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Mehrere Tausend Euro zocken Trickbetrüger von ihren Opfern, in erster Linie Senioren, ab. Eine Aufklärung im Nachgang ist für die Polizei sehr schwierig bis unmöglich.

Kampagne zu Trickbetrug

Polizei warnt mit Infoständen vor falschen Kollegen

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Verbrecherbanden geben sich als Polizisten aus, um Senioren Geld und Wertgegenstände abzuschwatzen. Jetzt ist die Polizei im Würmtal mit Infoständen unterwegs.

Würmtal – Rentnerin Edeltraud Schmidhuber gießt gerade ihre Balkonblumen, als das Telefon klingelt. Sie eilt ins Wohnzimmer und liest auf dem Display die Nummer 089/110 ab. „Ist die 110 nicht die Notrufnummer der Polizei?“, denkt sie sich noch und hebt den Hörer ab. Am Telefon ist eine männliche Stimme zu hören. Der Mann gibt an, dass er Kriminalhauptkommissar Kunz von der Polizei sei. Er müsse die Seniorin dringend vor einem bevorstehenden Einbruch warnen.

Frau Schmidhuber gibt es nicht wirklich, ebenso wie den Kriminalhauptkommissar Kunz. Doch nach diesem Muster laufen viele, oftmals erfolgreiche, Trickbetrügereien ab Verbrecher geben sich als Polizisten aus, um von Senioren Geld zu stehlen. Wie die „echte“ Polizei mitteilt, stieg die Anzahl der Betrugsversuche, bei denen die Täter sich per Telefon melden, zuletzt stark an. Ganze Verbrecherbanden seien so tätig. Vor ein paar Jahren war der Enkeltrick, bei dem sich Anrufer als vermeintliches Familienmitglied in Geldnöten ausgeben, ein beliebtes Betrugsmuster. „Das ist inzwischen etwas zurückgetreten“, sagt Jürgen Bigott, stellvertretender Dienststellenleiter in Planegg. Nun sei die Masche „falscher Polizeibeamter“ auf dem Vormarsch.

Jürgen Bigott, Vize-Inspektionsleiter, warnt vor falschen Polizisten.

Edeltraud Schmidhuber hat derweil ihre Ersparnisse von der Bank geholt – auf Anraten des vermeintlichen Polizeihauptkommissars. Schließlich seien auch Bankangestellte Teil des Verbrecherrings und würden ihr Geld andernfalls ins Ausland transferieren. Was unglaubwürdig klingt, kann für Menschen in einer derart überrumpelten Situation plausibel erscheinen. Immer wieder sind Trickbetrüger durch diese Masche erfolgreich. Im Würmtal war dies – zumindest zuletzt – nicht der Fall. „Es gab auch hier Versuche“, sagt Bigott, „aber die Opfer haben in allen Fällen gut reagiert.“ Den Delikten nachzugehen, ist schwierig. Zumeist melden sich die Trickbetrüger über ausländische Callcenter, wenngleich die Nummern nicht als ausländische Anschlüsse erkennbar sind. „Über das Internet lässt sich das gut verschleiern. Eine Rückverfolgung ist kaum möglich“, so Bigott.

Die einzige Möglichkeit für die Beamten bleibt ein direkter Zugriff, wenn einer der Täter – als vermeintlicher verdeckter Ermittler – Geld und Wertgegenstände des Opfers entgegennimmt. Angeblich, um sie vor dem drohenden Einbruch in Sicherheit zu bringen. Für einen polizeilichen Zugriff in diesem Moment bedarf es aber einer frühzeitigen Meldung der Ereignisse durch die Opfer. „Dann können wir in Zusammenarbeit mit der Fachdienststelle vor Ort handeln“, erklärt Bigott. Für Edeltraud Schmidhuber ist es zu spät. Erst am Abend kommen ihr Zweifel, und sie meldet sich bei der „echten“ Polizei, die ihr nicht mehr helfen kann.

Richard Sommer, Kontaktbeamter, informiert in Neuried und Planegg.

Damit dieser exemplarische Fall für die Würmtaler Bürger am besten niemals Realität wird, setzt die Planegger Polizei nun ganz auf Prävention. In den kommenden Wochen ist sie mit Infoständen in den Würmtalgemeinden unterwegs. „Wir wollen vor allem Senioren sensibilisieren“, sagt Bigott. Dabei soll es jedoch nicht nur um die falschen Polizisten gehen. Die Kontaktbeamten Bernhard Halckenhäußer (Krailling), Richard Sommer (Planegg/Neuried) und Georg Anner (Gräfelfing) informieren auch über andere Themen, etwa über Einbrüche. „Das brennt den Kollegen besonders unter den Fingernägeln“, meint Bigott. Durch die neue Aufklärungskampagne erhofft sich die Polizei, Verbrecherbanden frühzeitig das Handwerk zu legen.

Die Infostände

der Polizei sind in den kommenden Wochen an folgenden Orten im Würmtal zu finden:

Donnerstag, 22. Juni, 16 bis 18 Uhr, Kraillinger Bibliothek (Margaretenstraße 53 a);

Mittwoch, 28. Juni, 9 bis 11 Uhr, Neurieder Rathaus (Planegger Straße 2);

Mittwoch, 5. Juli, 9 bis 11 Uhr, Planegger Rathaus (Pasinger Straße 8), 16 bis 18 Uhr, Gräfelfinger Bürgerhaus (Bahnhofsplatz 1);

Mittwoch, 12. Juli, 16 bis 18 Uhr, Gräfelfinger Bürgerhaus (Bahnhofsplatz 1);

Donnerstag, 13. Juli, 14 bis 16 Uhr, Kraillinger Rathaus (Rudolf-von-Hirsch-Straße 1);

mg

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