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Auf dem Eichendorffplatz werden die Gräfelfinger auch an diesem Sonntag der Toten gedenken.

Gedenken an Kriegsopfer

Volkstrauertag ohne Volk

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Der Volkstrauertag verliert vielerorts an Bedeutung. Im Würmtal werden die Fahnen am Wochenende hochgehalten. Krailling und Planegg haben dafür ihr Format geändert.

Würmtal– „Viele aus meiner Familie sind in den sinnlosen Weltkriegen gefallen“, sagt Peter Kirschning. Für den Vorsitzenden des Sozialverbands VdK Planegg-Gräfelfing ist es selbstverständlich, dass er am Gedenken zum Volkstrauertag an diesem Wochenende teilnimmt. Es gibt Orte, da wurden die Gedenkfeiern heuer mangels Volk abgesagt. Für Kirschning ist das undenkbar, aber die Bevölkerung macht sich auch im Würmtal rar. „Wir Älteren geben weiter, was war. Das ist unsere Pflicht.“ So ein „Blödsinn“ solle sich nicht wiederholen.

Dass der Volkstrauertag in Krailling und Planegg nach wie vor begangen wird, liegt an intensiven Bemühungen beider Gemeinden. Als das Interesse abflaute, legten sie ihre Feiern kurzerhand zusammen, erklärt Planeggs Geschäftsleiter Stefan Schaudig. „Wir haben ein neues Format gefunden.“ So finde das Gedenken abwechselnd in Krailling oder Planegg am Vorabend des Volkstrauertages mit Bläsern und Böllerschüssen statt. Anschließend gebe es eine Brotzeit für die rund 100 beteiligten Mitglieder der Vereine. Aber die Bevölkerung werde nicht in Scharen kommen, weiß Schaudig. „Die Jungen können nicht mehr viel damit anfangen.“

Auch Reservisten werden am Samstag wenige da sein. Die „Soldaten- und Reservistengesellschaft Maria Eich“ wurde bereits 2008 aufgelöst, da ihr der Nachwuchs ausging. Die Fahnen des Vereins lagern im Archiv der Gemeinde. Kirschning war Mitglied des Vereins. Er sagt: „Die, die noch mobil gemacht werden können, werden am Samstag kommen, alleine aufgrund ihrer Überzeugung.“ Kirschning wird die „Hubertusschützen“ unterstützen. „Ich gehe mit deren Fahne oder ich böllere“, sagt er. Der Planegger wird am Samstag in Planegg und Krailling anzutreffen sein und am Sonntag in Gräfelfing. Dort hat die Veteranen- und Reservisten-Kameradschaft noch 135 Mitglieder. Darunter sei allerdings nur mehr ein Kriegsteilnehmer, der sei 96 Jahre alt und nehme am Sonntag nicht mehr teil, erklärt der Vorsitzende Peter Pfeil. Nur ein Mitglied sei überhaupt in der Lage, die Fahne zu tragen. „Die ist sehr schwer.“ Der 22-Jährige reise am Sonntag extra aus der Kaserne in Mittenwald an. Dazu erwartet Pfeil noch 15 bis 18 weitere Vereinsmitglieder. „Dank unserer Frauen, ohne die wären wir nicht so viele.“ Er bedauert, dass der Volkstrauertag nicht mehr auf die gleiche Weise begangen wird, wie in seiner Kindheit. „Früher wurde dafür die Bahnhofstraße gesperrt.“ Heute gingen die Leute lieber aufs Straßen- oder Weinfest. „Ich finde das ganz schwach.“ Jedes Jahr werde es weniger. „Ohne die Vereine wäre es nichts mehr.“

In Neuried rechnet Sprecherin Inke Franzen mit Fahnenabordnungen und rund 40 Mitgliedern von TSV, VdK und Feuerwehr. Der Pfarrer habe abgesagt. Wie viele Bürger kämen, sei wetterabhängig, sagt sie. In Gauting und Stockdorf gibt es ebenfalls Gedenkfeiern. Unterbrunn und Oberbrunn machen es wie Krailling und Planegg, sie haben sich zusammengetan.

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