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Ab 1. Januar herrscht Kassenbonpflicht.

Würmtaler Einzelhändler wenig begeistert

„So ein Unsinn“: Kassenbon für jede Brezen

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„So ein Unsinn!“ Dass Kunden ab 1. Januar für jeden Einkauf einen Kassenzettel bekommen sollen, kommt bei den Einzelhändlern im Würmtal schlecht an.

Würmtal – Für jede Brezen, jede Tulpe, jede Zeitung und jede Packung Kaugummi bekommen Kunden ab 1. Januar einen Kassenzettel – ob sie wollen oder nicht. Denn so will es der Gesetzgeber. Die Einzelhändler im Würmtal hören den Amtsschimmel laut wiehern.

„Das ist ein totaler Stuss“, sagt beispielsweise Andreas Torke von Andy’s Getränkequelle in Krailling. Er sieht darin nur Papierverschwendung. „Das ist komplett überflüssig“, findet auch Peter Sickinger senior von der gleichnamigen Gräfelfinger Bäckerei, die Filialen im ganzen Würmtal unterhält. Bürokratischer Quatsch sei das, Schikane, mehr nicht. Damit werde nur Müll produziert. „Die meisten schmeißen die Zettel draußen weg“, prophezeit auch Gerd Stucken vom gleichnamigen Schreibwarenladen in Neuried. „Das ist kompletter Schwachsinn. Da hat einer wahnsinnig viel Zeit gehabt.“ Aktuell nehmen zwei Prozent seiner Kunden einen Beleg mit. „Der normale Privatmann braucht keinen.“ Künftig werden für zwanzig Zeitungen auch zwanzig Belege fällig.

Nur jeder 15. Kunde will einen Bon

Peter Sickinger sagt, in den Bäckereien seiner Familie verlange aktuell rund jeder 15. Kunde einen Bon. Künftig brauche er für seine 18 Kassen dann ein Vielfaches an Rollenpapier, befürchtet er. Ein Karton mit Kassenrollen koste 350 Euro. Wenn er künftig monatlich zwei mehr brauche, „produzieren wir viel mehr Müll“, außerdem gehe das ins Geld. Und all das „wegen der panischen Angst unseres Staates, dass ihm ein Euro entgehen könnte“, so der Geschäftsführer der Bäckerei.

„Ganz sicher machen jetzt die nächsten kleinen Einzelhändler dicht – und die großen freuen sich.“ Der Martinsrieder Metzger Volker Brehm versteht diejenigen, die sagen: „Jetzt lass ich es halt.“ Er muss in seiner Metzgerei bereits seit 2016 jeden Beleg ausdrucken. Damals hatte sich die Gesetzeslage ebenfalls geändert. Und das damit fällige neue Kassensystem kostete ihn inklusive Installation rund 25 000 Euro.

Kleine Einzelhändler unter Generalverdacht

Doch nicht nur das ärgert Brehm. Die kleinen Einzelhändler würden mit dem Gesetz unter Generalverdacht gestellt. „Das ist eine riesige Sauerei.“ Dabei könnten sie schon jetzt keine Steuern hinterziehen. Bei ihnen speicherten die Kassen jeden Vorgang. „Wir sind eigentlich gläsern“, meint Brehm. „Wir müssen jeden Bon elektronisch speichern und dem Finanzamt bei Bedarf liefern“, erklärt Brehm. Seine Kasse öffne sich nicht, wenn er keinen Bon ausdrucke. „Manipulationen sind an den Kassen nicht mehr möglich. Bei uns läuft im Hintergrund ein Journal mit“, bestätigt Peter Sickinger. Das könne das Finanzamt auswerten. Von den Belegen habe es nichts, da diese auf Thermopapier gedruckt würden und keine zehn Jahre lesbar seien. Sickinger fragt daher: „Was soll der Endverbraucher mit dem Beleg?“ Und Brehm ergänzt: „Ich möchte den sehen, der für einen Kaugummi einen Kassenbon will.“ Der Metzger ist mit seinen Gedanken aber schon einen Schritt weiter. Ihn ärgert, dass sich schon die nächste Gesetzesänderung abzeichnet. Für 2023 sei geplant, dass in Kassen eine SIM-Karte eingebaut werden müsse, damit das Finanzamt direkt mit der Kasse in Kontakt treten könne. „Die Kasse, die ich 2016 gekauft habe, überlebt dann nicht einmal ihre Abschreibungszeit.“

Die Kassenbon-Pflicht ist auch in der Bundespolitik umstritten.

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