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rödeln ist nicht erlaubt: Bis zu 20 Einsätze am Tag fährt die Besatzung des Gräfelfinger Rettungswagen in drei Schichten. Dazwischen muss das Fahrzeug gereinigt und neu mit Medikamenten und Verbandszeug bestückt werden.

Rettungsdienste

Schnelle Hilfe dank geschickter Planung

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Anders als in Teilen Bayerns können die Rettungsdienste im Würmtal die gesetzlichen Hilfsfristen noch einhalten – trotz zunehmend schwieriger Umstände.

Würmtal – Wenn in der Rettungswache in der Gräfelfinger Bahnhofstraße die Alarmsirene geht, muss es schnell gehen. Seit dem Eingang des Notrufs in der zuständigen Rettungsleitstelle sind bereits wertvolle Sekunden vergangen. Jetzt muss die Besatzung des Rettungswagens zusehen, dass sie möglichst schnell zum Patienten kommt. Je nach Tageszeit und Verkehrslage eine echte Herausforderung. Im Würmtal gelingt das bislang überdurchschnittlich gut, obwohl sich die Rahmenbedingungen nicht gerade verbessert haben.

In Bayern sieht der Gesetzgeber eine sogenannte Hilfsfrist von maximal zwölf Minuten zwischen Ausrücken und Eintreffen beim Patienten vor. Daran orientiert wird das Rettungsdienstnetz für eine Region ausgestaltet. Die Frist soll in 80 Prozent aller Notfälle einhaltbar sein. Das gelingt nicht mehr überall in Bayern.

Die Notfallversorgung im Würmtal wird seit Jahrzehnten im Wesentlichen durch die Rettungswachen der Malteser in Gräfelfing und des Bayerischen Roten Kreuzes in Gauting sichergestellt. An beiden Standorten ist je ein Rettungswagen stationiert, der rund um die Uhr besetzt ist. Jede Wache bedient theoretisch ein bestimmtes Versorgungsgebiet, für das die Einhaltungsquote der Hilfsfrist erfasst wird.

Statistisch wurde im Versorgungsbereich Gräfelfing zwischen 2013 und 2015 nur bei einem von rund 14 Notfalleinsätzen die Hilfsfrist nicht eingehalten. Das geht aus der Antwort des Bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-SPD zur Situation des bayerischen Rettungswesens aus dem letzten Jahr hervor. Sogar noch minimal bessere Zahlen gelten für den Versorgungsbereich Gauting. Mit den beiden Rettungswagen alleine wäre das kaum möglich, zumal diese in einem weit größeren Gebiet als dem Würmtal gebraucht werden.

Anhand des bayerischen Durchschnitts und der Einwohnerzahlen ergeben sich allein für die fünf Würmtal-Gemeinden Gauting, Krailling, Planegg, Gräfelfing und Neuried rechnerisch rund 13 medizinische Notfälle am Tag. Der Gräfelfinger Rettungswagen kommt zudem auch in Kleinhadern oder Laim zum Einsatz. Und in München wächst, anders als im Würmtal, die Bevölkerungszahl. „Jetzt kommt auch noch Freiham dazu“, sagt Maximilian Hinkofer, stellvertretender Wachleiter der Malteser in Gräfelfing. Außerdem wird der Rettungswagen von der Leitstelle in München auch für bestimmte eilige Krankentransporte angefordert. Auf fast 20 Einsätze täglich kommt das Fahrzeug so. „Vor fünf Jahren waren es noch 14 oder 15“, sagt Hinkhofer.

Dass in ihrem Zuständigkeitsbereich die Hilfsfristen bisher trotzdem gehalten werden, können die Malteser auch dank der vier ebenfalls in Gräfelfing stationierten Krankentransportfahrzeuge möglich machen. Die sind zwar nur tagsüber besetzt und können medizinisch kaum mehr als Erste Hilfe leisten. Aber sie zählen bei der Fristwahrung. Dazu kommen ein Notarzt mit Pkw in Gauting und ein First Responder des BRK in Planegg.

Der Schlüssel für eine schnelle Versorgung ist aber eine gute Disposition in den Rettungsleitstellen, die mittlerweile auch dank einer Gesetzesänderung landkreisübergreifend gut zusammenarbeiten. Es werde sehr viel mit Abstellungen in andere Versorgungs- und Rettungsdienstbereiche gearbeitet, sagt Georg Rötzer, Bereichsleiter Einsatzdienste beim BRK im Landkreis Starnberg. Das sei „für uns zwar gnadenlos“, aber nur so seien bei der momentanen Verteilung der Rettungswagen die Hilfsfristen zu wahren.

Ist beispielsweise der Starnberger Rettungswagen gerade belegt, hilft der Gautinger in Starnberg, und das potenzielle Versorgungsgebiet der Gräfelfinger Malteser erstreckt sich solange bis nach Stockdorf, obwohl an der Landkreisgrenze die Zuständigkeit von der Leitstelle der Münchner Feuerwehr an die Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck übergeht. Die wiederum darf sich aus der Dispositionsmasse der Leitstelle für das Oberland in Weilheim bedienen, wenn etwa ein Notruf aus Tutzing eingeht, und das Starnberger Fahrzeug gerade belegt ist. Dann nämlich wäre im eigenen Gebiet Gauting die nächste besetzte Wache. Und von dort sind zwölf Minuten nach Tutzing utopisch. Durch diese faktische Aufhebung der Gebietsgrenzen müssten die Disponenten trotz Unterstützung durch Computerprogramme „um zwei Ecken denken“, sagt Hinkofer.

Insgesamt sind die Rettungsdienste in Bayern immer mehr ausgelastet. Die Zahl der Notfalleinsätze ist von 2006 bis 2015 um rund 50 Prozent gestiegen, auf mittlerweile fast eine Million. Die Retter im Würmtal machen dafür unter anderem eine flächendeckende Mobilfunkversorgung, schlechtere medizinische Allgemeinbildung und ein in manchen Regionen immer dünneres Hausarztnetz verantwortlich.

Der Verkehr hingegen, der ihnen bisweilen die Arbeit erschwert, sei kein neues Problem, sagt Hinkofer: „Schlechtes Durchkommen war für uns schon immer.“

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