Corona-Krise: Rettung der Lufthansa steht - Merkel ringt mit EU-Kommission um Auflagen

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Valentina D’Angelo und ihre Kollegen von der Bäckerei Sickinger sind auch in der Corona-Krise täglich für die Kunden da. „Wir werden gebraucht und ziehen dies durch“, sagt die zweifache Mutter.

Einzelhandel und Polizei im Würmtal

Trotz Corona im Einsatz an vorderster Front

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Im Kampf gegen die Epidemie stehen Mitarbeiter von Bäckereien, Supermärkten und Polizei ganz vorne. Sie sind nicht nur dem Virus ausgeliefert, sondern teils auch dem Groll der Menschen.

Würmtal– „Wir versuchen, immer nett zu bleiben“, sagt der Marktleiter des Martinsrieder AEZ, Florian Sieber. Er und seine Mitarbeiter bekämen aktuell viel Ärger ab. Mehr als die Hälfte der Kunden sei freundlich. Sie seien nett und bedankten sich für den Einsatz der Mitarbeiter. 30 bis 40 Prozent aber seien übel gelaunt. „Die sind zuhause überlastet und lassen den Frust bei uns ab.“ Es gibt auch Gegenbeispiele. In Gauting ist von Kunden zu hören, die im Penny-Markt Regale einräumten, als sie überlastete Mitarbeiter sahen.

Der Planegger Polizeihauptmeister Georg Anner kann sich nicht beschweren. Der Kontaktbeamte für Gräfelfing und Lochham fährt zurzeit Streife im Würmtal. Dabei rückt er nicht grundsätzlich mit Mundschutz aus. Meist kann er ausreichend Abstand halten. „Wir wollen den Bürger nicht beunruhigen.“ Seine Aufgabe ist es, in Parks und auf Spielplätzen zu kontrollieren, ob die Würmtaler sich an die Ausgangsbeschränkung halten. Auch ob die Gastronomie sich an die Auflagen hält, überprüft er.

Polizeihauptmeister Georg Anner macht auf seinen Streifenfahrten durchs Würmtal überwiegend positive Erfahrungen mit der Einstellung und Einsicht der Bürger.

Manchmal werde er von besorgten Bürgern gerufen, die Menschenansammlungen unterbinden möchten, manchmal gehe es Anrufern um das Prinzip: „Warum muss ich in meiner Wohnung bleiben, und die gehen raus?“ Anner stellt fest, dass gerade ältere Bürger gerne mit ihm ins Gespräch kämen. „Manche wollen einfach ratschen.“ Andere winken und danken. Es gebe auch Jugendliche, die sich vor dem Getränkemarkt zusammenfänden, die bekämen dann eine Anzeige. Einen Vater, der mit seinem Sohn auf der Sanatoriumswiese Fußball spielt, „muss ich leider bitten, zusammenzupacken – wegen des Nachahmungseffektes“, erzählt Anner.

Dabei stößt er meist auf Verständnis, auch wenn einige Bürger versuchen, die Grenzen auszutesten, und manche sich in ihrer Freiheit einfach nicht beschränken lassen wollen. Allmählich habe es sich eingespielt. Wenn ein Paar auf der Parkbank in der Sonne sitze, stehe es meist schon auf, „wenn es die Polizei von der Ferne sieht“.

Aggression spürt dafür der Marktleiter des AEZ. Sieber wird dafür verantwortlich gemacht, wenn er keine Hefe und kein Toilettenpapier hat, und erhält Ratschläge, wie er seinen Markt zu lüften und zu desinfizieren habe. Dazu ernte er Kritik für die neu installierten Scheiben, die die Mitarbeiter an der Kasse vor einer Infektion mit dem Virus schützen sollen. „Die Stimmung der Kunden ist nachvollziehbar, aber für uns belastend“, sagt er.

Postiv registriert Sieber, dass bei ihm täglich 30 bis 40 Bewerbungen eingehen – von Menschen aus Industrie und Gastronomie. Auch Manager seien darunter. „Ich habe am Donnerstag 14 Menschen eingestellt. Wir haben einen erhöhten Bedarf“, sagt Sieber. Die Mitarbeiter des AEZ bekämen Sonderprämien für ihren Einsatz. Und die Bezahlung der Überstunden werde aktuell günstiger besteuert. Sieber findet das gerechtfertigt: „Die Mitarbeiter geben eine übermenschliche Leistung – und das auch noch mit einem Lächeln.“

Voll des Lobes für seine Belegschaft ist auch Peter Sickinger. Der Bäckermeister aus Gräfelfing sagt: „Es ist unvorstellbar, was unsere Mitarbeiter und die Beschäftigten des Bäckerhandwerks allgemein derzeit leisten. Auch Bäcker und Metzger sorgen in dieser Krise mit aller Energie in vorderster Front für die Versorgung der Bevölkerung, nicht nur Supermärkte.“

Zu den Sickinger-Mitarbeitern, die sich täglich im Kundenkontakt an der Verkaufstheke exponieren, gehört Valentina D’Angelo. „Ich habe keine Angst, arbeiten zu gehen“, sagt die zweifache Mutter. „Ich vertraue den Kollegen und unseren Chefs. Wir halten alle Regeln ein und fürchten keinen Weltuntergang. Und jemand muss diese Arbeit tun. Wir werden gebraucht und ziehen dies durch“, so Valentina D’Angelo im Merkur-Gespräch.

Mit der Krise ist für die Mitarbeiter eine neue Aufgabe erwachsen: die Kunden auf die Einhaltung der Regeln hinzuweisen. Abstand halten, nicht mehr als fünf Kunden gleichzeitig im Laden. Valentina D’Angelo: „Je nach Persönlichkeit reagieren manche empfindlich. Aber immer mehr Kunden danken uns mit persönlichen Worten und wünschen uns Gesundheit. Und einige runden sogar beim Bezahlen etwas auf.“

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