Ostern wird heuer stiller als sonst. Eine Menge Bräuche wird es nicht geben. Die Pfarrer im Würmtal arbeiten fleißig, um das Fest trotzdem mit ihren Gläubigen feiern zu können.
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Die alte Stefanuskirche an der Würm in Gräfelfing: Pfarrer Markus Zurl will die Ostermesse um 5 Uhr früh live im Internet übertragen, begleitet n ur von Diakon, Mesner und Organist.

Ausgehbeschränkung gilt auch für das wichtigste Fest der Christen

Ein Ostern der Stille

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Ostern wird heuer stiller als sonst. Eine Menge Bräuche wird es nicht geben. Die Pfarrer im Würmtal arbeiten fleißig, um das Fest trotzdem mit ihren Gläubigen feiern zu können.

Würmtal – Die Speisenweihe findet heuer digital statt, das Osterfeuer gibt es nur im Fernsehen, die Osterkerze wird im kleinen Kreis entzündet. Ostern ist anders. Das wegen der Corona-Pandemie erlassene Versammlungsverbot gilt auch für das wichtigste Fest der Christen. In Maria Eich rief der Großhändler an, wie das nun mit der Lieferung der Eier sei, die traditionell am Ostersonntag verteilt werden. „Es ist schade um die Bräuche“, sagt Pater Matthäus Klein. Dazu zählt in Maria Eich auch die Verbrennung der kleinen bunten Zettel mit den Wünschen, Bitten und Danksagungen der Wallfahrer im Osterfeuer. „Das machen wir nicht heimlich im Stillen“, sagt Pater Matthäus. Er verschiebt das Feuer – einen Termin gibt es noch nicht. Das Osterfest feiert er jetzt erst mal nur mit seiner Klostergemeinschaft in der Hauskapelle.

Kurzer Gottesdienst in leerer Kirche

Der Pfarrer der Michaelskirche in Lochham, Bernd Reichert, findet es gespenstisch: „Das ist ein Freudenfest, und wir feiern es ganz alleine.“ Er weiß noch nicht, wie er damit zurechtkommen wird. Er will ein Osterfeuer anzünden und am Ostermorgen einen kurzen Gottesdienst in der leeren Kirche feiern, auch die Osterkerze wird er anzünden – ein Zeichen, dass Ostern nicht komplett ausfällt. Im Internet übertragen will er seine Osterfeier nicht. „Das überlasse ich den Profis vom Bayerischen Rundfunk“, sagt er.

Auch sein Kollege von der Planegger Waldkirche, Pfarrer Bernhard Liess, verweist auf den BR. Er ist zuversichtlich, dass die Botschaft, dass das Leben weitergehe, die Christen irgendwie erreichen werde, nur eben auf anderen Kanälen als gewohnt. Heuer werde nicht in der dunklen Kirche gefeiert, das Osterlicht werde nicht von Hand zu Hand weitergegeben. Die Begegnung in der Gemeinschaft finde nicht statt. „Es wird ein stilles Osterfest sein“, sagt er.

Entzünden der Osterkerze im Internet übertragen

Der Pfarrer legt derweil aber keineswegs die Füße hoch. „Man muss ständig überlegen, was man noch tun kann.“ Er überlegt, wie er wenigstens das Entzünden der Osterkerze im Internet übertragen kann, damit seine Gemeinde die vertraute Kirche sehen kann. Dazu sagt er: „Ich mache mir keine Illusion. Ich glaube nicht, dass Menschen sich das um 5 Uhr in der Früh anschauen werden.“

Was St. Elisabeth betrifft, so plant Pfarrer Johannes von Bonhorst einen eigenen Internetgottesdienst am Ostersonntag. Ob es gelingt, wird der Internetseite der Pfarrgemeinde zu entnehmen sein. In St. Nikolaus Neuried wird es am Sonntag keine Feier geben. Dort wird auf die Messe im Münchner Dom verwiesen, die live im Internet übertragen wird.

Ostermesse per Livestream

Pfarrer Markus Zurl vom Pfarrverband Gräfelfing ist im Würmtal wohl am weitesten, was die Digitalisierung betrifft. Er plant die Übertragung seiner Ostermesse um 5 Uhr morgens per Livestream im Internet. Diakon, Mesner und Organist werden dabei sein. Zurl überträgt bereits seine Gottesdienste aus der Hauskapelle live in die Wohnzimmer der Welt und ist überrascht, wie viele Menschen mitfeiern. 250 Computer seien online gewesen. Also geht er von 500 bis 700 Menschen aus. „Entfernungen spielen keine Rolle mehr“, sagt Pfarrer Zurl. Wer in den vergangenen Wochen mit ihm im Internet feierte, stammte nicht nur aus Gräfelfing, sondern auch aus seiner alten Pfarrei in Zorneding. Ein Gottesdienstbesucher habe „viele Grüße aus der Bretagne“ geschickt.

Zu Ostern will Markus Zurl jetzt von der Hauskapelle in eine Kirche der Gemeinde umziehen. Dazu muss er etwas professioneller werden als bislang. Er braucht dann andere Mikrofone und Kameras. Damit die Übertragung gelingt, hat ihm ein Profi aus der Gemeinde seine Hilfe angeboten. Ostern ist für Pfarrer Zurl also keineswegs stiller als sonst. „Die Tatsache, dass alles neu ist, dass man alles organisieren muss, dass viele ein Bedürfnis zu sprechen haben, bedeutet, dass ich nur am Telefonieren bin.“

Der Pfarrer will auch nicht auf alle Bräuche verzichten. In St. Stefan lagen bereits Palmbuschen aus, die sich die Menschen nach Hause nehmen konnten. Was die Speisenweihe betrifft, so sagt er: „Ich weiß nicht, ob es digital geht, aber ich werde es jetzt mal anbieten.“

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