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Behält als Goggolori die Kontrolle: Wirt Johann Barsy (r.) gibt wieder die bayerische Sagengestalt.

Perchten suchen Forst Kasten heim

Der Wirt als Goggolori

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Es ist eine Teufelsg’schicht. Wenn es im Forsthaus Kasten weihnachtet, dann gibt es nicht nur Punsch und Stollen. Dann rücken die Perchten an – von nah und fern. Und Wirt Johann Barsy ist ganz in seinem Element.

Forst Kasten – Er ist Küchenmeister und er ist Konditor. Dafür ist er bekannt. Dass er auch ein Zauberer ist, wissen die wenigsten. Aber es erklärt so einiges. Denn Zauberer ist Johann Barsy nicht nur ein bisschen. Der Wirt vom Forsthaus Kasten, hat die Zauberschule besucht, er hat die Zauberprüfung gemacht und er ist Mitglied im Magischen Zirkel. Wenn so einer eine Gaststätte und einen Biergarten betreibt, wenn so einer einen Adventsmarkt veranstaltet, dann geht es den Gästen nicht nur kulinarisch gut. Dann bekommen sie immer mal wieder eine Schau obendrauf. Es ist also kein Zufall, dass Johann Barsy (58) eine Perchtengruppe namens Forst-Kasten-Pass gründete und in seiner Gaststätte einmal im Jahr Hexen, Teufeln und dem sagenumwobenen Goggolori einen großen Auftritt verschafft.

Am Samstag, 16. Dezember, findet im Forsthaus Kasten daher ab 17 Uhr nicht nur ein gewöhnlicher gemütlicher Adventmarkt mit Punsch, Bratwürsten und einer Stollenparade statt. Ab 18.30 Uhr gibt es obendrein eine teuflische Schau. Dann beginnt die siebte Raunacht in Forst Kasten und Barsys Perchtengruppe tritt ins Rampenlicht. Zum Forst-Kasten-Pass gehören inzwischen 15 Stockdorfer – darunter nicht nur Perchten, sondern auch Hexen. Rund 2000 Leute kamen vergangenes Jahr, um sich Barsys Teufelsgeschichte anzuschauen. Den ehemaligen Chefbeleuchter des Münchner Gasteigs, Heinz Bollmann, hat er für Licht und Ton verpflichtet. Barsy meint es ernst mit seiner Schau.

Sieben Jahre ist es her, da lud er erstmals Perchtengruppen aus Österreich ein. „Die haben einen ziemlichen Aufruhr gemacht“, erinnert er sich. Stockdorfs Maibaum-Freunde waren davon ganz angetan. „Das hat denen so gefallen, dass sie große Sprüche gemacht haben“, sagt er. Ein Jahr später hatte er zusätzlich zu den Gruppen aus Österreich seinen eigenen Pass am Start. Die Stockdorfer Maibaumfreunde standen als Perchten bereit. Er fand einen Maskenschnitzer in Österreich. Und damit nicht genug: „Dann braucht’s a Gwand a no“, sagt er. Seine Schafe lieferten massig Fell für die Mäntel.

Anders als in Österreich, wo Perchtengruppen ganze Dörfer unsicher machen oder lärmend von Tür zu Tür ziehen, konzentrierte sich der Forst-Kasten-Pass bislang auf den Biergarten zwischen Gauting und Neuried. „Ein Zug macht keinen Sinn“, meint Barsy. Dafür gebe es in der Region zu wenig Perchten. Also gibt es ein Schauspiel. Die Ruten werden nur zur Schau getragen. Die Stockdorfer Perchten beeindrucken ihr Publikum in Forst Kasten friedlich mit ihren furchteinflößenden Masken aus Holz, Teufelshörnern und langen, schweren, zotteligen Mänteln. Barsy schreibt die Geschichte zu dem Spektakel, das Drehbuch sozusagen. Ein Märchenonkel erzählt sie. Befreundete Perchtengruppen aus Österreich und die Penzberger Beaschdn werden heuer mit von der Partie sein. Die Österreicher kommen freilich auch wieder mit ihren Ruten. Aber keine Angst: „Zuhauen dürfen sie bei uns nicht.“ Das dürfe keiner. Damit er die Kontrolle behalte, sei er selbst auch nicht maskiert, sondern stelle den Goggolori dar. Barsy hat eigentlich ein Faible für Verkleidungen, aber er sagt: „Wenn ich mit 60 Leuten auf die Wiesn gehe, muss einer nüchtern bleiben.“

Beendet wird die Schau am 16. Dezember mit einer Demaskierung und einem großen Feuerwerk. Am Tag darauf wird es im Forsthaus Kasten wieder sein, wie an den beiden Sonntagen zuvor: Zwischen 12 und 18 Uhr findet der gemütliche Adventsmarkt statt, mit Stollenparade aus sieben verschiedenen Sorten, Ponyreiten, Kinderbastelstunden, lebender Krippe und einem Märchenerzähler. Doch diesmal werden die Perchten nicht wieder ein Jahr lang ruhen, bis sie wieder wüten. Am 30. Dezember sind sie in Freising beim Perchtenlauf dabei.

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