein Rennpferd oder einen lahmen Gaul erwischt hat. Nach knapp sechs Monaten steht fest: Der Würmtal-Becher ist ein Renner – wenn man ihn ordentlich antreibt.

„Von allein geht gar nichts“, sagt der gestandene Unternehmer und Bäckermeister Hans Sickinger aus Lochham. Er schlug den Würmtal-Gemeinden das Projekt einst vor, und entsprechend motiviert setzen die Brüder Sickinger den Würmtal-Becher in ihren Bäckerei-Filialen nun durch. „Die Mitarbeiter sind geschult, und wir haben klare Vorgaben gemacht“, sagt Hans Sickinger. Auf dem Tresen steht nur noch der Mehrweg-Becher. Die umweltschädlicheren Pappbecher, die sich nach Gebrauch zu einem vermeidbaren Müllberg auftürmen, liegen unsichtbar hinter der Theke, und es gibt sie nur noch auf ausdrückliches Verlangen.

Diese mutige Herangehensweise zeigt Wirkung: 85 Prozent ihrer Kunden hätten den Würmtal-Becher angenommen, sagt Hans Sickinger. „Wir sind höchst zufrieden mit der Resonanz. Der Becher kommt gut an.“

Sabine Strack, Wirtschaftsförderin im Gräfelfinger Rathaus und Projektleiterin seitens der Würmtal-Gemeinden, bestätigt den positiven Trend. „Der Würmtal-Becher hat unsere Erwartungen erfüllt“, sagte sie auf Anfrage. Zu den Anfangsbetrieben gesellten sich inzwischen weitere, vor allem aus Planegg. Allerdings nach wie vor keine Tankstellen, was Strack bedauert. Insgesamt mache es einen bedeutenden Unterschied aus, ob die Mitarbeiter im jeweiligen Geschäft das Mehrweg-Gefäß proaktiv an den Kunden bringen würden oder unkommentiert auf dem Tresen stehen hätten. „Da gibt es sehr unterschiedliche Beispiele“, gibt Strack zu.

Die erste Becher-Charge von 10 000 Stück, die die Gemeinden bei einer Münchner Firma geordert hatten, ist so gut wie vergriffen. „Ich habe gerade noch 3000 nachgeordert, damit ich im Weihnachtsgeschäft nicht blank bin“, sagt Hans Sickinger. Und Sabine Strack bestätigt, man werde noch vor Weihnachten eine Neuauflage in Auftrag geben. Die soll Verbesserungen enthalten.

Vor allem wird es auch einen etwas größeren Becher für Cappuccino geben, der mit dem bisherigen stapelbar sein wird. Insgesamt sollen die Becher in neuer, seidenmatter Ausführung wertiger aussehen und nicht mehr an „Zahnputzbecher“ erinnern, wie Sickinger sagt. Auch das Würmtal-Motiv wird etwas verändert; die Grafiker sitzen gerade über den Entwürfen. Mit einer Lieferung rechnet Strack allerdings erst im neuen Jahr.

Unverändert bleibt das Prinzip: Der Mehrwegbecher kostet einmalig einen Euro Pfand. Er kann in den Geschäften gegen einen sauberen ausgetauscht werden – voll duftendem Kaffee.

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