+
Wasser für den jungen Baum: Gärtnermeister Manfred Keck gießt eine Süßkirsche vor dem Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium.  

Trockenheit setzt Bäumen zu

Extra-Runden mit dem Gießwagen

Braun verfärbtes Laub und lichte Äste: Der heiße und trockene Sommer hat den Bäumen enorm zugesetzt. Die Gemeindemitarbeiter im Würmtal sind fast täglich im Einsatz, um den Bäumen das dringend benötigte Wasser zuzuführen.

Würmtal „Bei uns sind schon jetzt Trockenschäden zu erkennen“, sagt Roland Strecker aus dem Bereich Hoch- und Tiefbau im Gräfelfinger Rathaus. Strecker selbst war bereits als Baumpfleger tätig. Doch weil Bäume ihre Knospen im Sommer ausbilden, werde sich das wahre Ausmaß der Hitzewelle erst im nächsten Jahr zeigen.

„Wobei wir ja noch Glück hatten“, so Strecker. Weil es immer mal wieder stark geregnet hat, seien die Folgen nicht ganz so dramatisch wie in anderen Regionen. „In der Schweiz zum Beispiel hat es seit Ostern nicht mehr geregnet“, so der Rathausmitarbeiter. Riesige Laubhaufen würden dort schon jetzt für herbstliche Stimmung sorgen.

Dennoch ist in Gräfelfing einiges an Arbeit nötig, um die Bäume vor dem Austrocknen zu schützen. Täglich fährt ein Gießwagen durch die Straßen und versorgt die Pflanzen mit Wasser. Vor allem Jungbäume, deren Wurzelwerk noch nicht ausgereift ist, können über die Erde kaum Wasser aufnehmen. Zumal ein ausgetrockneter Boden ohnehin nicht in der Lage ist, Flüssigkeit zu speichern. Anstatt es aufzusaugen, fließt das Wasser an der Oberfläche ab. Man müsste also kleine Mengen gießen, abwarten und erneut gießen. „Dafür fehlt aber die Zeit“, so Roland Strecker.

In Berlin gebe es Säcke, die jeweils 60 Liter fassen und um die Baumstämme gewickelt werden. Über ein kleines Loch fließt das Wasser tröpfchenweise in den Boden, der dadurch genug Zeit hat, die Flüssigkeit aufzunehmen. „Das werden wir nächstes Jahr auch probieren.“

Bei den Neupflanzungen bevorzugt die Gemeinde Gräfelfing mittlerweile trocken- resistente Arten. Und orientiert sich dabei an der sogenannten GALK-Straßenbaumliste. Die „Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz“ befasst sich mit Baumsorten, die für städtisches Klima geeignet sind. So sorgt Asphalt für eine enorme Rückstrahlung der Hitze, die den Bäumen zusätzlichen Schaden zufügt. Weil der Gräfelfinger Rathausplatz ebenfalls aus einer großen Pflasterfläche besteht, haben sich die Mitarbeiter dort für einen Japanischen Schnurbaum entschieden. Dieser ist nässeempfindlich, wärmeliebend und meistens sogar frosthart.

Auch in Planegg leiden die Bäume unter der anhaltenden Dürre. Der sogenannte Trockenstress führt dazu, dass Bäume nicht nur Laub, sondern sogar Äste abwerfen, um die Trockenheit zu überleben. „Weil der Organismus geschwächt ist, haben auch Schädlinge leichtes Spiel“, sagt Richard Richter, Leiter des Planegger Bau- und Umweltamtes.

„Schädlinge lieben Wärme“, bestätigt auch Thomas Koller vom Kraillinger Bauhof. Borkenkäfer beispielsweise vermehren und entwickeln sich bei Hitze deutlich schneller. Statt der üblichen zwei Generationen pro Jahr rechnen Experten heuer mit drei bis vier.

Ist ein Baum befallen, muss er gefällt werden, ehe die nächste Generation als Käfer ausfliegt und sich weiter verbreitet. „Wir haben einen Experten, der die Bäume im Gemeindegebiet regelmäßig auf Bohrmehl kontrolliert“, sagt Koller. Dieses entsteht, während der Borkenkäfer die Eier unter die Rinde legt.

Um die Bäume zu schützen, sind die Mitarbeiter des Kraillinger Bauhofs beinahe täglich mit einem Unimog mit integriertem Gießfass unterwegs. Junge Bäume und Sträucher seien besonders auf Wasser angewiesen. Koller: „Vor allem bei Pappeln und Linden sind die Folgen der Hitzewelle nicht mehr zu übersehen.“

Karin Priehler

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Daheim bei den Hühnern: Wo das Würmtal noch laut gackert
Früher hat es im Würmtal nur so gegackert. Heute sind Hühner rar. 75 Menschen lassen sich davon nicht beirren. Sie halten ihre eigenen Hühner. Und gerade zu Ostern …
Daheim bei den Hühnern: Wo das Würmtal noch laut gackert
Täterin wollte Mädchen auf S-Bahn-Gleis schubsen: Polizei suchte mit Bildern - mit promptem Erfolg
Eine Planeggerin und eine Starnbergerin wurden am Ostbahnhof massiv körperlich bedrängt und verletzt. Die Polizei bat die Bevölkerung um Hilfe - mit Erfolg.
Täterin wollte Mädchen auf S-Bahn-Gleis schubsen: Polizei suchte mit Bildern - mit promptem Erfolg
Wildblumenwiesen heiß begehrt
Die zwei Zehn-Kilo-Säcke sind weg: Das Blumenwiesen-Saatgut, das die Gemeinde Planegg kostenlos an ihre Bürger ausgibt, findet reißenden Absatz. Auch Interessenten aus …
Wildblumenwiesen heiß begehrt
Erste zwei Straßen 2019 frisch saniert
Während viele andere Kommunen gerade ihre Straßenbauarbeiten für dieses Jahr ausschreiben, hat die Gemeinde Gräfelfing am Mittwoch die erste Straßensanierung des …
Erste zwei Straßen 2019 frisch saniert

Kommentare