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Eine große Herausforderung bei der Hundeerziehung sei die Kontrolle des Jagdtriebes, sagt die Daniela Häfele (Foto li.), die seit fast fünf Jahren in Gräfelfing eine Hundeschule betreibt

Mehrere Fälle im Würmtal

Wildernde Hunde reißen Rehe

Wildernde Hunde sind ein Problem. Wer seinen Hund im Wald nicht an die Leine nimmt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro. Zudem leben freilaufende Hunde im Wald derzeit gefährlich.

Würmtal– Die Bilanz wildernder Hunde in den Wäldern des Würmtals in diesem Frühjahr ist beachtlich: ein gerissenes trächtiges Reh in Planegg, ein weiteres in Gräfelfing. Dazu ein verwaistes totes Kitz in Planegg. Und das war vermutlich nicht alles. Das Landratsamt München hat nun reagiert. In einer Pressemitteilung appelliert es an Hundebesitzer, ihre Tiere im Wald besser zu kontrollieren.

Im Frühjahr dehnen viele Hundebesitzer ihre Gassi-Gänge aus, lassen ihre Hunde im Wald auch mal frei laufen. Doch gerade jetzt sind trächtige Rehe und unerfahrene Kitze leichte Beute. Und wenn ein Hund ein Reh reißt und die Decke des Bauches aufzieht, in dem noch Kitze sind, „dann ist das ein furchtbar grausamer Anblick“, sagt Thomas Prell aus Stockdorf, der in den Wäldern rund um Krailling, Planegg und Neuried auf die Jagd geht. Deshalb will er aufklären. Aufgeschreckte hochträchtige Geißen könnten unterm Rennen ihr Junges verlieren. Oder sie flüchteten aus Angst auf die Straße und würden dort zum Verkehrsopfer, erklärt Markus Ortner, zweiter Vorsitzender der Starnberger Kreisgruppe im Jagdverband Bayern, die Panik, die sich bei Rehen breitmache, wenn sie gejagt werden. „Wenn ich einen Hund habe, der zur Jagd neigt, muss ich ihn an die Leine nehmen“, findet daher Prell. Ansonsten müsse der Hund sich innerhalb des Einwirkbereiches seines Herrchens aufhalten, da ist er sich mit der Gräfelfinger Hundetrainerin Daniela Häfele einig (siehe Interview). „Ich muss ihn noch sehen können“, sagt Prell.

Seinem Jagdkollegen, Jan Staugaard, Forstverwalter des Barons von Hirsch, der ein Gebiet zwischen Planegg und Germering bejagt, ist der Begriff Einwirkbereich zu schwammig. „Ich hätte es gerne knallhart geregelt. Eigentlich gehört jeder Hund im Wald angeleint“, findet er. Die Gemeinden könnten mit der Hundesteuer Hundewiesen bereithalten, auf denen Hunde sich innerhalb eines eingezäunten Bereiches austoben, lautet sein Vorschlag.

Zwar besteht im Landkreis München keine grundsätzliche Leinenpflicht. Könne ein Hundehalter jedoch nicht jederzeit gewährleisten, dass sein Vierbeiner keine Wildtiere gefährdet, sollte der Hund an der langen Laufleine ausgeführt werden, betont Landratsamtssprecher Tobias Kleinert. Bei entsprechendem Ungehorsam sollte ein Hund an einer langen Laufleine ausgeführt werden – nicht nur zum Schutz der Wildtiere, auch im eigenen Interesse: In letzter Konsequenz sind Jäger berechtigt und sogar verpflichtet, einen wildernden Hund zu erlegen, um das Wild zu schützen“, erläutert Kleinert. Zudem stellten Verstöße gegen das Jagd- und Tierschutzrecht kein Kavaliersdelikt dar: Als Ordnungswidrigkeit drohten bis zu 1000 Euro Bußgeld, auch eine Bewertung als Straftat sei möglich, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes.

„Ich appelliere an die Vernunft der Mitbürger“, sagt Prell. 70 Prozent der Hundebesitzer hätten ihre Hunde im Griff. „Man trifft sehr besonnene Leute“, finden er und Staugaard. Das Problem seien die anderen. „Die sind aggressiv und drohen“, erzählt Prell. „Da sind auch ein paar dabei, die sagen, mein Hund braucht auch bisschen Spaß“, berichtet Staugaard. Er ist die Ausreden leid. Prell hat ähnliche Erfahrungen gemacht. In seinem Neurieder Revier hat er einen Hund beim Wildern eingefangen. „Die Besitzerin war null verständnisvoll.“ Eine Zeit später traf er die Hundebesitzerin wieder, da war ihr Hund gerade von einer Bache erwischt und schwer verletzt worden. Wenn Wildschweine ihre Jungen verteidigen, habe der Hund keine Chance, warnen Prell und Staugaard. „Die Frau ist vernünftig geworden, aber nur weil etwas passiert ist“, meint Prell.

Victoria Strachwitz

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