In Planegg finden keine Urnenbeisetzungen mehr statt. Überall im Würmtal ist stark limitiert, wer an einer Beerdigung teilnehmen darf – alles zum Schutz vor dem Virus. Die Bestatter haben dennoch gut gefüllte Sarglager.
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Das Sarglager ist so voll wie nie: Peter Kramer (li.) und Andreas Freilinger von Abschied Bestattungen aus Gauting. 

Vom Bayerischen Gesundheitsministerium derzeit grundsätzlich untersagt

Bestattungen in Zeiten von Corona

  • Victoria Strachwitz
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In Planegg finden keine Urnenbeisetzungen mehr statt. Überall im Würmtal ist stark limitiert, wer an einer Beerdigung teilnehmen darf – alles zum Schutz vor dem Virus. Die Bestatter haben dennoch gut gefüllte Sarglager.

Würmtal – Bestattungen sind momentan grundsätzlich untersagt. So hat es das Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege verfügt. Doch es gibt Ausnahmen, und die sind streng geregelt. Dabei geht es im Würmtal vergleichsweise locker zu. Mehr als 15 Menschen dürfen im Würmtal nicht an einer Beerdigung teilnehmen. Die Bestattung darf nur im Freien stattfinden. Ort und Zeit dürfen nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Wer Fieber oder Symptome einer Atemwegserkrankung zeigt, darf nicht teilnehmen. Es gibt kein Weihwasser und keine Erde, kein Mikrofon und keine Musikanlage.

In München muss Teilnehmerliste eingereicht werden

In der Landeshauptstadt muss zusätzlich vorab eine Liste der Teilnehmer im Kreisverwaltungsreferat eingereicht werden, erklärt Bestatter Rudolf Zirngibl. „Sonst findet die Beerdigung nicht statt.“ Zirngibl und sein Kollege Andreas Freilinger von Abschied Bestattungen haben Verständnis für die neuen Regelungen. „Es ist vollkommen richtig“, findet Zirngibl. Die Trauernden zeigen bislang auch Verständnis. „Bis heute hatten wir Glück mit dem Wetter“, sagt Freilinger. Das einzige Problem: Urnenbestattungen werden nun häufig verschoben, damit die Bestattung später in größerem Rahmen stattfinden kann.

In der Gemeinde Planegg gibt es für Urnenbestattungen derzeit überhaupt keine Genehmigung. Das heißt: „Es staut sich, und das kann zum Problem werden, da wird nicht jeder seinen Wunschtermin bekommen. Statt zwei Bestattungen haben wir dann irgendwann 100 pro Tag“, sagt Zirngibl. Die aktuelle Verfügung des Gesundheitsministeriums gilt bis 19. April.

Infektionen werden auf Totenschein vermerkt

Grundsätzlich sagt Rudolf Zirngibl: „Wir waren gut eingerichtet für diese Sache.“ Wenn jemand an einer Infektion sterbe, werde dies stets auf dem Totenschein vermerkt. Die Bestatter trügen in einem solchen Fall immer schon Schutzkleidung. „Wir dürfen Infektiöse nicht mehr anreichen.“ Verstorbene bekämen dann keine eigene Kleidung mehr angezogen. „Wir dürfen ihnen auch nicht mehr den Ehering abnehmen. Da haben wir oft das größte Problem.“

Es scheint also alles geregelt. Doch der Schein trügt ein wenig. Corona war bis vor Kurzem offiziell keine Infektion: „Bis vor einigen Tagen war der Corona-Virus nicht kennzeichnungspflichtig.“ Das Virus habe erst auf die Liste der Infektionen gesetzt werden müssen. „Gott sei Dank haben es die meisten Ärzte trotzdem auf dem Totenschein angekreuzt.“ Zirngibl erklärt auch: „Wir sind erst seit vergangenem Mittwoch ein systemrelevanter Beruf. Was für ein Irrsinn, wer holt sonst die Verstorbenen ab?“ Doch auch das ist jetzt geregelt. Die Landratsämter hätten nun angerufen, um zu hören, wie viele Särge die Bestatter vorrätig hätten. „Die haben auch angefragt, wie viele Kühlmöglichkeiten wir haben“, sagt Zirngibl. Er habe vorsichtshalber schon etwas mehr Särge geordert, sagt aber: „Wir haben immer eher mehr als weniger.“

Sein Kollege Andreas Freilinger von Abschied Bestattungen erklärt: „Man hat uns empfohlen, unsere Sarglager aufzustocken. Wir hatten noch nie so viele Särge.“ Üblicherweise lagere er 30 bis 40 Stück, momentan seien es 150 bis 200. „Einfache Särge sind nicht mehr zu kriegen, oder der Preis ist um das Dreifache gestiegen“, berichtet er.

Diese Aussage relativiert sein Kollege Rudolf Zirngibl etwas: „Seit Januar gibt es bei manchen Herstellern kleinere Lieferengpässe“, das stehe aber nicht in Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Das sei saisonbedingt. Es liege daran, dass die Hersteller über Weihnachten die Produktion einstellen und dass im Winter mehr Menschen sterben würden als im Sommer. Wie auch immer: Was die Epidemie und ihre möglichen Folgen betrifft, sehen sich die Bestatter im Würmtal gut vorbereitet.

Vergangenen Sommer hatte man auf den Friedhöfen vor allem Probleme mit dem Buchsbaumzünsler.

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