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Eine Messstation an der Germer inger Straße in Planegg hielt 2011 Grenzwertüberschreitungen fest. 

Planegg veröffentlicht Schadstoff-Prognose für drei Straßen

Zweifel an Nutzen von Stickstoff-Messung

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Ein Diesel-Fahrverbot im Würmtal scheint weit entfernt. Die reale Luftbelastung interessiert aber auch hier manchen. Und auch ein Fahrverbot in der Stadt München dürfte für das Umland Folgen haben.

Würmtal – Vier Wochen nach dem Diesel-Gipfel in Berlin sind Fahrverbote in deutschen Städten noch nicht vom Tisch. Sollte es München treffen, könnte auch das Würmtal von den Folgen betroffen sein, selbst ohne eigene Fahrverbote in den Gemeinden.

Wie es mit der Stickoxid-und Feinstaubbelastung an den Straßen des Würmtals aussieht, ist bisher nur ansatzweise untersucht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) konzentriert seine Messungen auf viel befahrene Straßen in größeren Städten. Messstationen des Luftüberwachungssystem Bayern (LÜB) finden sich unter anderem an der Landshuter Allee in München oder in Luftkurorten. Ein Interesse an genauen Daten gibt es aber auch im Würmtal.

Immer wieder kommt in Ratssitzungen die Frage auf, ob die Gemeinden nicht eigene Messungen durchführen könnten. Ein Aufwand, den Richard Richter, der Leiter des Planegger Bau- und Umweltamtes, für überflüssig hält. „Das wäre Verschwendung von Steuergeldern“, sagt er. Um seinen Standpunkt zu stützen, ließ er kürzlich vom LfU eine Prognose für einige viel befahrene Straßenabschnitte in Planegg und Martinsried berechnen. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass es an den untersuchten Stellen keine Probleme mit gesetzlichen Grenzwerten gebe, weder für Feinstaub noch für Stickoxide. Für Letztere ist er in Wohngebieten mit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Mittel niedrig angesetzt; anders als etwa am Arbeitsplatz (850 Mikrogramm), wo man davon ausgeht, dass sich dort nur Erwachsene und nur rund 40 Stunden in der Woche aufhalten.

Das Berechnungsmodell des LfU leitet aus der durchschnittlichen Verkehrsbelastung und der Umgebungsbebauung die Konzentration von Stickoxiden und auch von Feinstaubpartikeln in der Umgebungsluft ab. Weder in der Pasinger Straße in Planegg im Bereich der Hausnummern 34 bis 42 noch in der Lochhamer Straße Nord oder im nördlichen Bereich der Röntgenstraße in Martinsried werden laut Berechnung die gesetzlichen Grenzwerte erreicht. Nach den von der Gemeinde veröffentlichten Daten liegen die Konzentrationen deutlich unter den Grenzwerten für Wohngebiete. Dabei sei für die Röntgenstraße sogar noch eine für die Luftreinhaltung ungünstigere Bebauung im Bereich der heutigen Garagen und des Lärmschutzwalls zugrundegelegt worden, sagt Richter. Problematischer als die jetzt untersuchten Bereiche ist allerdings die Germeringer Straße.

Dass die Werte für Stickstoffdioxid dort stellenweise im Grenzbereich des Zulässigen liegen, ist bereits lange bekannt. Vor sieben Jahren hatte die Gemeinde bei Müller BBM eine mehrmonatige Langzeitmessung an vier Punkten in Auftrag gegeben. An einem Messpunkt wurden damals die Grenzwerte im Monatsmittel mehrmals knapp überschritten. Eine neuerliche Untersuchung hält Richter nicht für notwendig. „Seitdem ist der Verkehr in der Germeringer Straße nicht mehr geworden“, sagt er.

Auch Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel beschäftigen die Stickoxid-Belastungen. Er wurde im Gemeinderat kürzlich gefragt, ob man nicht in Neuried Messungen durchführen könnte. Das könne man, antwortete Zipfel. Er ist sich aber wohl nicht sicher, was dabei herauskommen könnte. Man müsse sich bei einer Messung überlegen, wie man dann mit den Konsequenzen umgehe, so Zipfel in seiner Antwort weiter. Die Staatsstraße, die mitten durch die Gemeinde Neuried führt, ist die ebenfalls viel befahrene Weiterführung der Germeringer Straße aus Planegg in Richtung München.

Zipfel bezweifelt, dass ein Fahrverbot in München wirklich umsetzbar wäre. Aber für den Fall, „dass München dichtmacht, muss sich der Landkreis überlegen, was er unternimmt“, sagt Zipfel.

Für eine Gemeinde wie Neuried, direkt an München angrenzend, wirft ein mögliches Fahrverbot Fragen auf. Wie verhalten sich Pendler, die nicht in die Landeshauptstadt einfahren, aber ihre Fahrzeuge im Landkreis bewegen dürfen? „Die können ja nicht einfach an der Stadtgrenze stehen bleiben“, sagt Zipfel. Einen höheren Parkdruck auf die Umgebung der U- und S-Bahnhöfe hält er für möglich. Durch die U 3 in Fürstenried West habe man schon heute einen hohen Parkdruck, klagt man in Neuried seit Langem. Dort seien Parkplätze bereits knapp.

Und wie würde sich ein Fahrverbot für Diesel-Pkw im Landkreis, sofern sich dafür eine Notwendigkeit und eine Rechtsgrundlage ergäben, auf das Mobilitätsverhalten von Kreisbewohnern und Pendlern auswirken? Im Kreistag und der Kreisverwaltung habe man sich mit der Frage bisher noch nicht befasst, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes.

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