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Daumen runter: Pappbecher sollen im Würmtal verschwinden, dafür setzt sich Hans Sickinger von der gleichnamigen Bäckerei ein. Derzeit verlassen 60 Becher am Tag jede seine Filialen. Kundin Sophie Gleichenstein aus Gräfelfing begrüßt die Initiative.

Coffee to go

Kampfansage an den Pappbecher

Kaffeebecher aus Pappe sollen aus dem Würmtal verbannt werden. Schon bald wird es für die Region einen Mehrwegbecher geben. Damit sind die Würmtaler Vorreiter in Deutschland.

Würmtal– Der schnelle Kaffee auf dem Weg zur Arbeit oder in die Uni wird im Pappbecher serviert. Coffee-to-go, heißt das Konzept so modern, und ist dabei ein Problem für die Umwelt. Bäcker und Wirte im Würmtal wollen nicht länger zuschauen und dem Pappbecher ein Ende bereiten. Noch in diesem Frühjahr wollen sie gemeinsam einen hochwertigen Pfandbecher aus Kunststoff einführen. Wer dann im Würmtal einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, kann seinen Becher bei nächster Gelegenheit an anderer Stelle im Würmtal zurückgeben. Bäckereien, Kaffeehäuser, Restaurants und Tankstellen in Gauting, Krailling, Planegg, Gräfelfing und Neuried: Alle sollen bei dem Mehrwegsystem mitmachen, so der Traum der Initiative.

Gestartet hat sie der Gräfelfinger Hans Sickinger von der gleichnamigen Bäckerei. 60 Pappbecher verließen jede seiner Filialen täglich. Jede Stunde würden in Deutschland 320 000 weggeworfen. „Das ist eine Umweltkatastrophe. Mein Ziel ist es, den Pappbecher zu verbannen.“ Die Exemplare, die derzeit im Umlauf sind, seien nicht wiederverwertbar. Aufgrund ihrer Kunststoffbeschichtung endeten sie im Restmüll und würden verbrannt. Seit Dezember führt Sickinger Gespräche mit Kollegen und Gemeinden. Und er stellt fest: „Es gibt viele, die sich an der Aktion beteiligen wollen.“

Vorbild für Sickingers Becher ist der kürzlich eingeführte „Freiburg-Cup“ aus der gleichnamigen Stadt im Breisgau. Das Würmtal gefällt sich als Vorreiter. „Da wollen wir gerne vorne mit dabei sein“, sagt Sabine Strack, zuständig für Wirtschaftsförderung in der Gemeinde Gräfelfing. Und die Pläne sind groß. „Wir starten im Würmtal.“ Im nächsten Schritt könne man dann nach München oder in den Landkreis Starnberg expandieren. Ein Hersteller für die neuen Becher aus Kunststoff sei gefunden, demnächst werde der Vertrag unterzeichnet. Ein Grafiker sei daran, Entwürfe für das Äußere auszuarbeiten. Der Becher soll schön und hochwertig aussehen. Und: „Die Gemeinden überlegen, das Projekt finanziell mit anzuschieben.“ Jetzt gilt es, Sickingers Kollegen und die Kunden im Würmtal zu begeistern. Was die Kollegen des Bäckers betrifft, sagt Strack, „wir haben noch nicht mit allen gesprochen, aber mit den meisten“. Weitere Gespräche sollen folgen.

„Wir hoffen, dass der Kunde sagt, endlich gibt’s etwas Gescheites“, ergänzt Sickinger.Die Kunststoffbecher sollen in Deutschland produziert werden, könnten 500 Mal verwendet werden und seien gut recyclebar. Neben dem Umweltaspekt ist Sickinger wichtig, die Marke Würmtal zu stärken. „Ich bin ein absoluter Fan dieser Marke.“ Dass Kraillings Gemeinderat der Marke jüngst eine Absage erteilt hat, bringt ihn nicht davon ab. „So hat die Marke mal ein Projekt“, sagt er. „Das Würmtal soll ein Team darstellen. Im Team sind wir stark.“

Victoria Strachwitz

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