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Seinen „Original Forst -Kasten-Obazden“ will sich Wirt Johann Barsy nicht nehmen lassen.

Wirbel um Obazden

Wirte wütend: „Die reinste Schikane“

Er zählt zu den bayerischen Traditionsgerichten und ist fester Bestandteil jeder Brotzeit: der Obazde. Eine neue Verordnung der EU könnte das ändern. Wer die Käsespezialität selbst herstellt, muss künftig für Kontrollen zahlen. Die Wirte im Würmtal sind empört.

Würmtal – Seit zwei Jahren ist es amtlich: Der Obazde darf ausschließlich in Bayern hergestellt werden. Nur dann hat er diesen Namen verdient. Die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft hatte die pikante Käsespezialität damals bei der Europäischen Kommission als geografisch geschütztes Produkt eintragen lassen. So weit so gut, kommt der Obazde doch einem bayerischen Kulturgut gleich. Doch jetzt geht der Streit um das Traditionsgericht in eine neue Runde. Laut einer neuen EU-Verordnung dürfen Wirte ihren Obazden zwar nach wie vor selbst herstellen. Allerdings müssen sie sich Kontrollen unterziehen. Dabei soll unter anderem geprüft werden, ob die Zubereitung der nun gültigen Spezifikation entspricht. Demnach muss der Obazde 40 Prozent Brie und/oder Camembert enthalten, ergänzt durch Romadur, Limburger oder Frischkäse. Butter, Salz und Paprikapulver zählen ebenfalls zu den Pflichtzutaten. Wer will, darf seiner Mischung noch Zwiebeln, Kümmel, Milch, Rahm und Bier beimengen. Um den Obazden überhaupt in die Speisekarte schreiben zu dürfen, müssen die Wirte die Kontrollen selbst bezahlen. Wie hoch diese Kosten sein sollen, steht nicht fest, von 200 bis 300 Euro pro Jahr ist die Rede.

Renate Heide von der Planegger Gaststätte Heide-Volm bietet seit Jahren selbstgemachten Obazden an. Für die neue Verordnung hat sie kein Verständnis. „Ich sehe den Sinn nicht“, so die Wirtin. Jede Gaststätte habe ihre eigene Rezeptur. Dabei seien es gerade die Details, die den Unterschied machen.

„Natürlich könnte man den Obazden umbenennen, um diese neue Regelung zu umgehen. Aber ich wüsste nicht, warum man das tun sollte“, sagt Heide. Zumal sich der Name auf die ursprüngliche Art der Zubereitung beziehe. Davon abgesehen, dürften sich viele Gäste verwundert die Augen reiben, sollten sie den Klassiker plötzlich unter einem anderen Namen vorfinden. Immerhin zählt der Obazde im Heide-Volm zu den beliebtesten Brotzeiten.

Sanna Möller, Pächterin der Kraillinger Gaststätte Alter Wirt, überlegt tatsächlich, das Traditionsgericht umzubenennen. Oder sogar, im schlimmsten Fall, ganz von der Karte zu streichen. Und das, obwohl sich die hausgemachte Käsespezialität im Alten Wirt großer Beliebtheit erfreut. Rund zehn Kilogramm würden pro Woche über die Theke gehen. „Ich verstehe nicht, wieso man sich sowas überhaupt vorschreiben lassen sollte“, so die Wirtin.

Eine Frage, die sich auch Karl-Heinz Sporer, Pächter des Planegger Bräustüberls, stellt. Und das, obwohl er nur selten Obazden auf der Karte hat. „Wir haben hauptsächlich warme Speisen im Angebot.“. Seinem Ärger tut das aber keinen Abbruch. „Das ist doch Irrsinn. Vor allem für die großen Biergärten.“

Dem kann sich Sabri Konxheli, Pächter der Kraillinger Brauerei, nur anschließen. „Das ist die reinste Schikane. Als ob wir sonst nichts zu tun hätten.“ Gerade im Biergarten sei das pikante Gericht ein Muss. Er habe sich bereits mit seinem Küchenchef über mögliche Namensalternativen unterhalten. Vor allem die fränkische Bezeichnung für „Obazda“ käme in die engere Auswahl. Und so ist es nicht auszuschließen, dass im Biergarten der Kraillinger Brauerei bald von einem „Gerupften“ die Rede ist.

Johann Barsy, Wirt im Forsthaus Kasten, hingegen gibt sich kämpferisch. Er werde seinen „Original Forst-Kasten-Obazden“ auf keinen Fall von der Karte streichen. Und auch eine Namensänderung sei lächerlich. Barsy: „Wir dürfen das nicht auf uns sitzen lassen.“

Karin Priehler

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