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Helga Sauerbrey-Bock liebt ihren Beruf Sie ist als Freiberuflerin leitende Hebamme in der Wolfart-Klinik. Doch die schließt demnächst ihre Geburtenabteilung.

Freiberuflerinnen klagen

Schwere Zeiten für Hebammen

Hebammen sind mit Herzblut bei der Arbeit. Doch manche haben den Eindruck, sie sollen abgeschafft werden. Die Schließung von Geburtsstationen ist nicht ihre einzige Sorge.

Würmtal – Die Hebammen der Gräfelfinger Wolfart-Klinik haben sich noch nicht von dem Schock erholt, dass ihre Geburtsstation im Herbst schließen wird. „Das war für uns ein kaltes Bad“, sagt Helga Sauerbrey-Bock. Die Belegärzte hätten größtenteils noch Verträge für fünf Jahre. So lange, hätten sie gedacht, würde es auch die Geburtsstation in Gräfelfing noch geben. Freiberuflerin Sauerbrey-Bock ist leitende Hebamme in der Wolfart-Klinik. Das Angebot der Geschäftsführung, in den OP-Bereich zu wechseln, schlägt sie aus. „Ich bin seit 40 Jahren Hebamme“, sagt sie. „Da hängt Herzblut dran.“

Die Schließung der einzigen Geburtsstation im Würmtal ist nicht die einzige Sorge der Hebammen vor Ort. Ihre Bezahlung lässt zu wünschen übrig. „Hausbesuche werden nicht üppig bezahlt“, sagt Sauerbrey-Bock. Für eine Stunde Rückbildung gebe es 7,20 Euro. Die meisten Geburtsstationen der Region arbeiten wie die in Gräfelfing mit freiberuflichen Beleghebammen. So auch die Kliniken in Pasing, Starnberg, und der Dritte Orden, erklärt Sabine Knape, Hausgeburtshebamme aus Gauting. „Das ist für die Krankenhäuser viel günstiger“, meint sie. Die Kliniken würden daher zunehmend auf das Belegsystem umgestellt.

Die Beleghebammen arbeiten in den Geburtsstationen in Schichtsystemen, betreuen dabei mehrere Frauen gleichzeitig. Die Krankenkassen wollen aber die Zahl der Patientinnen beschränken, die eine Beleghebamme parallel abrechnen darf. Dann stünde die Hebamme künftig vor der Wahl, ob sie weitere Frauen gar nicht oder unentgeltlich betreue, erklärt Knape.

Derzeit läuft eine Petition gegen dieses Vorhaben zum „Erhalt der Beleghebammen“. Sollten die Krankenkassen aber Erfolg haben, prophezeit Knape, breche damit „das Betreuungskonzept der Kliniken, die mit Beleghebammen arbeiten, zusammen. Das ist ganz fatal.“ Beleghebammen könnten dadurch künftig deutlich weniger verdienen – gleichzeitig müssen sie aber mit immer höheren Beiträgen zur Haftpflichtversicherung rechnen. „Wir bezahlen knapp 8000 Euro im Jahr“, sagt Sauerbrey-Bock.

Knape geht davon aus, dass die Beiträge im Sommer weiter steigen. „Die Krankenkassen wollen das System so strukturieren, dass die Hebammen insgesamt wegfallen“, meint sie. Dabei sei im Sozialgesetzbuch festgeschrieben, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss – im Gegensatz zum Arzt, der könne dabei sein.

Hebamme Veronika Wolff aus Gauting kann die aktuellen Entwicklungen ebenfalls nicht verstehen. „Man hat doch erkannt, dass der Anfang des Lebens so wichtig ist“, sagt sie. Bis September war sie Beleghebamme im Klinikum Starnberg. Schweren Herzens habe sie sich nach 30 Jahren aus der Geburtshilfe zurückgezogen. Für sie ist ihr Beruf eine Berufung. Sie schließt nicht aus, dass sie wieder zurückkehrt. Doch derzeit verstehe sie nicht, „was gerade passiert. Es klingt so, als ob die Arbeit der freiberuflichen Hebamme erschwert werden soll.“

Victoria Strachwitz

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