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Unterricht in der Justizvollzugsanstalt München: Während der Haft durchlaufen die Teilnehmer einen 20-wöchigen Kurs, in dem ih nen der Gräfelfinger Bernward Jopen (Foto) und seine Tochter Maren wirtschaftliche und unternehmerische Grundlagen vermitteln.

Gräfelfinger Projekt Leonhard eröffnet Übergangswohnhaus

Den kriminellen Kreislauf durchbrechen

Würmtal - Vom Knast in den Chefsessel: So schnell wie der Name „Unternehmertum für Gefangene“ denken lässt, geht es selten. Deshalb eröffnet das Resozialisierungsprogramm  jetzt ein Übergangswohnhaus.

Strafgefangenen mit Hilfe einer unternehmerischen Qualifizierung eine neue Perspektive bieten – dieses Ziel verfolgen Maren Jopen und ihr Vater Bernward Jopen bereits seit sechs Jahren. Jetzt wagen die Gräfelfinger den nächsten Schritt. Anfang nächsten Jahres eröffnen sie ein Haus, in dem Absolventen ihres Programms vorübergehend unterkommen, um ihr Leben nach der Haft zu planen.

„Leonhard – Unternehmertum für Gefangene“ heißt das Programm, das Straftätern helfen soll, die Kriminalität hinter sich zu lassen und ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Bereits während der Haft durchlaufen die Teilnehmer einen 20-wöchigen Kurs, in dem ihnen Maren und Bernward Jopen unter anderem wirtschaftliche und unternehmerische Grundlagen, wie zum Beispiel das Schreiben eines Geschäftsplans, vermitteln. Außerdem beinhaltet das Programm ein umfassendes Persönlichkeitstraining. Nach einer abschließenden Prüfung sollen die Teilnehmer in der Lage sein, sich selbstständig zu machen oder als Mitarbeiter in einem Unternehmen tätig zu sein.

Im Januar werden vier Absolventen in ein Haus südlich von München ziehen, um sich von dort aus eine eigene Wohnung und Arbeit zu suchen. Laut Maren Jopen finden viele Straftäter aufgrund ihrer Vergangenheit keine Wohnung. Potenzielle Arbeitgeber lehnen die Bewerber deswegen häufig ab. Das fehlende Einkommen wiederum wirkt sich negativ auf die Wohnungssuche aus. „Diesen Kreislauf wollen wir durchbrechen“, erklärt Maren Jopen.

Rund ein Jahr sollen die Absolventen im Leonhard-Haus leben, ehe die nächsten Bewohner einziehen. Einmal pro Woche sind Mitglieder des Teams vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Außerdem haben die Absolventen die Möglichkeit, einen ehrenamtlichen Mentor an die Seite gestellt zu bekommen. Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch einiges zu tun. So laufen die Renovierungsarbeiten derzeit auf Hochtouren. Währenddessen sucht das Leonhard-Team nach gebrauchtem Mobiliar. Wer spenden möchte, kann dies auf der Internetseite des Unternehmens tun. (www.leonhard.eu/spendenaktion). Dort gibt es eine Liste mit benötigten Gegenständen sowie deren Anschaffungspreis.

Jeder Bewohner bekommt ein eigenes Zimmer, während die Küche als Gemeinschaftsraum dient. Darüber hinaus verfügt das Haus über zwei Bäder. Die Absolventen müssen selbst für die Miete aufkommen.

Dass das Programm funktioniert, zeigt die Bilanz. 60 Prozent der entlassenen Absolventen finden nach durchschnittlich 27 Tagen eine Beschäftigung oder beginnen ein Studium, 29 Prozent machen sich selbstständig. Die Rückfallquote derjenigen, die wieder eine Straftat begehen, liegt bei zwölf  Prozent. Für das Programm können sich Straftäter aus allen 36 Gefängnissen Bayerns bewerben, mit Ausnahme von Sexualstraftätern und notorischen Serienbetrügern. Während des Programms werden die Gefangenen in die JVA München verlegt, wo der Kurs stattfindet.

Begonnen hat alles mit einem Zeitungsartikel, der Bernward Jopen, einem Unternehmer, vor einigen Jahren in die Hände gefallen ist. Darin ging es um ein ähnliches Projekt in Texas. Nachdem er dorthin geflogen war, um sich selbst ein Bild zu machen, überzeugte er seine Tochter von dem Programm. Die Betriebswirtin hatte anfangs damit gerechnet, mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert zu werden. Doch meistens reiche es aus, die Absichten des Projekts zu erklären. So gehe es letztlich auch um einen präventiven Opferschutz.

Und auch die Straftäter würden erst nach und nach erkennen, wie sehr sie von dem Programm profitieren. Gerade zu Beginn seien viele skeptisch, manche würden gar an eine Sekte glauben. Maren Jopen bezeichnet das Programm als sehr anstrengend, geprägt von Höhen und Tiefen. Sechs Stunden pro Tag sitzen die Teilnehmer im Unterricht. Umso größer sei die Freude, wenn die anspruchsvolle Prüfung geschafft ist.

Mit dem Münchner Leonhard-Haus gewährleistet das Team nun eine noch nachhaltigere Betreuung. Und auch im Norden Bayerns wird das Unternehmen ein Haus dieser Art eröffnen. Für Maren Jopen ist Leonhard ein Herzensprojekt. „Unser Programm steigert die Chancen enorm, dass Menschen mit krimineller Vergangenheit wieder auf die richtige Bahn gelangen.“

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