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Eine Herrenrunde genießt das Eisstockschießen auf dem zugefrorenen Bergerweiher (v.li.): Georg Medele, Frank Fijakowski, Erwin Eckl, Max Gum-Bauer, Helmut Seibert, Ludwig Heinle, Hans Kißlinger, Rudolf Leimböck und Franz Kleber.

Bilderbuch-winter im würmtal

Die Sonnen- und Schattenseiten der Kälte

Würmtal - Schnee und Kälte haben das Würmtal fest im Griff. Wintersportler sind hocherfreut. Auch andere profitieren. Allen voran die Gemeinde Planegg. Doch es gibt auch eine Schattenseite.

Wer kann da widerstehen? Schnee und Eis direkt vor der Haustür, und an den meisten Tagen scheint die Sonne. Im Würmtal wird gerodelt, langgelaufen und Schlittschuh gefahren. Und gut präparierte Skipisten sind auch nicht weit.

„Das hat sehr positive Auswirkungen“, freut sich Andreas Haindl von Intersport Haindl in Planegg. „Das waren wir gar nicht mehr gewohnt“, sagt er gut gelaunt. Und auch die Gemeinde Planegg darf sich freuen. Der Leiter des örtlichen Betriebshofes Manfred Wolf geht davon aus, dass es beim „Eiswunder“ heuer eine Steigerung der Besucherzahlen geben wird. Außerdem sagt er: „Ich denke, wir werden ein Drittel weniger Stromkosten haben.“ Die Kunsteisbahn müsse heuer weniger künstlich gekühlt werden.

Während der Frost die einen glücklich macht, decken sich die anderen lieber ein. Warme Winterbekleidung gehe bei Haindl weg wie warme Semmeln, berichtet dieser. Der Laden brummt. Denn auch wer keine Skiausrüstung habe oder eine sehr alte, der komme jetzt, um sich eine neue zuzulegen.

Und das, wie es scheint, aus gutem Grund: „Wenn ein Ski acht Jahre auf dem Buckel hat, ist er auszutauschen“, rät der Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbands in Planegg, Andreas König. Und damit meint er: spätestens. Auch Schuhe, Bindung und Helm müssten ersetzt werden. „Der Weichmacher entweicht aus dem Kunststoff“, erklärt er. Dann drohe das Material zu brechen. König erklärt: Wer neues Material nutze, bei dem sei die Gefahr einer Verletzung geringer.

In der Ambulanz der Gräfelfinger Wolfart-Klinik wissen die Ärzte, wovon er spricht. „Wir haben gerade sehr viele Freizeitunfälle zu behandeln“, sagt Dr. Thomas Genss. Zuvor habe es überwiegend Unfälle aufgrund von Glatteis gegeben. Dieser Tage müssten Rodler (Steißbein und Sprunggelenk), Skifahrer (Knie) und Schlittschuhfahrer (Handgelenk) verarztet werden.

Doch Sportbegeisterte wie Skilangläufer Andreas Haindl kann das nicht schrecken. „Die Leute kommen erst in den Laden, wenn auf der Sanatoriumswiese Schnee liegt“, sagt er. „Vorher ist Langlaufen wie Sauerbier“, meint er. Doch jetzt habe er sehr viel Material verkauft. Außerdem Schlitten und Bobs. Mit Glück habe er am Freitag noch einige Zipfelbobs ergattern können. Die Hersteller seien ausverkauft. Unter anderem wegen des Planegger Eiswunders seien auch Schlittschuhe sehr begehrt.

Zugleich steigen freilich die Heizkosten. Um eine 120 bis 150 Quadratmeter große Wohnung einen Monat lang zu heizen, brauche man bei Außentemperaturen um die Null Grad Celsius sonst 300 Liter Öl im Monat. „Bei -14 und -16 Grad geht schon einiges weg“, sagt Franz Brunnthaler von der Neurieder „Bauer Heizöl und Wärmeservice GmbH“. „Mit 400 bis 500 Litern kann man jetzt schon rechnen“, meint er.

Victoria Strachwitz

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