Lehrer Schule Würmtal
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Wer auf der Kippe steht und sich besonders anstrengt, kann sich noch retten.

Lehrer wollen sich kulant zeigen

Schulen: Das Pfingstwunder bleibt heuer aus

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Wegen Corona bleibt keiner sitzen: Das bedeutet nicht, dass heuer kein Schüler die Klasse wiederholen muss. Die Lehrer im Würmtal wollen sich aber kulant zeigen.

Würmtal– Nur wenige Schüler fahren den sicheren Kurs, schreiben zu Beginn eines Schuljahres gute Noten und lassen es dann gemütlich angehen. In der Regel ist es umgekehrt. Meist wird gepokert, und die Schüler geben erst nach dem Zwischenzeugnis Gas. Wenn es brenzlig wird, strengen sie sich an. Lehrer sprechen gar vom Pfingstwunder. Problem: Heuer wurde das Wunder ein Opfer der Pandemie. Zahlreiche Schüler der weiterführenden Schulen, die es sonst sicherlich in die nächste Jahrgangsstufe geschafft hätten, gelten jetzt immer noch als versetzungsgefährdet.

Jeder einzelne Fall wird geprüft

„Zunächst dachte man, die werden alle durchgewinkt“, sagt die Direktorin des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums, Brigitte Schmid-Breining. „Das ist nicht so. Sitzenbleiben ist möglich, auch in diesem Jahr.“ Anita Groß, Leiterin des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, ist aber wichtig zu erwähnen: „Die Schüler können nichts dafür, dass sie die Leistung nicht verbessern können.“ Sie hätten sich schließlich nicht freiwillig in den Lockdown begeben. „Wir schauen jeden einzelnen Fall gesondert an und führen Gespräche mit den Eltern.“ Groß will vielen Schülern, die knapp stehen, die Möglichkeit bieten, sich zu verbessern, damit diese dann regulär und ohne Hypothek, wie sie es nennt, vorrücken können. „Ich habe die Hoffnung, dass sich viele noch durch freiwillige Leistungsnachweise retten können.“ Ein Referat könnte also die Kuh vom Eis bringen.

„Wir sind aus Berufung Pädagogen geworden, und das ist in diesem Jahr noch mehr gefordert“, erklärt Manfred Jahreis, Leiter der Staatlichen Realschule Gauting. Seien die Lehrer davon überzeugt, ein Schüler könne vorhandene Lücken schließen, könne dieser auf Probe vorrücken. Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (Artikel 53, Absatz 6) schaffe diese Möglichkeit für Schüler, die ohne eigenes Verschulden nicht ausreichende Leistungen haben. „Die Schüler müssen sich halt dann beweisen.“ Bei der Länge der Probezeit gebe es jetzt zudem Kulanz, meint er. Ende diese normalerweise im Dezember, dauere sie jetzt bis zum nächsten Zwischenzeugnis. Groß aber sagt: „Wir haben noch keine Informationen, ob das verlängert wird.“

Probezeit möglich

Das Vorrücken auf Probe ist nicht die einzige Möglichkeit, die den versetzungsgefährdeten Schülern jetzt helfen soll. Weiter gebe es Nachprüfungen, wer diese nicht bestehe, könne immer noch die Probezeit in Anspruch nehmen. Auch eine Klasse zu wiederholen, ist heuer weniger dramatisch als sonst. „Wer wiederholt, gilt nicht als Wiederholungsschüler“, erklärt Groß. Schmid-Breining meint, es sei manchmal nicht das Schlechteste, wenn jemand eine Klasse wiederhole. Welchen Weg die Schüler gehen werden, müssten jetzt die Eltern entscheiden.

Schmid-Breining ist jedenfalls überzeugt: „Die Schüler bekommen mehr Hilfen als sonst.“ Sie würde den bekannten Spruch „Wegen Corona bleibt keiner sitzen“ gerne umformulieren: „Wegen Corona allein bleibt keiner sitzen.“

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