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Immer mehr Menschen kehren im Würmtal der Kirche den Rücken zu.

Nur Neuried widersetzt sich dem Trend

20 Prozent mehr Kirchenaustritte

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Die Zahl der Kirchenaustritte im Würmtal nimmt drastisch zu. Nur die Neurieder widersetzen sich diesem Trend.

Würmtal – Vereine und Parteien leiden unter Mitgliederschwund. Der Kirche im Würmtal geht es nicht anders. Verließen 2018 noch 586 Menschen ihre Glaubensgemeinschaft, waren es 2019 mit 698 knapp 20 Prozent mehr. Dabei kommen nicht nur der evangelischen und der katholischen Gemeinschaft die Schäfchen abhanden. Die griechisch-orthodoxe Kirche verlor 2018 zwei Kraillinger, der Humanistische Verband Deutschland-Bayern einen Kraillinger.

In Neuried nimmt Zahl der Austritte ab

Nur in Neuried scheinen die Kirchen etwas Luft holen zu dürfen. Dort verließen 2019 13 Menschen weniger ihre Glaubensgemeinschaft als noch im Jahr zuvor. Statt 33 kehrten nun 21 Mitglieder der evangelischen Kirche den Rücken zu. Bei den Katholiken hält es sich fast die Waage. 2018 waren es 68, 2019 67. Wieslaw Poradzisz, Pfarrer von St. Nikolaus, möchte dafür erst mal keine Lorbeeren. „Ich habe das sicher nicht gemacht“, sagt er. Möglicherweise sei das Neubaugebiet, in das viele junge Leute gezogen seien, verantwortlich.

Mit den aktuellen Zahlen konfrontiert, reagiert er nicht überrascht. „Das sieht man in der Kirche. Da kommen viele junge Menschen, die sich auch engagieren. Vielleicht finden diese Leute unsere Gemeinde attraktiv.“ St. Nikolaus verfüge über eine starke Jugendgruppe und viele Ehrenamtliche. Nach kurzem Nachdenken sagt Poradzisz: „Es könnte an unserer Arbeit liegen.“

In den übrigen Gemeinden im Würmtal will man den Trend zum Austritt nicht mit der eigenen Arbeit verbinden. „Aus Zorn treten nicht viele Menschen aus“, meint der evangelische Pfarrer der Waldkirche Bernhard Liess. Seine Gemeinde erstreckt sich von Stockdorf über Krailling und Planegg bis nach Gräfelfing.

In der Gemeinde Gauting haben sich 2018 206 Christen verabschiedet (61 evangelisch, 145 katholisch), 2019 waren es 248 (74 evangelisch, 174 katholisch). In Krailling waren es 2018 64, (19 evangelisch, 42 katholisch), 2019 79 (27 evangelisch, 52 katholisch), in Gräfelfing 2018 118 (31 evangelisch, 86 katholisch), 2019 168 (48 evangelisch, 112 katholisch).

Für Planegg sind die Daten aktuell nicht einzeln zu bekommen. „Das hat sich in der Vergangenheit zwischen evangelisch und katholisch die Waage gehalten“, erklärt die Sprecherin der Gemeinde, Martina Sohn, aber. Insgesamt waren es 2017 78 Austritte, 2018 97 und 2019 115. „Die Tendenz ist steigend“, folgert Sohn.

In Krisenzeiten habe es die Kirche leichter

Diakon Wolfgang Kustermann von St. Stefan in Gräfelfing sagt: „Es wird die Aufgabe der Zukunft sein, dass Menschen wieder Gott finden und dann auch zur Kirche finden.“ In Krisenzeiten habe es die Kirche leichter. „Gott braucht es momentan nicht mehr unbedingt. Uns geht’s gut, wir leben in Reichtum und Überfluss.“ Oft träten Menschen aus Ärger über bestimmte Entwicklungen aus der Kirche aus, meint Liess. Als Beispiel nennt er den Missbrauchsskandal. Aber es fallen ihm noch mehr Gründe für die steigenden Zahlen ein. „Die Bindungsbereitschaft der Menschen hat extrem nachgelassen.“ Ein Problem, mit dem auch Parteien und Vereine zu kämpfen hätten. Der Mitgliederschwund der SPD sei viel dramatischer.

„Und die Kirchensteuer ist immer ein großer Punkt“. sagt Liess. Er meint, „das Kirchensteuersystem wird irgendwann mal zur Debatte stehen“. Über die Frage, was Kirchenmitgliedschaft eigentlich bedeute, müsse man sich Gedanken machen. „Wir müssen uns auf weniger Mitglieder, weniger Geld, Personal und Relevanz einstellen“, sagt Liess. In Schreckstarre wolle er deswegen nicht verfallen. Man müsse damit positiv umgehen.

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