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Die Kinderbetreuungseinrichtungen im Würmtal liegen beim Personal fast immer unter dem jeweiligen Landkreisdurchschnitt.

Betreuungsschlüssel in Kindertageseinrichtungen

Wenig Personal, viele Kinder

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Wer arbeitet, ist auf Kinderbetreuung angewiesen. Doch einen Platz zu finden, ist meist alles andere als einfach. Häufig mangelt es in den Einrichtungen an Personal. Insbesondere im Würmtal macht sich dies bemerkbar.

Würmtal – Insgesamt fehlen im Landkreis München 180 Kinderpfleger und Erzieher. Nun hat eine Bertelsmann-Studie zum Thema frühkindliche Bildung die Personalsituation in Bayerns Kindertageseinrichtungen genauer unter die Lupe genommen. Die Studie untersucht, wie gut Krippen und Kindergärten mit Erziehern ausgestattet sind. Entscheidendes Kriterium: der Personalschlüssel.

Die Bertelsmann-Studie empfiehlt einen Personalschlüssel von 1 zu 7,5 für Kinder ab drei Jahren, für die unter Dreijährigen wird ein Schlüssel von 1 zu 3,0 als wünschenswert erachtet. Folgt man der Studie, bräuchte es 8000 zusätzliche Vollzeitkräfte und 344 Millionen Euro, um dies für ganz Bayern zu erreichen. Im Landkreis München beträgt der Betreuungsschlüssel im Krippenbereich derzeit 3,7 und im Kindergartenbereich 8,1, im Landkreis Starnberg 4,1 bei den Krippen und 8,5 in den Kindergärten.

Wenn man nur das Würmtal betrachtet, sieht die Situation ernüchternd aus. Die Gemeinden erreichen weder den empfohlenen noch den durchschnittlichen Wert. Lediglich Planegg kommt mit 4,0 annähernd in den Bereich des empfohlenen Betreuungsschlüssels. In der gemeindlichen Kinderkrippe werden jeweils 12 Kinder von drei Fachkräften betreut. In den gemeindlichen Kindergärten liegt der Betreuungsschlüssel bei 9,0.

Insbesondere Kraillings Kinderkrippen erreichen nicht annähernd den empfohlenen Betreuungsschlüssel. „Im Schnitt liegen wir bei 9,5“, so Alexander Broschell, Pressesprecher der Gemeinde. Der Schlüssel in den Kindergärten liegt ebenfalls bei circa 9,5. Laut Broschell sei die Situation aber dennoch befriedigend.

In Neuried gibt es insgesamt vier Kinderhäuser mit Kindergarten und Kinderkrippe in einem Gebäude. Von den 96 Krippenplätzen sind aktuell 88 belegt. Der Anstellungsschlüssel in den Kindertageseinrichtungen liege im Schnitt unter 10,0, wie Pressesprecherin Christiane Unger mitteilte. Durch den Verbund von Kindergarten und Krippe in einer Einrichtung als Kinderhaus lassen sich, wie die Gemeinde mitteilte, jedoch nur schwer Einzelschlüssel ermitteln.

Ähnlich sieht die Situation in Gauting aus. Reine Kinderkrippen gibt es dort fünf, alle anderen U3-Betreuungsplätze sind in Kinderhäusern oder in Großtagespflegen untergebracht. Der durchschnittliche Anstellungsschlüssel beträgt hier 8,96. In den Kindergärten beträgt der Anstellungsschlüssel 9,78. Lediglich die Busy Bees International Preschool unterläuft mit 8,1 den durchschnittlichen Anstellungsschlüssel für den Landkreis Starnberg.

Im Bereich der Kleinkindbetreuung ist auch Gräfelfing nicht sonderlich gut aufgestellt. Durchschnittlich kümmert sich hier eine Kinderpflegerin oder eine Erzieherin um 9,91 Kinder. Ähnlich, wenn auch etwas besser, sieht die Situation in den Kindergärten aus: Dort beträgt der Betreuungsschlüssel 9,79. Ins gerade begonnene Kindergartenjahr sei man in der gemeindlichen Kinderkrippe pro Gruppe mit maximal zwölf Kindern jedoch jeweils mit drei Fachkräften gestartet, erklärt Gräfelfings Pressesprecherin Sabine Strack.

In allen Würmtal-Gemeinden ist der Personalmangel spürbar. Martina Sohn, Pressesprecherin der Gemeinde Planegg: „In den gemeindlichen Einrichtungen sind derzeit zwei Stellen und im Evangelischen Kindergarten Spielkiste Martinsried ist derzeit eine Erzieherstelle zu besetzen. In der Tat ist es nicht leicht, pädagogisches Personal zu finden.“

Die Gemeinden versuchen dies vorwiegend über eine Arbeitsmarktzulage und Zusatzleistungen. So bemüht sich etwa Planegg, durch Massageangebote, kostenlose Fortbildungen oder einen Oktoberfestbesuch sein Personal dauerhaft an sich zu binden. Gräfelfing will mit guten Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen, wie beispielsweise einer hochwertigen Gestaltung der Räumlichkeiten und Außenanlagen, punkten. „Darüber hinaus geht die Gemeinde, so weit möglich, auf Wünsche der Beschäftigten hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung ein“, sagt Sabine Strack.

Trotz der großen Nachfrage nach Kinderbetreuung ist man aber zuversichtlich. „Insgesamt können wir mit der Situation zufrieden sein. Es können alle Kinder, die einen Betreuungsbedarf haben, betreut werden“, so Martina Sohn.

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