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Generationenwechsel: In den nächsten 15 Jahren soll der Altersschnitt im Würmtal um bis zu drei Jahre ansteigen.

Entwicklung der Gemeinden

Studie prognostiziert: Würmtaler werden mehr und älter

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Das Würmtal wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Das prognostiziert eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Auch das Durchschnittsalter soll steigen.

Würmtal – Besonders besorgniserregend finden die Würmtalgemeinden die Prognosen der Studie „Wegweiser Kommunen“ nicht. „Wir beschäftigen uns regelmäßig mit solchen Studien, die Zahlen dieser Prognose liegen im Rahmen der anderen“, sagt Alois Sailer, Leiter des Neurieder Hauptamts. Kernaussage der Studie der Bertelsmann Stiftung: Die Bürger im Würmtal werden mehr und älter.

Gräfelfing wächst am meisten, Planegg am geringsten

Am meisten Menschen werden nach Gräfelfing ziehen, heißt es. Statt 13 110 Bürgern 2012 sollen 2030 14 210 Menschen in der Gemeinde leben – ein Zuwachs von 8,4 Prozent. Prozentual am wenigsten wächst Planegg, so die Studie: 10 890 Einwohner soll die Gemeinde 2030 statt der 10 350 in 2012 haben. Eine Zunahme von 5,2 Prozent (genaue Zahlen siehe Kasten).

Geburtenrate sinkt, Sterberate steigt - trotzdem steigen die Einwohnerzahlen

In allen Gemeinden wird die Zahl der Geburten abnehmen, sagt die Bertelsmann Stiftung voraus: Statt durchschnittlich 8,2 werden 2030 im Würmtal nur noch 7,5 Kinder pro 1000 Einwohner geboren. Besonders stark ist der Rückgang demnach in Gräfelfing von 8,2 auf 6,7 Geburten.

Die Anzahl der Neugeborenen geht laut Studie zurück. Ohnehin werden demnächst keine Babys mehr das Licht der Welt tatsächlich im Würmtal erblicken – die einzige hiesige Geburtshilfe-Station in der Wolfart-Klinik in Gräfelfing schließt Ende September nach 60 Jahren ihre Pforten

Da gleichzeitig die Sterberate von 11,5 auf 13,3 Todesfälle pro 1000 Würmtaler deutlich zunimmt, würden ohne Zuzug Externer alle Gemeinden in den nächsten Jahren deutlich schrumpfen. Mit einem natürlichen Bevölkerungsrückgang von 13 Prozent durch Geburten und Todesfälle ist besonders Krailling auf Neubürger angewiesen, wächst durch diese aber laut Studie trotzdem um gut sechs Prozent.

Dem Würmtal droht die Überalterung

Auch das Durchschnittsalter der Würmtaler soll ansteigen, erwartet die Studie: Statt 44,8 in 2012 wird 2030 der durchschnittliche Würmtaler 47,5 Jahre alt sein. Insbesondere der Anteil der Senioren wird deutlich steigen: In Neuried etwa werden 2030 28,9 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein statt der 17,8 Prozent aus dem Jahr 2012.

„Wir haben uns aufgrund des verfügbaren Platzes bereits selbst eine Einwohner-Grenze von 10 000 auferlegt“, sagt Neurieds Hauptamtsleiter Sailer. Die Gemeinde hat heute rund 8500 Einwohner und habe „schon jetzt fast alle verfügbaren Flächen verbaut“, so Sailer. Die Plätze der Infrastruktur-Einrichtungen wie Kindergarten und Hort hätten bisher immer gereicht. Die Gemeinde achte darauf, dass dies auch so bleibe, meint er.

Das Würmtal: Aushängeschild in puncto Wirtschaft und Gewerbe

Neben den demografischen Prognosen klassifiziert die Bertelsmann-Studie auch alle Gemeinden in bestimmte Typen. 30 der insgesamt 2809 untersuchten Gemeinden werden als „Typ 2 – Zentren der Wissensgesellschaft“ bewertet, darunter Planegg und Gräfelfing. Neuried und Krailling werden als zwei von 178 Gemeinden im „Typ 3 – Prosperierende Kommune im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren“ eingestuft. Für Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst eine positive Rückmeldung für die Arbeit der Gemeinde.

Die weiter starke Alterung mit einem deutlich zunehmenden Anteil der über 80-Jährigen von 8,3 auf 13 Prozent im Jahr 2030 habe sie im Blick. „Wir sind aber mit zwei Altenheimen gut ausgestattet“, sagt Borst. Weiter ausgebaut werden solle angesichts der Zahlen ihrer Meinung nach das Angebot zum Betreuten Wohnen. „Wir haben immer eine hohe Fluktuation von rund zehn Prozent der Bevölkerung – also rund 800 Menschen, die kommen und gehen“, erklärt Borst. Dies mache manche Planung etwa bei der Kinderbetreuung etwas schwieriger.

In Gräfelfing lebt es sich am komfortabelsten - Planegg plant Projekte für einheimische Familien

Mit 53,3 Quadratmetern hat jeder Gräfelfinger deutlich mehr Wohnfläche als der Durchschnitts-Bayer (44 Quadratmeter), zeigt die Studie – Tendenz weiter zunehmend. Für Bürgermeisterin Uta Wüst „eine interessante Zahl, die natürlich Druck auf die Gräfelfinger Fläche macht“.

Die für 2030 prognostizierten Einwohner-Zahlen von 14 200 habe „Gräfelfing schon jetzt fast erreicht“, sagt Wüst. Es gebe daher ihrer Ansicht nach keinen kurzfristigen Handlungsbedarf wie etwa einen Anbau am Kurt-Huber-Gymnasium. „Natürlich haben wir aber die Schülerzahlen am KHG und in den Kindergärten immer im Auge und reagieren entsprechend darauf“, sagt Wüst.

Neuer Wohnungsbau wie hier auf der Kraillinger Sanftlwiese ist unerlässlich angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums in den Würmtalgemeinden.

Einige Flächen für Neubauten gebe es in Planegg und Martinsried „schon noch“, sagt Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann angesichts der prognostizierten Bevölkerungszunahme. „Etwa in der Alexander-Fleming-Straße oder der Richard-Wagner-Straße.“ Viele alteingesessene Planegger Familien „sitzen fest in der Gemeinde und werden hier wohl bleiben“, so Hofmann. Er möchte daher in den nächsten Jahren entsprechende Projekte für einheimische Familien starten.

ps

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