Pläne zur papierlosen Verwaltung in Rathäusern

Abschied von Zettelkasten und Aktenschrank

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Das Internet bietet Bürgern und Kommunen weitreichende Möglichkeiten. Manche Gemeinden im Würmtal freuen sich darauf, diese auszuschöpfen. Skeptikern graust es davor.

Würmtal – Wie die Zukunft aussehen könnte, davon hat die Rathausverwaltung in Gauting konkrete Vorstellungen: Formulare werden die Bürger künftig im Internet ausfüllen. Sie werden sie elektronisch an die Gemeinde übermitteln und online auch gleich anfallende Gebühren begleichen. Das EDV-System der Gemeinde wird den Auftrag entgegennehmen und selbst ausführen. Für den Geschäftsleiter der Gemeinde Planegg, Stefan Schaudig, ist das „eine Horrorvorstellung“. Aber E-Government ist in allen Gemeinden ein großes Thema.

„Es soll eine wirkliche Erleichterung sein“, sagt Gautings Sprecherin Ricarda Polz enthusiastisch und denkt dabei an Bürger und Rathausmitarbeiter. Ihre Gemeinde sucht derzeit eine Organisationsfachfrau/mann für das Projekt E-Government – unbefristet und in Vollzeit. Es wartet viel Arbeit. „Weg vom Papier hin zur elektronischen Akte“, so lautet das Motto.

Der Freistaat hat ein Gesetz erlassen, das alle Gemeinden dazu verpflichtet, bis zum 1. Januar ein passendes Sicherheitskonzept zu entwickeln. Wenn Daten online übermittelt und elektronisch gespeichert werden, muss gewährleistet sein, dass sie sicher aufgehoben sind. „Wir Gemeinden müssen die Hausaufgaben machen“, sagt Schaudig. Der Haupt-, Personal und Finanzausschuss der Gemeinde Neuried wird sich heute Abend mit der Bestellung eines Informationssicherheitsbeauftragten befassen. Künftig soll es auch dort keine „Medienbrüche“ mehr geben, wie Polz es nennt. Was elektronisch ist, soll elektronisch bleiben und nicht ausgedruckt und physisch abgelegt werden. „Dazu gehört, für die Sicherheit das Nötige zu tun“, sagt Geschäftsleiter Alois Sailer.

Ulrich Seyfferth von der Gemeinde Gräfelfing weist darauf hin, dass bereits Gemeinden Opfer von Hackern wurden, die dann Lösegeld zahlen sollten, um wieder an ihre Daten zu kommen. Gräfelfing, Planegg und Gauting haben bereits jemanden mit der Sicherheit betraut. Auch wenn Seyfferth meint: „Absoluten Schutz gibt es nie.“

Der Geschäftsleiter der Gemeinde Krailling ist noch nicht so weit mit seinen Vorbereitungen für den Wandel. Franz Wolfrum räumt ein, „das wird noch stiefmütterlich behandelt.“ Die Vision sei schön, aber der Gemeinde fehle es an Personal.

Seyfferth und Schaudig sehen auch die Vision mit Skepsis. „Es wird sicher vieles erleichtern“, meint Schaudig. „Aber eine Kommunalverwaltung auf Automaten zu reduzieren, ist nicht meine Idealvorstellung einer Kommunalverwaltung“, sagt er. Der persönliche Kontakt zwischen Bürgern und Rathausverwaltung sei wichtig.

Da stimmt ihm Sailer zu. „Es ist wichtig, dass wir weiter für die Bürger da sind“, meint der Neurieder Geschäftsleiter. Gautings Sprecherin sieht das genauso. Zumal beide feststellen: „Die wenigsten Bürger verfügen über eine digitale Signatur.“ Die sei aber für einige Online-Formulare notwendig.

Die Folge: „Es wird eine lange Zeit zweigleisig zu fahren sein“, schätzt Ricarda Polz. Und Alois Sailer weiß, dass das nicht schlecht ist. Vor zwei Wochen sei Neurieds Verwaltung mehrere Tage lang nicht per E-Mail erreichbar gewesen. Eine technische Störung könne weitreichende Folgen haben, warnt er.

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